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Donnerstag, 13. September 2018

Streit um 34.000-Euro-Rechnung: Kein Honorar für Zahnarzt-Pfusch

Ein Zahnimplantat kann leicht einige tausend Euro kosten. Bei acht wird es richtig teuer. Dann sollte die Behandlung aber auch gelingen und das restaurierte Gebiss seinen Zweck erfüllen. Ist dem nicht so, muss auch nicht gezahlt werden, wie der BGH entscheidet.

Ein schönes Lächeln kann teuer sein. Zumindest dann, wenn mit Zahnimplantaten nachgeholfen wird. Schnell werden dann einige Tausend Euro fällig - pro Zahn. Ärgerlich wird es, wenn die Behandlung misslingt, der Dentist aber dennoch eine Rechnung schickt. Kann allerdings nachgewiesen werden, dass die zahnärztlich-implantologische Leistung fehlerhaft war und die Nachbehandlung nur noch zu "Notlösungen" führen kann, muss der Patient die Behandlungskosten auch nicht zahlen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az.: Az.: III ZR 294/16).

In dem verhandelten Fall wurde um das Honorar eines Zahnarztes gestritten, welches dieser forderte, nachdem er einer Patientin acht Implantate eingesetzt hatte. Allerdings mit mangelhaftem Erfolg. Denn nachdem alle Implantate innerhalb nur einer Sitzung gesetzt wurden, traten im Anschluss Komplikationen auf. Worauf die Frau die Behandlung abbrach.

Nutzlos und fehlerhaft

Die Rechnung vom Zahnarzt bekam sie dennoch. 34.277 Euro sollte sie demnach für die Behandlung zahlen. Was die Patienten unter der Begründung ablehnte, dass es zu massiven Behandlungsfehlern während der Eingriffe gekommen sei. Zudem sei bereits kein wirksamer Behandlungsvertrag zustande gekommen, da sie nicht über die medizinischen Risiken der Behandlung und eventuelle Alternativen aufgeklärt worden war. Auch habe der Zahnarzt ihre Einwilligung durch Täuschung erschlichen, weil die vereinbarte computernavigierte Implantation nicht durchgeführt wurde.

Ein Gutachter stellte denn auch fest, dass keines der Implantate brauchbar sei und empfahl die Entfernung. Wofür sich die Frau nach Auskunft ihres Anwalts nun auch entschlossen hat -  mit dem Risiko des Verlustes von Knochensubstanz. Ungeachtet der bislang ungeklärten Honorarfrage.

So wies das zuständige Landgericht zunächst die Klage des Mediziners auf Begleichung der Rechnung ab. Im Berufungsverfahren gestand das Oberlandesgericht dem Zahnarzt zumindest eine Summe von knapp 17.000 Euro für die verpfuschte Behandlung zu.

Der BGH hob das Urteilt des Oberlandesgerichtes nun auf. Es befand, dass die implantologischen Leistungen des Dentisten für die Patientin wegen ihrer Fehlerhaftigkeit insgesamt nutzlos seien, sodass kein Honoraranspruch besteht. Denn durch sein schuldhaft vertragswidriges Verhalten habe er die Frau zur rechtmäßigen Kündigung des Behandlungsvertrags veranlasst.

Vermuten Patienten einen Behandlungsfehler, sollte zunächst der Arzt auf den vermuteten Fehler angesprochen werde. Bleiben dennoch Zweifel bestehen, können sich Betroffene an die Schlichtungsstellen der Ärzte- und Zahnärztekammern oder die zahnärztliche Patientenberatung werden.

Quelle: n-tv.de