Ratgeber

Tenhagens Tipps Lohnt die Ferienimmobilie?

In südeuropäischen Urlaubsländern werben viele Makler auch um deutsche Kunden. Allerdings sollte eine Investition in eine Ferienimmobilie gut überlegt sein. Foto: Andrea Warnecke

In südeuropäischen Urlaubsländern werben viele Makler auch um deutsche Kunden. Eine Investition sollte hier dennoch gut überlegt sein.

(Foto: dpa-tmn)

Immobilien als Geldanlage sind begehrt. Das trifft auch auf Ferienwohnungen zu. Neben Wertstabilität und Mieteinnahmen  locken solche Objekte auch mit der Eigennutzung. Ein gutes Investment also? Finanztip-Chefredakteur Tenhagen klärt auf.

n-tv.de: Geld sicher anlegen dort, wo andere Urlaub machen. Gute Idee, oder?

Hermann-Josef Tenhagen:  Ob das tatsächlich sicher ist und sich wirklich lohnt, ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich gilt für eine Ferienimmobilie das Gleiche wie für eine normale Immobilie auch. Nämlich: Lage, Lage, Lage und natürlich der Zustand des Objektes. Darüber hinaus ist - wenn die Immobilie vor allem aus Renditegesichtspunkten gekauft werden soll - zu klären, ob andere Menschen dort gerne Urlaub machen und dementsprechend die Wohnung oder das Haus auch mieten würden. Der Preis darf nicht zu hoch sein. Und schließlich darf auch nicht die Organisation für die Vermietung vergessen werden. Ansonsten bleibt der angestrebte Gewinn auf der Strecke.

Wo hat denn eine Ferienimmobilie Sinn?

Das hängt vor allem davon ab, ob man die Immobilie selbst nutzen möchte und wie lange und häufig man diese in der entsprechenden Region überhaupt vermieten kann. Ob und wie die Finanzierung zu stemmen ist, lässt sich mit einer klassischen Baufinanzierungsanalyse selbst ermitteln. Grundsätzlich gilt sicherlich: Desto gefragter die Lage ist, desto besser lässt sich abschätzen, ob die Investition auch Geld bringt. Wie bei klassischer Vermietung sollte der Eigentümer seine Einnahmen den Ausgaben für Nebenkosten, Versicherung etc. gegenüberstellen. Ferienwohnungen sind übrigens teurer in der Versicherung. Besonders gefragt waren und sind Nord- und Ostsee und Teile Bayerns.

Wer seine Immobilie nur für kurze Fristen vermieten möchte oder kann, muss mit einem besonders erhöhten Organisationsaufwand rechnen. Stichwort Reinigung, Übergabe, Bewerbung des Objektes, Neuvermietung, Reparatur et cetera. Wer diese Arbeiten überträgt oder eine Immobilie erwirbt, welche von vornherein eine Komplettbetreuung beinhaltet, muss diese natürlich auch bezahlen.    

Was kostet denn diese Verwaltung?

Das hängt maßgeblich vom Umfang der Betreuung ab. Mit bis zu 25 Prozent der Mieteinnahmen müssen Immobilienbesitzer bei vollem Service aber rechnen.  

Sind Ferienwohnungen wegen des Anlagenotstands bereits überteuert?

In bekannten, populären Feriengebieten waren sie dies schon immer. Einige Kilometer im Hinterland mag das noch anders sein. Entscheidend ist aber, ob die Immobilie über Mieteinnahmen refinanziert werden kann.

Sind kolportierte Renditen von fast acht Prozent realistisch?

Nein, eher nicht. Allzu leicht vergisst man regelmäßig anfallende Kosten. Wenn Sie die Wohnung mit 200.000 Euro Kredit kaufen, zwei Prozent Zinsen für die Finanzierung rechnen, vorsichtshalber fünf Prozent der Kreditsumme jedes Jahr tilgen und dann die Ferienwohnung noch verwalten lassen, brauchen Sie dafür allein 20.000 Euro, also 20 Wochen Vollvermietung zu 1000 Euro die Woche. Und dabei sind Sie trotz der Tilgung noch lange nicht bei 8 Prozent Rendite.

Was ist steuerlich zu beachten?

Hier spielt unter anderem eine Rolle, ob und in welchem Umfang die Immobilie auch selbst genutzt wird. Dies sollten Interessierte unbedingt vorab mit ihrem Steuerberater durchsprechen. Die Kosten für selbst genutzte Immobilien kann man ja so nicht von der Steuer absetzen Bei häufiger Eigennutzung kann es sonst schwierig werden, die relevanten Kosten von der Steuer abzusetzen. Das Gleiche gilt, wenn kein Gewinn bei der Vermietung erzielt wird - Stichwort Liebhaberei. Darüber hinaus sollte bei Auslandsimmobilien die unterschiedliche Besteuerung beim Kauf und die Absetzbarkeit von Kosten beachtet werden.

Gibt es Rechtssicherheit für den Kauf einer Immobilie innerhalb der EU?

Ja, soweit ein Grundbucheintrag oder ein Eintrag in einem vergleichbaren Register vorliegt, dürfte es keine Probleme geben. Doch ein solches Investment sollte nicht ohne einen mit der Materie vertrauten Anwalt oder Notar erfolgen. Bei Immobilien an exotischeren Orten ist hingegen Vorsicht geboten.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: ntv.de, awi