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Nestlé füllt weniger Inhalt in die "Smarties Riesenrolle".
Nestlé füllt weniger Inhalt in die "Smarties Riesenrolle".(Foto: Verbraucherzentrale Hamburg)
Dienstag, 03. Juli 2018

Weniger Inhalt, gleicher Preis : Immer mehr Mogelpackungen

Auf den ersten Blick ist die Täuschung kaum zu erkennen, doch bei genauem Hinsehen wird klar: Bei vielen Produkten schrumpft der Inhalt der Verpackung, während der Preis unverändert bleibt, wie die Verbraucherzentrale Hamburg erneut bemängelt.

Der Täuschung hat Methode: Insbesondere Hersteller von Markenprodukten reduzieren klammheimlich den Inhalt ihrer Waren und bieten diese dann zu einem unveränderten Preis an. Fertig ist die versteckte Preiserhöhung. Verbraucherschützer sprechen in solchen Fällen von Mogelpackungen. Trotz unzähliger Beschwerden schalten Hersteller und Händler bei diesem Vorgehen seit Jahren auf Durchzug und lassen Verbraucher ins Leere laufen, wenn diese überhaupt die Täuschung bemerken.

Die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) sensibilisiert Kunden seit Jahren und kürt denn auch mit deren Hilfe die Mogelpackung des Jahres. 2017 konnte das Vitalis Früchtemüsli von Dr. Oetker den wenig schmeichelhaften Preis für sich reklamieren. Dr. Oetker hatte den Inhalt des Müslis im vergangenen Jahr von 600 auf 500 Gramm gesenkt, was bei gleichem Preis einer versteckten Preiserhöhung von 20 Prozent entspricht.

Im ersten Halbjahr 2018 ist die Zahl der von der vzhh erfassten Lebensmittel, bei denen durch eine Reduzierung der Füllmenge der Preis versteckt erhöht wurde, deutlich gestiegen. Im Vergleich zum Durchschnittswert der letzten sieben Jahre meldeten Verbraucher in der ersten Jahreshälfte 51 Prozent mehr sogenannte Mogelpackungen. Darunter waren auch Produkte, bei denen Hersteller den Zucker- oder Fettgehalt reduziert hatten. "Täglich erreichen uns Beschwerden, doch die Politik lässt die Verbraucher seit Jahren im Stich", ärgert sich Armin Valet von der vzhh.

Preisanstieg in letzten sechs Monaten von über 20 Prozent

Von Januar bis Ende Juni 2018 registrierten die Verbraucherschützer mit insgesamt 31 Lebensmitteln eine Rekordzahl an versteckten Preiserhöhungen durch geringere Füllmengen und veröffentlichten diese in einer bundesweit einzigartigen Mogelpackungsliste. "Das ist mit Abstand der höchste ermittelte Wert, seit dem wir unsere Liste führen", erklärt Valet. Dabei sei die Anzahl der betroffenen Produkte deutlich höher, denn verschiedene Sorten einer Produktmarke würden nicht extra gezählt.

Der durchschnittliche Preisanstieg pro Lebensmittel lag in den letzten sechs Monaten bei über 20 Prozent. Fast immer waren namhafte Markenprodukte betroffen. So füllte zuletzt beispielsweise Nestlé weniger Inhalt in die "Smarties Riesenrolle" sowie den "Rolo 4er-Pack". Die Deutsche Milchkontor GmbH wiederum hat seit März 2018 weniger Käse pro Packung bei einigen Sorten der Marke Milram. Das Unternehmen The Lorenz Bahlsen Snack-World verteuert seit 2016 immer im Frühjahr mindestens ein Produkt aus seinem Sortiment: Saltletts Brezel, Naturals Chips, Erdnuss Flips und Crunchips waren es in den letzten drei Jahren.

Die vzhh fordert schon seit mehreren Jahren eine Transparenzplattform, auf der Unternehmen geänderte Füllmengen verbindlich veröffentlichen müssen. "So käme das ganze Ausmaß der Tricksereien endlich ans Tageslicht. Unsere Mogelpackungsliste stellt vermutlich nur die Spitze des Eisbergs dar", sagt Valet. "Wir möchten, dass Anbieter fair mit ihren Kunden umgehen. Wenn die Produktion eines Lebensmittels teurer oder aufwendiger wird, darf nicht klammheimlich die Füllmenge verringert werden. Die Verbraucher müssen in der Lage sein, am Supermarktregal die Änderung transparent zu erkennen." Dass sich etwas ändern muss, belegen verschiedene Umfragen sowie die dauerhaft hohe Zahl an Beschwerden, die täglich bei den Hamburger Verbraucherschützern eingeht.

Quelle: n-tv.de