Ratgeber

Aktien als Altersvorsorge "Man kann monatlich mit 25 Euro einsteigen"

RTX6KRN6.jpg

Leider geht es an den internationalen Finanzmärkten nicht nur aufwärts.

(Foto: REUTERS)

Die wenigsten Deutschen beschäftigen sich mit Aktien, wenn es um Altersvorsorge geht. Die Finanzmärkte sind viel zu riskant, denken die meisten. Dabei sind gerade Aktienfonds eine risikoarme Alternative, die wenig kostet und viel bringen kann, sagt Karin Baur von Finanztest im Gespräch mit n-tv.de.

n-tv.de: Zur privaten Altersvorsorge gehört für die meisten Menschen eine zusätzliche Betriebsrente, die Riesterrente oder eine Lebensversicherung. An Aktien trauen sich dagegen nur sehr wenige Deutsche heran. Ihnen ist das Risiko zu hoch. Stimmt Sie zu?

Karin Baur: Es ist klar, dass es keine sichere Geldanalage ist. Das darf man nicht jedem empfehlen, weil es Situationen und Menschen gibt, zu denen das einfach nicht passt. Aber prinzipiell ist es eine sinnvolle und vernünftige Geldanlage. Man hat höhere Renditechancen als mit Zinsanlagen, und wenn man es richtig macht, sind die Verlustrisiken überschaubar.

Für welche Menschen kommen Aktien überhaupt infrage?

Man sollte auf jeden Fall Zeit haben, zehn Jahre oder mehr. Gut ist es, wenn man flexibel ist mit dem Ausstiegszeitpunkt. Man kann auch nach sieben Jahre seine Aktien wieder verkaufen, wenn es bis dahin super gelaufen. Andersherum hilft es, wenn man noch mit dem Ausstieg warten kann, falls mal trübe Stimmung an den Finanzmärkten herrscht, so wie jetzt. Außerdem sollten das nur Leute machen, die ein bisschen Risiko verkraften können.

Jetzt auszusteigen wäre ein Fehler?

Ja. Wenn man sich nur ein Jahr Zeit gelassen hat, weil man das Geld bald wieder braucht, und dann bricht die Börse ein, steht man da mit seinen Verlusten. Wenn man aber abwartet, hat man aller Wahrscheinlichkeit nach bald ein Plus. Ein schönes Beispiel dafür ist die Finanzkrise 2008: Da ging es an der Börse ordentlich bergab, als die US-Bank Lehman Brothers Pleite ging. Es dauerte aber nicht lange, bis die Kurse wieder höher waren als jemals zuvor. Und wer damals die Nerven bewahrt hat, der konnte sich in den Jahren danach über super Gewinne freuen.

*Datenschutz

An der Börse sollte man also nur Geld anlegen, das man nicht dringend braucht?

Wer in Aktien investieren will, sollte das Geld langfristig entbehren können. Es hat keinen Sinn, den Notgroschen anzulegen, der für die kaputte Waschmaschine oder das nächste Auto gedacht ist. Dafür braucht man ein Tagesgeldkonto, auch wenn es aktuell keine Zinsen dafür gibt.

Nur wenige Menschen haben Geld, das sie länger nicht brauchen. Was machen Anleger mit geringem Einkommen?

Wer nicht so viel Geld hat, kann monatlich mit kleinen Raten einsteigen. Das geht ab 25 Euro los, manchmal reichen sogar 10 Euro. Das sollte aber wirklich Geld sein, bei dem man es verkraften kann, dass es auf der Seite liegt. Man kann übrigens bei Sparplänen auch immer eine Pause machen, wenn das Geld doch mal knapp wird.

Angenommen, man möchte an der Börse einsteigen. Welche Aktien empfehlen Sie Anfängern?

Wir empfehlen prinzipiell eher Aktienfonds, auch für Leute, die mehr Geld haben. Das ist eine Investition, bei der Risiko breiter gestreut ist als bei Einzelaktien. Der allerbeste Fonds als Basis-Investment ist ein ETF-Fonds auf den Weltaktienindex MSCI World, der Aktien von 1600 Unternehmen enthält. Und wenn man mit 25 Euro anfängt, dann kauft man einen Minibruchteil dieser Aktien. Je nachdem, wie viel man spart und anlegt, hat man irgendwann vielleicht ein kleines Vermögen zusammen.

Wer einen Fonds-Sparplan einrichten will, braucht ein Wertpapierdepot. Wo bekomme ich das her und was kostet das?

Das bekommt man normalerweise bei jeder Bank. Das kann man bei seiner Hausbank einrichten, wenn man Hilfe vom Berater benötigt. Man kann es aber auch im Internet machen, dort kosten Depots in der Regel überhaupt kein Geld. Aber es gibt auch Banken, bei denen man jährliche Depotgebühren zahlen muss.

Auf welche Gebühren müssen sich Anleger beim Kauf der Aktien einstellen?

Wenn man eine Aktie oder einen Fonds direkt an der Börse ordert, werden die Börsenspesen der jeweiligen Bank fällig. In der Regel ist das ein Prozent des Kurswertes, mindestens sind es aber 30 Euro. Auf diese Mindestgebühren sollte man achten, denn die machen den Aktienkauf ungleich teurer. Einen Sparplan schließen Kunden dagegen direkt mit der Bank ab, dort sind die Gebühren prozentual. Das heißt: Wer wenig anlegt, zahlt wenig. Wer viel anlegt, zahlt viel.

Wer sich trotzdem nicht an Aktien herantraut: Welche sinnvollen Alternativen gibt es bei der Altersvorsorge?

Man kann immer noch einfach auf die Zinsanlagen setzen, also Tagesgeld und Festgeld, auch wenn es aktuell nicht viele Zinsen darauf gibt. Aber wenn man jeden Monat einzahlt, wird es auch mehr und irgendwann steigen die Zinsen ja hoffentlich wieder. Ansonsten bietet sich nach wie vor die Riester-Rente an. Da zahlt man einen bestimmten Teil seines Gehalts ein und bekommt eine staatliche Zulage. Da ist die Rendite aktuell auch nicht so toll, aber die wird immerhin durch die Zulage aufgebessert. Bei der Riester-Rente gibt es auch die Garantie, dass man mindestens die Einzahlungen und Zulagen später wieder ausgezahlt bekommt. Mit Riester-Rente, Festgeld und Tagesgeld kann man auch keine Verluste machen.

Mit Karin Baur sprach Christian Herrmann

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema