Ratgeber
Gold sollte man nur aus verlässlicher Quelle erwerben.
Gold sollte man nur aus verlässlicher Quelle erwerben.(Foto: dpa)
Donnerstag, 11. Oktober 2018

Reinbeißen, wiegen, Klangtest? : So erkennt man gefälschtes Gold

Von Axel Witte

Wer sich mit Gold gegen Unbill in der Finanzwelt schützen möchte, wählt die physische Variante in Form von Barren oder Münzen. Denn nur diese versprechen im Krisenfall echten Schutz. Wenn sie denn überhaupt echt sind. Darauf sollten Verbraucher achten.

So an die knapp 9000 Tonnen Gold besitzen die deutschen Privathaushalte in Form von Schmuck, Barren und Münzen. Dieser Goldschatz entspricht dann je nach Angebot und Nachfrage an die 350 Milliarden Euro. Viel Geld. Wird Papiergold, also goldbezogene Wertpapiere wie Exchange Traded Commodities, dazugezählt, erhöht sich die Summe nochmal um rund 30 Milliarden Euro. Noch mehr Geld.

Und warum horten die Deutschen so viel von dem Edelmetall? Na klar, um sich vor Unbill an den Finanzmärkten zu schützen. Allen voran geistert hierzulande nach wie vor das Schreckgespenst der Inflation in den Köpfen der Goldliebhaber herum. Und zugegeben, die Erfahrungen, die die Deutschen mit dem Papiergeld im letzten Jahrhundert machen mussten, waren unerfreulich, untertrieben formuliert. Abgesehen davon gilt es auch, das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen zu verteilen. Neben Aktien, Immobilien und Festverzinslichem gehören also auch Rohstoffe wie Gold ins Depot. Oder besser in den Tresor.

Ist der Goldschatz auch echt?

Denn wer wirklich an den bevorstehenden Kollaps des Finanzsystems glaubt - was hier keinesfalls prognostiziert werden soll -, sollte auch konsequent sein und sein Geld in echtes Edelmetall investieren. Denn kommt der große Knall tatsächlich, dürften sich erschreckende Parallelen zwischen Geld und Gold aus Papier auftun. Und abgesehen davon ist es natürlich auch möglich, mit Barren und Münzen Kursgewinne zu erzielen. Zudem sind diese bei einem Verkauf steuerfrei, wenn das Gold länger als zwölf Monate gehalten wird. Außerdem ist der Kauf von Münzen und Barren von der Mehrwertsteuer befreit.

Aufbewahrt werden sollten diese dann aber auch an einem sicheren Ort - etwa dem bank- oder hauseigenen Safe. Hier sollte unbedingt abgeklärt werden, welche Summen im Falle eines Diebstahls versichert sind. Zu Hause und im Bankschließfach.

Chart

Doch bevor sich der Goldbesitzer allzu viel Mühe macht, seinen Schatz zu sichern, sollte er vielleicht erst einmal prüfen, ob dieser überhaupt echt ist. Denn betrogen wird bekanntlich überall, wo es Geld zu verdienen gibt. Und so sind beispielsweise gefälschte "Goldbarren" aus Kupfer, Messing oder Wolfram keine Seltenheit. Insbesondere dann, wenn Gold als Schnäppchen angeboten wird, ist Vorsicht geboten. Und der gesunde Menschenverstand gefragt. Denn warum sollte jemand sein Gold etwa im Internet für weniger Geld anbieten, als er bei einem direkten Verkauf an eine Bank oder einen Goldhändler bekommt? Dort gibt es natürlich auch den tagesaktuellen Kurs des Edelmetalls zu erfragen. Genauso wie im Internet. 

Gute Kopien auf dem Markt

Abgesehen davon lassen sich unseriöse Angebote in manchen Fällen auch optisch identifizieren, wie Dominik Lochmann, Geschäftsführer des ESG Edelmetall-Service, verrät. Liegen zum Beispiel mehrere Goldbarren mit identischer Seriennummer vor, handelt es sich definitiv um Fälschungen. Außerdem rät er, die äußere Erscheinung des Goldobjektes, das sogenannte Prägebild, mit einem Referenzobjekt abzugleichen. Stehen keine Vergleichsmöglichkeiten zur Verfügung, kann es hilfreich sein, Bilder und Maße auf seriösen Webseiten zu vergleichen. Der Experte gibt allerdings zu bedenken, dass mittlerweile auch sehr gute Kopien auf dem Markt existieren, die sich optisch kaum von echtem Gold unterscheiden.

Gleiches kann gelten, wenn beispielsweise das Gewicht stimmt. Denn dies kann auch am verwendeten Wolfram liegen, welches gerne für Plagiate herhalten muss, da es fast dieselbe Dichte wie Gold hat. In diesem Fall müssen potentielle Käufer zu anderen Prüfmethoden greifen. So bieten sich beispielsweise Magnete für eine weitere einfache Überprüfung der Echtheit an. Denn Gold reagiert nicht auf sie, gefälschtes häufig aber schon. Der Test funktioniert jedoch nur mit stärkeren Magneten, einfache Kühlschrankexemplare genügen hierfür nicht. Des Weiteren lassen sich insbesondere Münzen gut am Klang prüfen. Denn fallen diese auf eine harte Oberfläche, klingen Varianten aus echtem Gold hell und anhaltend, ähnlich einer Triangel, wie Lochmann erklärt. Letztendlich bieten diese Tests jedoch keine hundertprozentige Sicherheit.

Nur aus verlässlicher Quelle erwerben

Experten stehen mit den passenden Werkzeugen noch weitere Möglichkeiten zur Verfügung, die Echtheit des Goldes zu überprüfen. So lässt sich mittels Röntgenfluoreszenzanalyse der Edelmetallfeingehalt der Oberfläche feststellen, ohne diese zu beschädigen. Dabei sendet ein Gerät Röntgenstrahlen auf die Oberfläche des Barrens. Da jedes Edelmetall-Element diese in einer anderen Wellenlänge reflektiert, lässt sich schnell ermitteln, aus welchem Material der Barren oberflächlich besteht.

Über tiefere Schichten sagt diese Methode hingegen nichts aus. Bestehen Barren komplett aus demselben Material, erkennt der Fachmann dies bei kleineren Ausführungen bis 50 Gramm an ihrer elektrischen Leitfähigkeit, da diese bei Gold immer denselben Wert aufweist. Größere Mengen untersuchen Spezialisten per Ultraschallmessung und berechnen so die Schallleitgeschwindigkeit des Materials, also die Geschwindigkeit, mit der sich Schall in diesem Medium ausbreitet. Weicht diese vom typischen Wert für Gold ab, muss es sich um eine Fälschung handeln.

Um allzu große Umstände zu vermeiden, gilt es, Gold denn auch nur aus verlässlicher Quelle zu erwerben. Und dies ist im Zweifelsfall die Bank oder der Fachhandel.     

Quelle: n-tv.de