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Ampel nicht zu erkennen? Wenn die Sonne Autofahrer blendet

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Eine tiefstehende Sonne wird von Juristen zu den normalen Witterungsverhältnissen gezählt und liefert kein Alibi für eine Verkehrssünde.

imago/Marius Schwarz

Die Sonne lacht, was das Zeug hält. Doch sie steht nun im Herbst bereits deutlich tiefer, was Verkehrsteilnehmern schon mal die Sicht nehmen kann und die Ampel unkenntlich macht. Und jetzt - das Blenden als Ausrede nehmen und einfach rüber?

Auch wenn es zu schön ist, für Autofahrer kann die derzeitige Dauerbesonnung im Herbst durchaus zur Herausforderung werden. Schließlich steht die Sonne bereits ziemlich tief und nimmt dem Fahrer schon mal die Sicht. Wer nun keine Sonnenbrille zur Hand hat, muss deshalb doppelt auf der Hut sein. Was natürlich auch an einer Ampel gilt, selbst wenn die im gleißenden Licht kaum zu erkennen ist.

Denn mit der Ausrede, die Farbe der Ampel wäre nicht zu erkennen gewesen und darum wäre man rübergefahren, kommt man nicht weit. Es besteht zwar keine Pflicht zum Tragen einer Sonnenbrille, aber ein Autofahrer muss immer in der Lage sein, seinen Wagen sicher zu beherrschen und Verkehrsregeln zu beachten. Auch eine im Herbst oder Winter tiefstehende Sonne wird von Juristen zu den normalen Witterungsverhältnissen gezählt und liefert kein Alibi für eine Rotsünde.

Und nicht nur für die Ampel gilt, dass alle Verkehrsteilnehmer sich den Gegebenheiten wie den Straßenverhältnissen, der Verkehrssituation, der Witterung und den Sichtverhältnissen anpassen müssen. Wird dies unterlassen, können sie für ihr Fehlverhalten bei einem Unfall haftbar gemacht werden.

Ausnahmen möglich

Grundsätzlich sind dem Fahrer bei einem "Rotlichtverstoß" mindestens 90 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg sicher. Werden bei der Aktion andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, wird das Vergehen mit 200 Euro zuzüglich zweier Punkte und eines Fahrverbots für einen Monat geahndet. Dieselbe Strafe wird fällig, wenn die Ampel bereits länger als eine Sekunde auf Rot steht. Kommt auch noch eine Sachbeschädigung dazu, sind wahlweise 240 Euro, zwei Punkte und ein Fahrverbot oder sogar 360 Euro, zwei Punkte und ein Fahrverbot fällig. Letzteres gilt wieder, wenn das Verkehrslicht länger als eine Sekunde rot aufgeleuchtet hat.

Zeigt die Ampel hingegen aufgrund eines Defektes Dauerrot, kann der Wartende in die Kreuzung einfahren - mit äußerster Vorsicht. Allerdings auch nur dann, wenn die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auszuschließen ist. Kommt es dennoch zu einem Unfall, liegt die Schuld - ungeachtet der kaputten Ampel - voll beim "Rotfahrer".

Und auch wenn das Rotlicht wegen eines Notfalls ignoriert wird, entscheiden Gerichte mitunter für den Delinquenten. So zum Beispiel in einem Fall, bei dem eine rote Ampel überfahren wurde, weil eine dringend benötigte Blutkonserve zu einer Operation gebracht werden musste oder auch bei einem Fahrer, der trotz roter Ampelschaltung nicht stoppte, um glatteisbedingtes Schleudern beim Anhalten zu verhindern. Mitentscheidend für die Milde der Richter war aber auch, dass eine Gefährdung anderer bei beiden Sachverhalten nicht vorlag.  

Quelle: n-tv.de, awi

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