Ratgeber
Wenn das ganze Jahr über Urlaub wäre, wäre das Vergnügen so langweilig wie die Arbeit.
Wenn das ganze Jahr über Urlaub wäre, wäre das Vergnügen so langweilig wie die Arbeit.(Foto: imago/McPHOTO)
Mittwoch, 11. Juli 2018

Mallorca-Trip mit Folgen: "Spontan-Urlaub" führt zu Rauswurf

Der Abschluss des berufsbegleitenden Studiums soll gefeiert werden. Zwei Tage Urlaub sind dafür vom Chef genehmigt. Doch unter spanischer Sonne beschließt eine Arbeitnehmerin, spontan noch ein paar Tage dranzuhängen. Das kostet sie den Job.

Grundsätzlich gilt: Arbeitnehmer müssen ihren Urlaub immer beim Arbeitgeber beantragen, dieser kann ihn dann gewähren. Gibt es keine berechtigten Gründe, die dagegensprechen, ist der Chef jedoch gehalten, den Urlaub abzusegnen. Bleibt der Mitarbeiter seinem Job hingegen ohne Genehmigung und damit unentschuldigt fern, kann das ein Grund für eine fristlose Kündigung sein. Dies hat das Landesarbeitsgericht (LAG) entschieden (Az.: 8 Sa 87/18).

Was war passiert? In dem verhandelten Fall war eine Frau im Controlling eines Unternehmens beschäftigt. Berufsbegleitend absolvierte sie ein Masterstudium, welches sie am 21. Juni 2017 erfolgreich abschloss. Im Hinblick auf die Prüfung hatte die Klägerin für den Donnerstag und Freitag, den 22. und 23. Juni, genehmigten Urlaub. Am Montag, den 26. Juni, erschien die Frau jedoch nicht im Betrieb. Der späteste Dienstbeginn im Rahmen der Gleitzeit war 10 Uhr. Um 12.04 Uhr schickte sie eine E-Mail mit dem Betreff "Spontan-Urlaub" an ihren Vorgesetzten.

Hier teilte sie mit, dass sie wegen ihrer bestandenen Prüfung von ihrem Vater mit einem Aufenthalt auf Mallorca überrascht worden sei und in der Euphorie und Eile keine Möglichkeit gehabt hätte, ihre Abwesenheit an ihrem Rechner zu vermerken. Sie werde in der Zeit vom 26. bis zum 30. Juni abwesend sein und bat um eine kurze Rückmeldung. Zugleich entschuldigte sie sich für die "Überrumpelung".

Um 17.02 Uhr antwortete der Vorgesetzte per E-Mail, dass die Anwesenheit der Mitarbeiterin aus dringenden betrieblichen Gründen erforderlich sei. Er bot ihr an, Freitag sowie Montag und Dienstag der nächsten Woche frei zu nehmen. Die Frau antwortete, dass sie sich bereits seit dem Wochenende in Spanien befinde und keine Möglichkeit bestünde, ins Büro zu kommen, was sie dann auch nicht tat. Daraufhin kündigte der Arbeitgeber fristgerecht zum 31. August 2017.

In dem anschließenden Verhandlung vor dem LAG wurde die Kündigung für rechtmäßig befunden. Demnach rechtfertige die eigenmächtige Inanspruchnahme des Urlaub sogar eine fristlose Kündigung. Nicht zuletzt deshalb, da die Arbeitnehmerin in ihren Mails ernsthaft zu erkennen gab, dass sie an ihrer spontanen Urlaubsplanung festhalten und nicht zur Arbeit kommen werde. Damit habe sie die falschen Prioritäten gesetzt und ihre vertragliche Pflicht zur Arbeit beharrlich verletzt.

Letztendlich einigten sich die Streitparteien trotz der Einschätzung des Gerichts darauf, das Arbeitsverhältnis zum vom Arbeitgeber vorgesehenen Zeitpunkt zu beenden. Die Mitarbeiterin erhält ein Zeugnis und eine Abfindung von 4000 Euro. 

Quelle: n-tv.de