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Bei der Lebensversicherung kann die Überprüfung des Widerrufs einige 1000 Euro extra bringen.
Bei der Lebensversicherung kann die Überprüfung des Widerrufs einige 1000 Euro extra bringen.(Foto: Jens Büttner/dpa)
Dienstag, 06. Februar 2018

Lebensversicherung widersprechen: Vorsicht vor Rückabwicklern

Laut BGH können Besitzer von Lebens- und Rentenversicherungen mit fehlerhaften Widerspruchsbelehrungen diese rückabwickeln. Spezielle Dienstleister bieten Verbrauchern Hilfe beim Widerspruch an - zu einem hohen Preis.

Verbraucher, die zwischen 1995 und 2007 eine private Kapitallebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen haben, können diesen Policen unter bestimmten Voraussetzungen noch immer widersprechen – und zwar selbst dann, wenn sie diese zuvor bereits gekündigt hatten. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH: Az.: IV ZR 76/11) können sie den Verträgen dann widersprechen, wenn diese eine fehlerhafte Widerspruchsbelehrung enthalten.

Allerdings haben von solcherlei Widerrufsbelehrungen betroffene Policeninhaber ohne die Hilfe von Profis kaum eine Chance, ihr Recht durchzusetzen. Sie sind deshalb gut beraten, sich an die Verbraucherzentralen, einen Anwalt oder an den Ombudsmann für Versicherungen zu wenden. Aber auch sogenannte Rückabwickler wittern ein Geschäft und bieten Verbrauchern Hilfe beim Widerspruch gegen ihre Verträge an. Häufig beschränkt sich deren Leistung aber allein auf die Vermittlung an einen Anwalt. Im Erfolgsfall verlangen die Anbieter zudem eine hohe Vergütung. Bereits im Juni 2016 hatten die Verbraucherschützer vor diesen Dienstleistern gewarnt.  

"Aus unserer Sicht schaden diese Dienstleister dem Verbraucher mehr, als dass sie ihm nützen", kritisiert Sandra Klug, Leiterin des für Versicherungen zuständigen Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg. "Denn häufig wird nicht einmal geprüft, ob der Widerspruch eines Vertrages für den Kunden finanziell überhaupt sinnvoll ist. Dies ist nämlich nicht per se der Fall." Eine objektive Prüfung kann auch ein unabhängiger Versicherungsberater oder die Verbraucherzentrale übernehmen – zu überschaubaren Konditionen. Die Dienstleister verlangen hingegen für die Vermittlung von Anwälten im Erfolgsfall eine Vergütung, zuzüglich der regulär anfallenden Anwaltskosten.

In der Regel bieten die Rückabwickler den Versicherungskunden zunächst an, zu überprüfen, ob ihrem Vertrag überhaupt widersprochen werden kann. Voraussetzung für einen Widerspruch ist, dass der Versicherungskunde vom Vermittler des Vertrages fehlerhaft oder nicht ausreichend über sein Widerspruchsrecht belehrt wurde. Auch wenn die dazugehörigen Versicherungsbedingungen oder Verbraucherinformation nicht ausgehändigt wurden, ist ein Widerspruch möglich.

Nicht selten erfolgt das Angebot einer Widerspruchsprüfung auf Initiative der Dienstleister selbst. Anschließend vermitteln diese einen Anwalt, der zu normalen Gebührensätzen den Rechtsstreit mit der Versicherung führt. Im Erfolgsfall verlangen die Dienstleister einen Anteil von bis zu 50 Prozent der Rückzahlungen, welche die Verbraucher aufgrund eines erfolgreichen Widerspruchs aus den rückabgewickelten Verträgen erhalten.

Quelle: n-tv.de