Ratgeber

Strom selber machen? Die fünf größten Irrtümer bei Solaranlagen

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Seit Jahren fallen die Preise für Solarmodule.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Eigenheimbesitzer kommen am Thema Fotovoltaik kaum noch vorbei - schließlich soll eine Solaranlage nicht nur umweltfreundlich, sondern auch lukrativ sein. Wer sich über Solaranlagen informiert, stößt jedoch schnell auf widersprüchliche Aussagen. Ein Faktencheck hilft.

Erneuerbare Energien sind ja gerade schwer en vogue. Dementsprechend ist eine Fülle an Informationen zum Thema verfügbar. Auch die Vor- und Nachteile der Anschaffung einer Solaranlage werden rege diskutiert. Neben der Beratung zu den baulichen Voraussetzungen, der Investitionsart und den Erträgen einer Solaranlage kursieren auch mancherlei irrtümliche Behauptungen. Was für Verwirrung sorgt - und eine Abwägung der Gründe für und wider eine Solaranlage erheblich erschwert.

Um dem Abhilfe zu schaffen, klären wir hier über die fünf gängigsten Solar-Irrtümer auf.

Solarenergie lohnt sich ohne feste Einspeisevergütung nicht

Ein Argument gegen Solaranlagen ist, dass sie zwar gut für die Umwelt seien, aber den eigenen Geldbeutel dauerhaft belasteten. Diese Annahme ist falsch, denn seit Jahren fallen die Preise für Solarmodule. Die Gestehungskosten von selbst produziertem Solarstrom liegen aktuell bei nur 11 bis 13 Cent pro Kilowattstunde. Eine Kilowattstunde Netzstrom hingegen ist weitaus kostspieliger, denn derzeit bezahlt man hierfür 29 Cent. Gerade Solaranlagen-Besitzer sparen also mehr als die Hälfte ihrer Stromkosten. Zudem steigen mit dem fortschreitenden Verbrauch die finanziellen Ersparnisse immer weiter an.

Eine Solaranlage ist schädlich für die Umwelt

Kritiker von Fotovoltaik (FV) beteuern, dass die Herstellung von Solarmodulen einen zu hohen Energieaufwand benötigt. Was so nicht stimmt. Vor allem, wenn berücksichtigt wird, dass erneuerbare Energien als die Klimaschützer Nummer eins gelten. Speziell die Ökobilanz von FV fällt im Vergleich zu anderen Technologien zur Stromerzeugung sehr gut aus. Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) beläuft sich die Energierücklaufzeit (energetische Amortisationszeit) einer Solaranlage auf etwa zwei Jahre - bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 25 Jahren erzeugt sie also über das 10-Fache an Energie, wie zu ihrer Herstellung nötig war.

Nur die Südseite des Dachs ist geeignet

Richtig ist, dass eine Solaranlage auf einem nach Süden ausgerichteten Dach die meisten Sonnenstrahlen pro Tag und Jahr abbekommt. Dies spricht jedoch nicht gegen die Nutzung der anderen Dachseiten. Auch Anlagen mit Ost-West-Ausrichtung lohnen sich, da sie die Morgen- und Abendsonne einfangen. Dies ist sogar ideal für die Eigenverbrauchsquote des Solarstroms, also den Teil des Stroms, der direkt vor Ort benutzt wird. Denn die Hauptverbrauchszeiten vieler Hausbesitzer liegen meistens in den Morgen- und Abendstunden. So lohnen sich alle drei Seiten: Süd, Ost und West - nur auf die Nordseite sollte nicht gebaut werden.

"Eine Solaranlage ist immer als langfristige Investition zu sehen, die sich rentieren soll. Ob sich die Anschaffung lohnt, kann letztendlich erst eine ausgiebige Beratung mit einem Fachbetrieb klären. Denn die individuellen baulichen Voraussetzungen und das Verhältnis von Sonnenlicht und Schatten sind ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit der Anlage", sagt Mario Kohle, Gründer des Solarunternehmens Enpal, das sich auf die Vermietung von FV-Anlagen spezialisiert hat. Es gibt zahlreiche Unternehmen, die professionelle Beratung und Anlagen zum Kauf oder zur Miete anbieten, neben Enpal sind dies zum Beispiel auch Zolar oder DZ-4.

Es gibt kaum Förderung

Falsch, denn in Deutschland gilt das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Mithilfe der dort geregelten Einspeisevergütung fördert der Staat massiv, egal ob bei Miete oder Kauf. Anlagenbetreiber erhalten hierbei für jede erzeugte Kilowattstunde Strom, die ins Netz eingespeist wird, eine festgelegte Vergütung. Dadurch können die Erlöse der Solaranlage genau prognostiziert werden. Für größere Anlagen liegt die aktuelle Einspeisevergütung bei 8,53 Cent pro kWh (Anlagen kleiner als 40 kWp) beziehungsweise bei 6,69 Cent pro kWh (Anlagen größer als 40 Kilowatt-Peak [kWp]). Diese Einspeisevergütung wird ab dem Datum der Inbetriebnahme 20 Jahre lang gewährt, danach findet keine weitere Förderung mehr statt.

Bundesländer und Kommunen bieten außerdem Förderprogramme für Hausbesitzer, um die Umrüstung auf regenerative Energien mit zinsgünstigen Krediten und Prämien zu erleichtern. Wer gänzlich auf die hohe Anfangsinvestition verzichten möchte, kann sich für das Mietmodell entscheiden. Auch dieses wird von einigen Banken in Kooperation mit den Anbietern gefördert.

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Bei vielen Eigenheimbesitzern ist die Angst vor Hausbränden besonders groß. Die Sorge, dass die Feuerwehr brennende Häuser mit einer Solaranlage nicht löscht, ist jedoch eindeutig unbegründet. Auch wenn die elektrische Spannung bei Solaranlagen für die Einsatzkräfte eine besondere Situation darstellt: Die Feuerwehr muss Hilfe leisten. Bereits 2010 veröffentlichte der Deutsche Feuerwehrverband hierzu spezielle Richtlinien, die den Umgang mit Bränden in Zusammenhang mit Fotovoltaikanlagen regeln. Insbesondere durch das Einhalten von Sicherheitsabständen kann gewährleistet werden, dass die Feuerwehrleute geschützt sind und ungehindert ihrer Arbeit nachgehen können.

Quelle: ntv.de, awi