Ratgeber

Fälschung oder Original? So erkennen Sie Plagiate

Man freut sich auf die Bestellung - und dann kommt ein Plagiat an.

Man freut sich auf die Bestellung - und dann kommt ein Plagiat an ...

(Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Marken kosten, Kopien sind billiger. Doch Plagiate zu erkennen, ist nicht so einfach. Denn die Arbeit der Fälscher wirkt oft täuschend echt. Was hilfreich ist, um den Unterschied trotzdem zu erkennen.

Die nur auf den ersten Blick teuer aussehende Designertasche zum Schnäppchenpreis, das billige Marken-T-Shirt im Strandurlaub oder ein supergünstiges Parfüm auf dem Straßenmarkt: Dass das keine echten Markenprodukte sein können, ist vielen Kunden klar.

Schwieriger wird es bei gefälschten Produkten, die im Internet oder im Handel angeboten werden. Die werden oft unwissentlich und ohne eine Möglichkeit gekauft, sie prüfend anzuschauen. Das ist für den Kunden nicht nur blöd, sondern kann ihm richtig Ärger einbringen.

Immerhin: "Der Kauf von Plagiaten ist nicht verboten", sagt Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern. "Aber er bringt unter Umständen Unannehmlichkeiten mit sich." So kann der Zoll im Verdachtsfall die Sachen einbehalten und den Markeninhaber veranlassen, das Produkt auf Echtheit zu überprüfen. Das könne lange dauern und die Einlagerungsgebühren müsse der Käufer zahlen.

Gefahr für den Käufer

Wer sogar mehrere gefälschte Produkte erwirbt, zum Beispiel zehn Handtaschen auf einmal, muss damit rechnen, als gewerbsmäßiger Verkäufer angezeigt zu werden. Denn der Handel mit gefälschten Produkten ist verboten. Problematisch an den Fälschungen ist für den Käufer aber vor allem, dass die Nachahmungen nicht geprüft sind, gefährliche Stoffe enthalten können oder einfach ihren vorgesehenen Zweck nicht erfüllen.

"Sonnenmilch ohne Lichtschutzfaktor, nicht funktionierende Feuermelder, Felgen, die nach kurzer Fahrt auseinanderbrechen, verunreinigte Medikamente ohne bzw. mit falsch dosierten Wirkstoffen - das alles wird im Internet gehandelt", sagt Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius. "Die Gesundheit und sogar das Leben der Verbraucher werden billigend aufs Spiel gesetzt."

Diese Aufzählung zeigt, die Plagiate decken die ganze Bandbreite ab. Es gibt sie bei Massenprodukten ebenso wie bei hochwertigen Waren. "Alles, was erfolgreich am Markt ist, wird gefälscht", so Lacroix. Die Vereinigung vergibt jährlich den Negativpreis "Plagiarius" für besonders dreiste Produktkopien. 2021 ging der erste Preis an die chinesische Fälschung einer Motorsäge eines deutschen Herstellers.

Auch den zweiten Preis, das Plagiat eines elektrischen Bremsentlüftungsgeräts, erhielt ein Produkt aus dem technischen Bereich. "Gerade hier können Verbraucher nicht ohne Weiteres erkennen, dass es sich um ein minderwertiges Produkt handelt", sagt Lacroix. "Sie erwarten einfach die hohe Qualität des Markenprodukts. Oft haben die Fälschungen sogar Prüfsiegel, aber die sind dann auch gefälscht."

Der Klick aufs Zertifikat

Das kann der Nutzer beim Bestellen durch einen Klick auf das Siegel herausfinden. Ist es mit einem Zertifikat des Siegel-Betreibers verlinkt, öffnet sich die entsprechende Website. Ohne diesen Link ist es sehr wahrscheinlich eine Fälschung. Konjunktur haben derzeit Fälschungen aus dem medizinischen Bereich. "Die Anbieter reagieren auf Lieferengpässe und werfen gefälschte Masken, Corona-Tests und Desinfektionsmittel auf den Markt. Auch gefälschte Corona-Impfstoffe sind im Angebot", so Lacroix. Völlig klar, dass diese Produkte ihre Funktion nur ungenügend erfüllen.

Ein weiterer Hinweis auf eine Fälschung kann der Preis sein. Ist der im Vergleich zum Normalpreis extrem günstig, sollten die Alarmglocken schrillen. "Aber viele Anbieter kennen diesen Tipp und setzen inzwischen für gefälschte Produkte höhere, plausiblere Preise an", so die Expertin Lacroix. "Das ist dann für den Käufer besonders ärgerlich, wenn er eine billige Kopie auch noch zu einem hohen Preis bekommt."

Wer im Internet einkauft, hat es besonders schwer, echte Markenprodukte von Nachahmungen zu unterscheiden. "Große Plattformen wie Amazon oder eBay versuchen von sich aus, schwarze Schafe auszusortieren", berichtet Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern. Aber auch dort und besonders in kleinen Shops oder bei Angeboten aus dem Ausland sollten Käufer sehr aufmerksam bleiben.

Beim Fake-Shop geht man leer aus

Wenn die Preise sehr günstig sind, kein Impressum auf der Seite zu finden ist oder auch Schreibfehler vorkommen, sollte man vorsichtig sein. Dann könnte es sich um unseriöse Anbieter oder sogar um Fake-Shops handeln. Diese Fake-Shops sind teilweise Kopien real existierender Websites und deshalb für den Verbraucher schwer auszumachen. "Wer dort etwas kauft, bekommt oft minderwertige Ware zum überhöhten Preis oder geht sogar leer aus", sagt Simone Bueb.

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Daher kann der Verkaufsort eine hilfreiche Info sein: Hochpreisige Markenware wird in der Regel nicht an Stränden oder vor Autobahnraststätten verkauft. Und viele Firmen geben sie online wie auch im stationären Einzelhandel nur an autorisierte Händler, sagt Lacroix. Eine Übersicht der Partnerläden gibt es oft auf den Seiten der Hersteller. Hilfreich sind auch Nutzerbewertungen. Aber überschwängliche Bewertungen sollten misstrauisch machen, auch hier gibt es viele Fälschungen.

Wer auf einen Fälscher hereingefallen ist, hat formal das Recht, die beanstandete Ware zu reklamieren. "Das gilt auch bei privaten Verkäufen, ist jedoch in der Praxis schwer durchzusetzen", sagt Verbraucherschützerin Simone Bueb. Um den Schaden zu begrenzen, sollten Internet-Käufer nicht in Vorkasse gehen. Haben sie doch schon überwiesen, müssen sie umgehend ihre Bank konsultieren, um die Zahlung möglichst noch zu stoppen.

Quelle: ntv.de, Katja Fischer, dpa

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