Ratgeber

Bis zu 13,4 Cent Voll­einspeiser bekommen deutlich mehr Geld

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Besitzer neuer Solar­anlagen müssen sich künftig zwischen Voll­einspeisung und teil­weisem Eigen­verbrauch jeweils jährlich entscheiden.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Strom ist derzeit nur teuer zu haben. Da kann es sinnvoll sein, ihn selbst via Solaranlage zu erzeugen. Doch unabhängig davon sollen Betreiber neuer Anlagen künftig sogar doppelt so viel Geld bekommen, wenn sie den erzeugten Strom komplett ins Netz speisen.

Wer via Photovoltaikanlage sein eigener Energieversorger ist und die Kraft der Sonne zur Stromproduktion nutzt, tut nicht nur etwas für die eigene Öko-Bilanz, sondern kann damit auch Geld sparen. Mit der Einspeisung ins Netz allein war ein kostendeckender Betrieb zuletzt allerdings nicht mehr möglich.

Bisher erhält, wer seinen nicht verbrauchten Solarstrom ins Netz einspeist, eine sogenannte Einspeisevergütung vom Energieversorger, welche über 20 Jahre zu einem gleichbleibenden Satz erfolgt. In den letzten Jahren sank dieser Zuschuss allerdings konstant. Derzeit sind es nicht einmal 7 Cent pro Kilowatt­stunde - 30 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren.

Doch das soll sich ändern. So hat das Bundes­kabi­nett den Gesetz­entwurf für eine Reform des Erneuer­bare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Die wichtigste Änderung für Haus­eigentümer, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren wollen, ist, dass es künftig zwei völlig unterschiedliche Tarife für den Solar­strom geben soll, der in das öffent­liche Netz eingespeist wird, wie die Stiftung Warentest berichtet.

Modell Voll­einspeiser

Verkaufen Anlagen­betreiber den erzeugten Strom komplett an den Netz­betreiber, erhalten sie bis zu 13,4 Cent pro Kilowatt­stunde - wie bisher im Jahr der Inbetrieb­nahme und in 20 Folge­jahren. Das wäre etwa doppelt so viel wie derzeit.

Modell Eigen­verbrauch

Für Eigentümer, die den Strom teil­weise selbst verbrauchen, bleibt es dagegen weit­gehend beim Alten. Sie erhalten vom Netz­betreiber maximal 6,53 Cent pro Kilowatt­stunde. Das entspricht der Vergütung für Anlagen, die im April 2022 in Betrieb genommen wurden. Neu ist nur, dass die Vergütungs­sätze erst wieder für Anlagen gesenkt werden, die ab Februar 2024 in Betrieb gehen. Dann sollen sie im Halb­jahres-Rhythmus um jeweils 1 Prozent sinken.

Bei Anlagen mit einer Leistung um 15 Kilowatt und mehr lassen sich ohne teure Speicher meist nicht mehr als 10 bis 15 Prozent des Solar­stroms selbst verbrauchen - zu wenig, um schwarze Zahlen zu schreiben. Mit der doppelten Vergütung für Voll­einspeiser wären solche Anlagen künftig deutlich attraktiver. Damit wäre zugleich ein Anreiz geschaffen, geeignete Dach­flächen komplett für die Strom­erzeugung zu nutzen, schreiben die Tester.

Voraus­setzung für die erhöhte Vergütung ist, dass die Eigentümer dem Netz­betreiber recht­zeitig mitteilen müssen, dass sie den Strom vollständig einspeisen wollen. Im Start­jahr müssen sie das vor der Inbetrieb­nahme tun. Für die folgenden Kalender­jahre muss die Mitteilung jeweils bis zum 1. Dezember des Vorjahres beim Netzbetreiber eingehen.

Besitzer von Solaranlagen müssen sich entscheiden

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Besitzer neuer Solar­anlagen müssen sich also künftig zwischen Voll­einspeisung und teil­weisem Eigen­verbrauch jeweils jährlich entscheiden. Doch was ist güns­tiger? Das hängt vom Strom­preis, der Anlagengröße und dem möglichen Eigen­verbrauchs­anteil ab. Generell gilt laut Warentest: Mit der Größe der Anlage sinkt der Anteil des Solar­stroms, der vor Ort selbst verbraucht werden kann.

Abgesehen davon wird das Betreiben einer Solaranlage durch die rapide gestiegenen Strompreise immer attraktiver. Solar­strom, den Eigentümer im Haushalt zum Waschen, Kochen oder zum Laden ihres E-Autos nutzen, müssen sie nicht teuer beim Energieversorger kaufen. Vielen Haus­besitzern dürfte deshalb mehr Unabhängig­keit vom Energieversorger gerade recht sein. So können Strom­kosten von derzeit mehr als 40 Cent pro Kilowatt­stunde (kWh) gespart werden. Und mit jeder Strom­preis­erhöhung wird die Ersparnis größer.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 03. Mai 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, awi

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