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Arbeitsrecht in der Freizeit Muss die SMS des Chefs gelesen werden?

Die Deutsche Telekom übt Kritik an der Entscheidung der Bundesnetzagentur.

"Es gehört zu den vornehmsten Persönlichkeitsrechten, dass ein Mensch selbst entscheidet, für wen er/sie in dieser Zeit erreichbar sein will oder nicht."

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

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Meldet sich der Arbeitgeber bei seinen Mitarbeitern in der Freizeit, schwant diesen oft böses. Doch reicht das mulmige Gefühl, um eine Textnachricht des Vorgesetzten außerhalb der Dienstzeit zu ignorieren? Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hat eine Antwort auf die Frage.

Ein Arbeitnehmer muss keine dienstlichen SMS in der Freizeit lesen. Das entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein in einem jetzt veröffentlichten Urteil vom September 2022. In dem Fall ging es um kurzfristige Dienstplanänderungen für einen Notfallsanitäter. Zuvor berichtete "Der Spiegel" über das Urteil (Az.: 1 Sa 39 öD/22).

In dem Fall ging es im Wesentlichen um die Frage, ob der Notfallsanitäter in seiner Freizeit auf eine kurzfristige Dienstplanänderung für den Folgetag reagieren musste. Er war in zwei solchen Fällen telefonisch und per SMS und in einem Fall auch per E-Mail nicht zu erreichen gewesen und meldete sich jeweils wie ursprünglich geplant zu seinen Diensten. Der Arbeitgeber wertete das Verhalten seines Angestellten als unentschuldigtes Fehlen und erteilte ihm zunächst eine Ermahnung und dann eine Abmahnung.

Zu Beginn des Dienstes sieht die Sache anders aus

Der Notfallsanitäter zog vor das Arbeitsgericht (ARBG) und unterlag. In der Berufung entschied das Landesarbeitsgericht zugunsten des Mannes. Laut Urteil musste der Arbeitgeber nach Angaben des LAG damit rechnen, dass der Kläger die ihm geschickte SMS erst mit Beginn seines Dienstes zur Kenntnis nahm. Denn erst zu diesem Zeitpunkt sei der Kläger verpflichtet, seiner Arbeit nachzugehen und dazu gehöre auch, die in seiner Freizeit bei ihm eingegangenen dienstlichen Nachrichten des Arbeitgebers zu lesen.

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Der Kläger habe sich nicht treuwidrig verhalten, urteilte das Gericht. Das Recht auf Nichterreichbarkeit diene neben dem Gesundheitsschutz des Arbeitnehmers dem Persönlichkeitsschutz. "Es gehört zu den vornehmsten Persönlichkeitsrechten, dass ein Mensch selbst entscheidet, für wen er/sie in dieser Zeit erreichbar sein will oder nicht."

Da er seine Arbeitspflichten nicht verletzt habe, sei auch die Abmahnung aus der Personalakte zu entfernen, so das Gericht.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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