Ratgeber

Tenhagens Tipps Kündigen, beleihen oder verkaufen?

Lebensversicherung

Wenn ein Verkäufer mehr als den Rückkaufswert bietet, dann weiß man, dass der Vertrag etwas taugt.

(Foto: dpa)

Lebensversicherungen haben deutlich an Attraktivität verloren. Angesichts der sinkenden Renditen in den letzten Jahren, denken nicht wenige darüber nach, sich von dem Produkt zu trennen. Für sie hat Finanztip-Chef Tenhagen einige Ratschläge.

n-tv.de: Herr Tenhagen, die Lebensversicherung ist für die Altersvorsorge nicht mehr erste Wahl, oder?

Hermann-Josef Tenhagen: Eine neue würde ich für die Altersvorsorge nicht mehr abschließen, was im Wesentlichen daran liegt, dass die garantierten Zinsen so niedrig sind - wenn es überhaupt noch eine Zinsgarantie gibt, was bei fondsgebundenen Policen meist nicht der Fall ist. Dafür sind die Kosten für die Produkte so hoch, dass dies dann auch keinen Spaß macht.

Jeder Vierte hat ja bereits einmal eine Versicherung (von insgesamt 90 Millionen Verträgen) gekündigt. Ist das clever?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Zu kündigen ist meist die schlechteste Idee. Zu nächst einmal sollte sich angeschaut werden, warum der Vertrag gekündigt werden soll. Die erste Möglichkeit: Ich brauche Geld. Brauche ich das langfristig? Dann kann überlegt werden, ob die Police verkauft wird. Denn bei einem Verkauf bekommt man meistens mehr Geld als beim Kündigen, wo es nur den Rückkaufwert von der Versicherung gibt. Wenn der Vertrag aber beispielsweise noch 10 Jahr läuft und Zinsen abwerfen würde, gibt es Firmen, die diesen kaufen und die mir dann einen Teil von dem was die Lebensversicherung in Zukunft an Erträgen erwirtschaftet, noch mitgeben würden. Deshalb gibt es hier meist mehr Geld.

Wieviel mehr gibt es denn im Schnitt bei einem Verkauf?

Die seriösen Verkäufer zahlen durchschnittlich zwischen 2 und 4 Prozent mehr, als der Kunde bei einer Kündigung bekommen würde. Wer 50.000 Euro Rückkaufswert in seinem Vertrag drinstehen hat, bekäme bei 2 Prozent also 1000 Euro mehr.

Abgesehen davon : Wenn ihnen ein Verkäufer mehr als den Rückkaufswert bietet, dann wissen Sie, dass Sie eigentlich einen guten Vertrag haben. Denn dies ist ein Indiz dafür, dass der Vertrag auf lange Sicht ertragreiche und vernünftig ist. Andernfalls würde ja niemand dazu bereit sein, mehr zu zahlen.

Wo kann man denn am besten seine Police an den Mann bringen?

Bei Finanztip empfehlen wir Cumerius (CFI Fairpay), Partner in Life, Policen Direkt, Winninger. Und dann gibt es noch die Firma Cashlife. Hier werden die Verträge aber an Dritte vermittelt. Da müsste man dann noch einmal genauer hinschauen. Am besten ist es, sich mehrere Angebote einzuholen und dann meistbietend zu verkaufen.

Gibt es auch schwarze Schafe? Und wie erkennt man die?

Ja. Deshalb empfehlen wir die genannten Firmen. Sie sind alle Mitglieder im Bundesverband für Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL), was garantiert, dass hier auch seriös gearbeitet wird. Die Summe wird auf einen Schlag ausgezahlt. Zudem fallen hier keine Bearbeitungsgebühren an und sie ermöglichen auch eine Abwicklung über einen Treuhändler. Was insbesondere bei größeren Summen die Sicherheit erhöht.

Umgekehrt gilt, bietet Ihnen der Verkäufer eine Ratenzahlung an oder verlangt er für den Verkauf eine Gebühr, ist höchste Vorsicht geboten.

Gibt es für den Verkauf Voraussetzungen die erfüllt sein müssen?

Normalerweise müssen in dem Vertrag 5000 oder 10.000 Euro Spargeld Minimum drinstecken und er muss noch ein paar Jahre Laufzeit haben. Am begehrtesten sind natürlich alte Policen, wo es relativ hohe Garantiezinsen gibt.

Und wenn nur kurzfristig Geld benötigt wird, ist verticken dann auch noch erste Wahl?

Nein, dann ist es meist günstiger die Versicherung zu beleihen. Hier kann sich dann Geld geliehen werden, weil das in der Lebensversicherung enthaltende Kapital als Sicherheit dient. Oder aber die Police kann beitragsfrei gestellt werden. Dann kann das damit gesparte Geld erstmal über den Engpass hinweghelfen.

Wirft der Vertrag keine großartigen Zinsen ab, enthält er zudem weniger als 5000 Euro und ist sowieso Mist - sprich unverkäuflich, dann ist eine Kündigung doch die erste Wahl um an Bares zu kommen.

Abschließende Frage zur finanziellen Lage der Lebensversicherer. Diese wurde ja vor allem auf Kosten der Kunden stabilisiert. Besteht dennoch Anlass zur Sorge?

Ganz große Sorge mache ich mir jetzt nicht - zumindest für die nächsten paar Jahre. Aber wenn der Vertrag noch 15 Jahre läuft, weiß man ja nicht, was noch so passiert. Man hat ja auch schon Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen. Abgesehen davon haben wir in Deutschland ja eine relativ strenge Aufsicht. Es gab ja im letzten Jahr Überlegungen Pakete von Lebensversicherungen zu verkaufen, aber hier ist ganz klar geregelt, dass diese in Deutschland nur von anderen Versicherern aufgekauft werden dürfen. Die Regelungen sind hierzulande schon so, dass man als Kunde ganz gut geschützt ist.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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