Ratgeber

Über Preis, Wert und Kunst Reich werden mit Bitcoin

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Wohin mit dem Bitcoin?

(Foto: imago images/Science Photo Library)

Während sich die einen immer noch fragen, was Bitcoin überhaupt ist, greifen die anderen beherzt zu und treiben den Kurs von einem Rekord zum nächsten. Doch bevor Zauderer Rücksetzer zum Einstieg nutzen, sollte erstmal geklärt werden, was der Bitcoin ist. Geld nämlich nicht.

Die frühen Bitcoin-Anhänger eint ihre Skepsis gegenüber den Regierungen und ihren Zentralbanken. Inzwischen sind auch etablierte Banken und Vermögensverwalter auf den Zug aufgesprungen. Der Kursanstieg der letzten Monate war denn auch atemberaubend. Fast hat man das Gefühl, nur noch staatliche Eingriffe können einen weiteren Aufstieg bremsen. Und tatsächlich brach der Bitcoin diese Woche 15 Prozent ein, nachdem das Gerücht aufkam, die USA könnten im Kampf gegen Geldwäsche regulatorisch gegen Kryptowährungen vorgehen.

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Nun könnte mancher ja auf die Idee kommen, die Kursdelle zum Einstieg nutzen zu wollen. Sollte man jetzt also investieren oder nicht? Doch für diese Entscheidung ergibt es keinen Sinn, nach dem fairen Wert eines Bitcoin zu fragen. Vielmehr erscheint die Klärung wesentlich, was ein Bitcoin eigentlich ist.

"Bitcoin ist eine Kryptowährung". "Anders als bei Ausgabe neuer Banknoten durch eine Zentralbank werden neue Bitcoin-Einheiten durch die computerbasierte Lösung kryptographischer Aufgaben, das sogenannte Mining (Schürfen), geschaffen."

Neutraler als mit diesem Zitat aus dem Wikipedia-Eintrag zu Bitcoin kann ich die Überlegungen nicht beginnen. Auch die Bebilderung ist Standard. In fast allen Artikeln zu Bitcoin erscheint eine goldfarbene Münze zur Veranschaulichung. Trotzdem habe ich Ihnen in dieser kurzen Einleitung schon drei Fake News untergeschoben und könnte darauf aufbauend beliebige weitere Falschaussagen scheinbar korrekt ableiten. Womit Sie bereits ahnen, wohin die Reise dieses Textes geht.

Viel Bling-Bling, aber kein Wert?

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Dr. Andreas Beck bewertet als unabhängiger Finanzmathematiker die Qualität von Vermögensverwaltungen. Daneben leitet er die Index Capital, welche für Banken und Fondsgesellschaften wissenschaftlich fundierte Portfoliomodelle entwickelt.

Aber der Reihe nach. Es beginnt bei der Benennung und Bebilderung. Bitcoin unterstellt einen "Coin", obwohl der Bitcoin gerade keine Münze ist. Er ist nur eine kryptische Kombination aus binären Zahlen und existiert physisch nicht. Letztendlich ist der Bitcoin Teil einer kopiersicheren Software ohne Anwendungsfunktion. Die Blockchain-Technologie bietet eine technische Lösung für Kopiersicherheit und das hat einen Wert an sich. Aber der Bitcoin ist keine Blockchain und auch nicht funktionaler Teil einer Blockchain. Er ist eher so etwas wie ein Pokal, den man als Belohnung für die Aufrechterhaltung einer bestimmten Blockchain erhält. Womit der Bitcoin zwar einen Preis hat, aber eben keinen wirklichen Wert darstellt.

Der Bitcoin selbst wird dabei nicht geschürft im Sinne von kreiert. Ganz sicher ist er keine Währung. Als Währung bezeichnet man staatlich garantierte Zahlungsmittel mit dem Ziel, möglichst effizient Zahlungsströme abzuwickeln. Beide Eigenschaften erfüllt der Bitcoin nicht. Er hat auch keinen inneren Wert aufgrund des hohen Stromverbrauchs zur Aufrechterhaltung der Blockchain. Dieser Strom ist weg, eine Blockchain ist ein Energieverbraucher und kein Energiespeicher. Genauso kurz ist das Argument eines "technischen Fortschritts". Es gibt inzwischen mehr als 8800 teils wesentlich modernere sogenannter Kryptowährungen, deren Preis jedoch nahe null liegt.

Ein kulturell aufgeladenes Missverständnis

Wikipedia und nahezu alle Medien übernehmen von der Bitcoin-Lobby trotz allem unreflektiert die Benennungen "Coin" und "Kryptowährung". Grafiker veranschaulichen das dann noch unreflektierter mit entsprechenden Bildern von goldfarbenen Münzen. Nur wenn man diese Informationen unkritisch als gegeben voraussetzt, kann man scheinbar korrekt folgern, dass der Bitcoin eine bessere Währung als der US-Dollar oder der Euro sei, weil er begrenzt ist, aufwendig geschürft werden muss und nicht wie Papiergeld beliebig vermehrt werden kann.

Kritisch betrachtet ist der Bitcoin ein kulturell aufgeladenes Missverständnis, eine Art Readymade-Kunst. Der Erfinder dieser Kunstrichtung war Marcel Duchamp, der 1917 im Baumarkt ein weißes Urinal kaufte und als Kunstwerk deklarierte. Ein billiger Alltagsgegenstand wurde durch Zuschreibung zum wertvollen Kunstwerk und hängt heute noch im Museum. Die ihm folgenden Nachahmer mit ebenfalls gefühlt 8800 anderen Alltagsgegenständen sind inzwischen hingegen wieder vergessen worden.

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Aus diesem Blickwinkel hat der Bitcoin unter allen sogenannten Kryptowährungen ein echtes zeitstabiles Alleinstellungsmerkmal. Digitale Readymade-Kunst. Da er eben keine Währung und auch kein Wertpapier darstellt, erscheint eine Regulierung schwer begründbar. Deutliche Kurssteigerungen sind nicht auszuschließen, ich selbst nehme ihn jedoch nicht als Bestandteil ins Portfolio auf. Ich sammle auch keine Readymade-Kunst, sondern bevorzuge Alte Meister.

Dr. Andreas Beck bewertet als unabhängiger Finanzmathematiker die Qualität von Vermögensverwaltungen. Unter anderem testet er zusammen mit n-tv seit über zehn Jahren die Portfolios der führenden Privatbanken in Deutschland. Sein neuestes Buch "Erfolgreich wissenschaftlich investieren" kann auf www.globalportfolio-one.de kostenlos heruntergeladen werden.

Quelle: ntv.de

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