Ratgeber

Nach der Steuer Was bleibt vom Kinderbonus übrig?

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Kinderbonus klingt ja erstmal gut.

(Foto: imago images/Jens Schicke)

Auch Familien sollen vom Konjunkturpaket der Bundesregierung profitieren - durch den sogenannten Kinderbonus. Die 300 Euro werden im September und Oktober mit dem Kindergeld ausgezahlt werden. Doch wer profitiert tatsächlich von der Aufwandsentschädigung für die Mehrbelastungen der letzten Monate?

Im Rahmen des heute verabschiedeten Konjunkturpackets der Bundesregierung sollen Familien in Form des sogenannten Kinderbonus 300 Euro pro Kind erhalten. Damit soll die Plackerei vieler Eltern in den letzten Monaten entschädigt werden. Schließlich hatten sie häufig Schul- und Kitaschließungen im Rahmen der Corona-Pandemie auszubaden. So ist bei vielen dadurch die sogenannte Work-Life-Balance etwas aus den Fugen geraten. Denn wenn's ganz hart kam, mussten neben dem eigenen Job ganz nebenbei auch noch die Kinder behütet, bespaßt und beschult werden - und das soll nun belohnt werden. Für Alleinerziehende soll es für 2020 und 2021 eine zusätzliche Steuerentlastung geben.

Der Kinderbonus soll in zwei Raten im September (200 Euro) und Oktober (100 Euro) gemeinsam mit dem Kindergeld an zunächst rund 18 Millionen Haushalte ausgezahlt werden. Um in den Genuss der Zahlung zu kommen, ist kein zusätzlicher Antrag erforderlich. Auch Familien, deren Kinder noch nicht geboren sind, aber noch in diesem Jahr zur Welt kommen, erhalten das Geld durch die Familienkassen - soweit diese auch kindergeldberechtigt sind. Um besonders sozial Schwache zu unterstützen, soll der Bonus nicht mit Hartz-IV-Leistungen verrechnet werden.

Finanzamt macht den Vergleich

Klingt alles ganz gut, aber es gibt auch einen Wermutstropfen. Denn der Bonus soll analog zum Kindergeld bei der Steuer mit den Kinderfreibeträgen verrechnet werden. Was im Rahmen der Steuergerechtigkeit dazu führt, dass sogenannte Gutverdiener nichts von dem Extra haben. Was durchaus auch in Ordnung geht. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nannte eine Hausnummer und sagte, "dass man bis zu einem Bereich von 90.000 Euro zu versteuerndem Einkommen hier noch vom Kinderbonus profitiert". Immerhin.

Noch handelt es sich bei dem Kinderbonus um eine Absichtserklärung, ntv.de hat aber schon mal bei dem Steuerexperten Michael Bormann nachgefragt, ab welchem Einkommen Eltern mutmaßlich leer ausgehen. Und der erklärt, dass gemeinsam veranlagten Eltern derzeit pro Jahr und Kind 7812 Euro als steuerlicher Freibetrag zusteht. Nach Abgabe der Steuererklärung berechnet das Finanzamt die tatsächliche Steuerbelastung. Nach Abzug aller sonstigen steuerlich relevanten Beträge, wie Werbungskosten und Sonderausgaben. Nun macht die Behörde eine Vergleichsrechnung: Wie viel weniger Steuern müssen die Eltern dank des Freibetrags zahlen, und wie viel Kindergeld haben sie in dem jeweiligen Steuerjahr erhalten (derzeit je 2448 Euro für das 1. und 2. Kind und 2520 Euro für das dritte Kind sowie 2820 Euro für jedes weitere Kind)?

Bis zu einem versteuernden Einkommen von 65.000 Euro kommt der Bonus an

Ist der Vorteil aus dem Steuerfreibetrag größer, bekommen Eltern die Differenz noch zusätzlich. Ansonsten bleibt es bei dem ausgezahlten Kindergeld, und es gibt keine positiven steuerlichen Effekte. Tatsächlich wird der Kinderbonus bei Eltern, die weniger als rund 65.000 Euro zu versteuern haben, wohl in voller Höhe ankommen, wie etwa die "Wirtschaftswoche" berichtet. Liegt das zu versteuernde Einkommen über diesem Wert, schmilzt der Vorteil dahin. Ab einem zu versteuernden Einkommen von etwa 82.000 Euro hat der Kinderbonus dann gar keinen Effekt mehr, weil der Vorteil aus dem Steuerfreibetrag größer ist als die Summe aus Kindergeld und Kinderbonus.

Wobei sich bei mehreren Kindern die Einkommensgrenze für jedes weitere Kind noch weiter nach oben verschiebt. Wirkliche Spitzenverdiener mit einem tatsächlichen Steuersatz von 42 Prozent gehen aber in jedem Fall leer aus, denn hier läge die Steuerersparnis bei 7812 Euro pro Kind bei 3281 Euro. Als Vergleich wären dann die 2448 Euro heranzuziehen, sodass noch eine Steuerersparnis von 833 Euro verbleibt. Rechnet man nun die 300 Euro Bonus auf das Kindergeld drauf, kommt man auf 2748 Euro. Die Steuerersparnis beliefe sich dann nur noch auf 533 Euro. Somit haben diese Eltern genauso viel wie ohne Bonus.

Bei nicht gemeinsam veranlagten Eltern wird der Bonus wahrscheinlich zur Hälfte dem anderen Elternteil, der nicht das Kindergeld und den Bonus erhalten hat, fiktiv zugerechnet. So passiert es mit dem Kindergeld derzeit schon. Wobei der Kinderbonus wohl demjenigen Elternteil ausgezahlt wird, der auch das Kindergeld erhält.

Nach Schätzung der Bundesregierung werden bei der Günstigerprüfung im Rahmen der nachfolgenden Veranlagung rund 3,1 Millionen Kinder nicht von der Bonuszahlung profitieren, weil der Kinderfreibetrag weiterhin günstiger ist.

Quelle: ntv.de, awi