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Realzins nach wie vor negativ Ratenkredite sind deutlich teurer

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Trotz negativer Realzinsen sollten Verbraucher nur dann einen Kredit aufnehmen, wenn sie ihn auch wirklich brauchen.

(Foto: imago/allOver-MEV)

Sich Geld zu borgen wird teurer. Während sich Sparer über steigende Zinsen freuen, erhöhen sich die Kosten für Kreditnehmer. Dennoch liegt die durchschnittliche Verzinsung unter Berücksichtigung der laufenden Teuerungsrate unter null, wie eine Untersuchung zeigt.

Die Inflationsrate in Deutschland lag im April bei 7,4 Prozent. Und damit ist der Realzins (der nominale Zinssatz im Verhältnis zur Inflation) für die Mehrheit der Ratenkreditnehmer nach wie vor negativ. Doch trotz negativer Realzinsen zahlen Verbraucher für einen Kredit immer noch höhere Zinsen, als sie für ihr Erspartes auf Tagesgeld- oder Girokonten erhalten würden. Insofern sollte nur dann einen Kredit aufgenommen werden, wenn er auch wirklich benötigt wird.

Dennoch hat die Zinswende nun auch die Ratenkredite erreicht. Seit Quartalsbeginn sind Kredite im Durchschnitt um 12 Prozent teurer geworden. Im günstigen Marktsegment zahlen Kunden heute sogar 15 Prozent mehr. In den kommenden Wochen dürften die Zinsen weiter steigen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox von über 100.000 Ratenkreditangeboten.

Gesamtdurchschnitt bei 5,68 Prozent Zinsen

Über das Portal holen Kreditinteressierte mit ihrer Finanzierungsanfrage nicht nur ein Angebot ein, sondern fragen bei über 20 Banken Kreditangebote an. Zum Quartalsbeginn lag der Durchschnittszins all dieser Angebote noch bei 5,08 Prozent. Sechs Wochen später verlangten die Banken im Gesamtdurchschnitt schon 5,68 Prozent Zinsen, womit sich ein Realzins von rund minus 1,72 Prozent ergibt (5,68 Prozent Zinsen minus 7,4 Prozent Inflationsrate).

Für ihren Kreditabschluss wählen die Kunden aus den erhaltenen Angeboten ein besonders günstiges aus. Darum ist der mittlere Zinssatz der tatsächlich abgeschlossenen Ratenkredite mit 3,49 Prozent deutlich niedriger als im Gesamtschnitt. Doch auch hier ist die Zinswende spürbar: Zu Quartalsbeginn schlossen Kunden ihren Kredit im Mittel noch zu einem Zinssatz von 3,03 Prozent ab. Somit haben sich Kredite in diesem günstigen Preissegment sogar um 15 Prozent verteuert.

"So viel Bewegung wie derzeit gab es bei den Ratenkreditzinsen schon lange nicht mehr", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Einige Banken haben ihre Zinsen in den letzten 6 Wochen gleich mehrfach nach oben angepasst." Der Einstiegszins, mit dem die Banken werben, blieb zwar meist unverändert. Aber diesen Zinssatz erhalten nur wenige Kreditnehmer mit einem Top-Gehalt und in einem sehr sicheren Beschäftigungsverhältnis. Durchschnittskunden zahlen auch bei günstigen Banken heute deutlich mehr als noch zu Quartalsbeginn.

Günstige Konditionen sichern

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In den nächsten Wochen dürften die Zinsen weiter anziehen. EZB-Chefin Christine Lagarde hat eine erste Anhebung des Leitzinses für Juli in Aussicht gestellt. Der Markt preist die Zinswende aber schon jetzt ein. Wer größere Anschaffungen plant, sollte sich also am besten möglichst bald um die Finanzierung kümmern.

Auch wer das Geld erst in einigen Wochen benötigt, kann sich den Zinssatz für seinen Ratenkredit jetzt schon sichern. Bei fast allen Banken sind Kreditangebote vier bis sechs Wochen gültig. In diesem Zeitraum können Kunden das Darlehen zu den angebotenen Konditionen aufnehmen, auch wenn die Bank zwischenzeitlich weiter an der Zinsschraube dreht. Bei einigen Geldhäusern haben Verbraucher sogar bis zu drei Monate Zeit, um ihren Kredit zum ursprünglich angebotenen Zinssatz abzuschließen.

Quelle: ntv.de, awi

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