Ratgeber

Auf in den Kampf Strategien zur schnellen Wohnungssuche

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Es ist sinnvoll, sich bei einem großen Angebot auf dem Markt auf Gegenden zu konzentrieren, die man sich leisten kann und will.

(Foto: imago stock&people)

Man könnte bei der Wohnungssuche auf Glück hoffen. Aber das klappt in den allermeisten Fällen nicht. Doch wo anfangen, wo suchen und wo inserieren? Lohnt sich Letzteres überhaupt noch - oder sollte man gleich den Makler beauftragen?

In manchen Städten kann die Wohnungssuche aufwendiger sein und länger dauern als die Planung einer Expedition in die Arktis. Und nervenaufreibender. Ein Besichtigungstermin mit 100 Mitbewerbern - trotz Vorauswahl - drückt auch auf die Motivation. Aber in ländlichen Gegenden mit vielen Eigenheimen kann die Suche nach der Mietwohnung in erträglicher Entfernung noch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Einfach nur mal zu schauen, was sich so ergibt, ist in beiden Situationen kein guter Plan. Es braucht eine richtige Strategie und systematisches Herangehen an die Aufgabe. Ein paar Fragen und Antworten dazu:

Ist ein Makler-Auftrag bei der Suche sinnvoll?

Das war einmal. "Zwar haben Makler einen guten Überblick über den Markt in ihrer Region", sagt Sun Jensch, Bundesgeschäftsführerin des Immobilienverbands Deutschland (IVD) in Berlin. Doch: "Seit das sogenannte Bestellerprinzip in Kraft ist, nimmt kaum ein Makler einen Auftrag von potenziellen Mietern an. Denn das ist ein großes Risiko für den Makler." Das Gesetz sieht vor, dass der Mieter dem Makler nur dann eine Provision zahlen muss, wenn der aufgrund eines konkreten Auftrags für ihn tätig geworden ist.

Wird eine Wohnung aber dann nicht von einem Auftraggeber angemietet, ist sie gewissermaßen verbrannt. Sie steht dann im Datenbestand des Maklers, und er kann die Wohnung nicht noch einmal für nachfolgende Kunden anbieten, so das Gesetz. Folglich darf er dann auch keine Provision verlangen. "Also bieten Makler diese Dienstleistung für Mieter lieber nicht an", erklärt Jensch.

Lohnt sich die Suche über die Zeitung noch?

Auch wenn Immobilienportale inzwischen einen sehr großen Bestand haben und die Suche dort oft schwerpunktmäßig stattfindet: Der Blick in die Zeitung lohnt weiterhin. "Von 21 Millionen Mietwohnungen in Deutschland werden 15 Millionen von privaten Vermietern angeboten", erläutert Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. "Unter ihnen sind viele ältere Leute, die neue Mieter nicht per Computer, sondern mit herkömmlichen Zeitungsannoncen suchen." Er betont: "Wer in der regionalen Presse nach einer Wohnung schaut, kann mitunter wahre Schätzchen finden."

Wie finde ich Lagen mit verhältnismäßig guten Mieten?

Es ist sinnvoll, sich bei einem großen Angebot auf dem Markt auf Gegenden zu konzentrieren, die man sich leisten kann und will. Einen allgemeinen Überblick über bessere und schlechtere Lagen kann der örtliche Mietspiegel geben. "Allerdings darf man nicht erwarten, die Wohnung zu dem Preis zu bekommen, der im Mietspiegel angegeben ist", erklärt Happ. Denn dort werden nur die ortsüblichen Vergleichsmieten aufgeführt, nicht aber die oft höher ausfallenden Neuvermietungen.

Hier muss man beachten, dass es in großen Städten keinen einheitlichen Wohnungsmarkt gibt. In der Regel zeigt der Mietspiegel, dass in der Innenstadt und in Szene-Stadtteilen viel höhere Mieten verlangt werden als in Randlagen oder weniger angesagten Quartieren. "Und erfahrungsgemäß sind Wohnungen von Wohnungsbaugenossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen günstiger als jene auf dem sogenannten freien Markt", so Siegmund Chychla vom Mieterverein Hamburg. Allerdings liegen sie oft in nicht so nachgefragten Stadtteilen, sondern außerhalb der Zentren.

Wie beeindrucke ich den Vermieter bei der Besichtigung?

"Der Mietinteressent sollte versuchen, sich in die Lage eines Vermieters hineinzuversetzen", rät Chychla. Erfahrungsgemäß will der pünktlich seine Miete haben, erwartet einen schonenden Umgang mit der Immobilie sowie ein gutes Auskommen mit den anderen Hausbewohnern. "Die Erfahrung zeigt auch, dass der erste Eindruck zählt", betont Chychla. "Gute Umgangsformen und Höflichkeit sowie ein positiver Eindruck durch ein gepflegtes Erscheinungsbild erhöhen die Chancen."

Oft finden Wohnungsbesichtigungen mit mehreren Interessenten statt. "Dann ist es schwierig, beim Vermieter oder Makler in Erinnerung zu bleiben", erläutert Happ. "In solchen Fällen ist es ratsam, gleich an Ort und Stelle zu verabreden, wer wann den Kontakt wieder aufnimmt."

Aber man sollte beim ersten Termin auch nicht allzu forsch auftreten. Hier geht es nur um den Eindruck von der Wohnung. "Verhandlungen über Mietkaution oder Miethöhe sind hier nicht angebracht, vor allem wenn noch andere Bewerber in den Räumen sind", findet Chychla. Ungeschickt sind auch das Hinterfragen der exakten Wohnungsgröße, das zentimetergenaue Nachmessen mit einem Zollstock oder die Anfertigung einer Fotodokumentation. "Gegen ein paar Handyfotos haben die meisten Vermieter aber nichts, wenn man vorher fragt", sagt Happ.

Vermieter erwarten meist auch, dass bereits zum Besichtigungstermin alle notwendigen Unterlagen zur Hand sind. Dazu gehören Personalausweis, Einkommensnachweise und Schufa-Eigenauskunft. Diese Dokumente dürften nicht zu alt sein, sagt Happ. "Gerade wenn sich die Wohnungssuche über längere Zeit hinzieht, sollten sie immer wieder aktualisiert werden."

Quelle: ntv.de, Katja Fischer, dpa