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Zinserträge mit Anleihen Natürlich lässt sich hier noch Geld verdienen

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Trotz aller Unkenrufen: Am Anleihenmarkt lockt nach wie vor Rendite.

(Foto: imago/blickwinkel)

Anlegern wird regelrecht eingehämmert, dass sich an den Rentenmärkten keine Zinserträge mehr erzielen lassen. Das ist schlichtweg nicht richtig. Allerdings müssen sie die gewohnten Trampelpfade verlassen.

Auf den ersten Blick scheint die Lage an den Anleihemärkten trostlos. Die Zinsen der bei Investoren so beliebten Bundesanleihen befinden sich im roten Bereich - und zwar über alle Laufzeiten. Neben Staatsanleihen gehören jedoch auch immer mehr Unternehmensanleihen dem "Club" der negativ rentierenden Bonds an.

Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 3500 Rentenpapiere, die den Anlegern nur eins mit Sicherheit liefern: einen Vermögensverlust. Der Wert der negativ verzinsten Anleihen ist auf unglaubliche 14,3 Billionen Euro explodiert. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Deutschland belief sich im vergangenen Jahr auf 3,3 Billionen Euro.

Leider sieht es nicht danach aus, als würden die Rentenmärkte in absehbarer Zeit drehen - die lange Zeit beschworene Zinswende bleibt vorerst wohl aus. Dafür gibt es mehrere Gründe. So haben die großen Notenbanken wie die US-amerikanische Fed, die EZB oder die People's Bank of China ihre Geldschleusen wieder geöffnet. Das sorgt für eine hohe Nachfrage nach Anleihen, wodurch deren Renditen unter Druck stehen.

Künstliche Intelligenz drückt Inflation

Aber auch auf der privaten Seite ist der Bedarf groß. In den Industrienationen löst die demografische Entwicklung eine Sparschwemme aus. Eine längere Lebenserwartung macht es notwendig, mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen steigt, auch deshalb müssen die Menschen mehr sparen. Und dieses Geld will angelegt werden - unter anderem in Anleihen.

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Michael Gollits ist als Vorstand bei der Vermögensverwaltung von der Heydt & Co. tätig.

Gleichzeitig sorgt der technologische Fortschritt für eine nachlassende Preissteigerung. Die Industrienationen haben sich zu Dienstleistungsgesellschaften entwickelt. In den USA steuert der Bereich bereits 80 Prozent des BIPs bei. Hier stieß die Automatisierung an ihre Grenzen. Doch jetzt breitet sich Künstliche Intelligenz (KI) aus und kann auch im Dienstleistungssektor die Kosten senken.

Den Anfang werden wohl selbstfahrende Autos machen. Taxi- und Lkw-Fahrern drohen Stellenverluste. Denn autonome Fahrdienste werden sie preislich unterbieten. Doch auch in der medizinischen Diagnostik oder bei der Suche von Präzedenzfällen in Anwaltskanzleien macht die Künstliche Intelligenz große Fortschritte.

Vor diesem Hintergrund werden Inflationsraten von zwei, drei oder sogar vier Prozent erst einmal der Vergangenheit angehören. Und eine geringe Teuerungsrate bedeutet gleichzeitig niedrige Zinsen, denn sie sind nichts anderes als der Preis für geliehenes Geld. Null- oder Negativ-Zinsen sind die neue Normalität.

Nennenswerte Zinserträge im High-Yield-Bereich

Dennoch lassen sich mit Anleihen auch in diesem Umfeld nennenswerte Zinserträge erzielen. Doch Anleger werden nicht umhinkommen, ihre Strategien zu ändern. Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen bester Bonität werden wahrscheinlich nach Inflation Geld vernichten. Die gute Nachricht lautet: Es gibt Alternativen, die im aktuellen Umfeld ein entscheidendes Renditeplus bringen.

Die derzeitige Lage an den Rentenmärkten sieht wie folgt aus: Nennenswerte Zinserträge sind nur noch im sogenannten High-Yield-Bereich zu erzielen, also mit Anleihen, die ein erhöhtes Ausfallrisiko mit sich bringen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Ausfallquoten zurzeit aufgrund der niedrigen Zinsen vergleichsweise gering sind. Selbst hochverschuldete Unternehmen leiden nicht unter großen Zinslasten.

Große Unterschiede bei Anleihen

US-amerikanische Unternehmensanleihen liefern jedoch kaum noch eine Rendite, wenn eine Währungsabsicherung erfolgt. Diese ist jedoch unbedingt zu empfehlen. Denn eine typische Jahresschwankung des Euro-US-Dollar-Währungskurses kann die US-High-Yield-Zinserträge aus zwei Jahren zunichtemachen. Besser sieht es bei europäischen High-Yield-Anleihen aus. Denn hier entfällt die kostspielige Wechselkursabsicherung.

Attraktiv sind zudem asiatische Unternehmensanleihen, die überwiegend in US-Dollar notieren. Sie liefern aufgrund ihrer hohen Kupons auch nach Absicherungskosten noch vernünftige Zins-Erträge. Denn asiatische Anleihen gelten immer noch als Exoten und finden sich damit nicht in jedem Portfolio. Dieser Exoten-Malus sorgt für deutliche Zinsaufschläge, die auch nach den Kosten der Währungsabsicherung nicht verschwinden.

Risiken ergeben sich allerdings bei exportorientierten Unternehmen aus den Handelskonflikten mit den USA. Attraktiv sind daher vor allem kurz laufenden Anleihen von binnenmarktorientierten Unternehmen. Bei den Branchen der Emittenten gilt es ebenfalls zu differenzieren. Während Banken angesichts des Niedrigzins-Umfelds eher kritisch zu sehen sind, verfügen Unternehmen aus dem Infrastrukturbereich über eine überdurchschnittliche Stabilität.

Sicherlich verfügt nicht jeder Anleger über das notwendige Know-how, um in asiatische High-Yield-Anleihen zu investieren. Zudem werden die Emissionen immer häufiger in Stückelungen von 100.000 oder 200.000 angeboten und sind damit für kleinere Geldbeutel kaum bezahlbar. In diesen Fällen bieten sich aktiv oder passiv gemanagte Fonds an.

Michael Gollits ist als Vorstand bei der Vermögensverwaltung von der Heydt & Co. tätig. Er gilt als Experte auch für exotische Unternehmensanleihen.

Quelle: n-tv.de

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