Ratgeber
Anleger haben Einfluss darauf, wie viel Risiko sie eingehen.
Anleger haben Einfluss darauf, wie viel Risiko sie eingehen.
Donnerstag, 04. Januar 2018

Gewusst wo: Wie Aktionäre an Informationen kommen

Beim Sparen sind die Bundesbürger vorsichtig. Umfragen belegen immer wieder, dass das Sparbuch und das Tagesgeldkonto die beliebtesten Sparformen sind. Dabei werfen diese Produkte mittlerweile kaum noch Rendite ab - anders als Aktien.

Trotzdem ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zuletzt gesunken. Knapp 8,98 Millionen Menschen besaßen 2016 Aktien und Anteile an Aktienfonds - im Vergleich zu 2015 ein Minus von rund 30.000 Aktionären. Allzu oft werden Aktien als riskant wahrgenommen, schließlich schwanken die Kurse an den Börsen täglich.

Dabei haben Anleger Einfluss darauf, wie viel Risiko sie eingehen. Das A und O sind Informationen: Je mehr ein Anleger über ein Unternehmen weiß, desto besser kann er die Entwicklungen einschätzen. "Am wichtigsten ist es, dass man versteht was die Gesellschaft macht", sagt Lothar Koch von der GSAM + Spee Asset Management AG in Düsseldorf. Sechs Quellen - und welche Rolle sie spielen:

Investor Relations

Wer Anteile eines Unternehmens hält, will die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens einschätzen können. "Einen Teil der dafür nötigen Informationen finden Anleger im Investor-Relations-Bereich", erklärt Claus Walter, Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement GmbH.

In ihren Webauftritten stellen Aktiengesellschaften in dem auch "IR" abgekürzten Bereich zum Beispiel den Geschäftsbericht und die Quartalszahlen zur Verfügung. Auch ein Finanzkalender mit wichtigen Daten für das laufende Geschäftsjahr, Informationen über die Aktionärsstruktur oder Dividendenzahlungen stehen hier meist.

"Anleger können einen guten ersten Überblick bekommen", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Einen Wissensvorsprung bietet diese Quelle aber nicht: "Alle Informationen, die sie in dem IR-Bereich lesen, sind dem Markt bekannt." Außerdem präsentiert hier das Unternehmen seine Sicht. "Für eine umfassende Einschätzung ist mehr nötig, etwa der Blick auf die Mitbewerber oder die Perspektive der Branche", ergänzt Walter.

Geschäftsbericht

Aktiengesellschaften müssen Anleger umfassend über ihre Lage informieren. Das tun sie unter anderem im jährlichen Geschäftsbericht. "Diese Dokumente sind meist sehr ausführlich und enthalten viele Zahlen", erklärt Kurz. "Für Kleinanleger ist das oft abschreckend." Doch keine Sorge: Aus Sicht der Experten müssen Anleger diese dicken Werke nicht unbedingt wälzen.

"Lesen Sie den Lagebericht", rät Kurz. Dieser sei meist Teil des Geschäftsberichtes und stelle auf wenigen Seiten dar, wie das Unternehmen dasteht und gebe einen Ausblick der Unternehmensleitung auf die nähere Zukunft.

"Die Geschäftsberichte braucht man nicht im Detail kennen", erklärt auch Lothar Koch. "Aber man sollte Nachrichten zu der Aktie einschätzen können." Pro Titel sollte ein Anleger am Wochenende zehn Minuten Zeit investieren, um alle wichtige Meldungen zu lesen.

Ad-Hoc-Meldungen

Aktiengesellschaften sind verpflichtet, kursrelevante Informationen unmittelbar zu veröffentlichen. "Nur wenn börsennotierte Unternehmen alle Marktbeteiligten schnell und umfassend über Insider-Informationen aufklären, können Anleger fundierte Entscheidungen treffen und sind gegenüber Insidern nicht benachteiligt", erklärt die Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Mitteilungen werden als Ad-hoc-, Börsen- oder als Pflichtmitteilungen bezeichnet.

Zwar dienen Ad-hoc-Meldungen in erster Linie dazu, Marktmissbrauch vorzubeugen. "Es wird aber auch manchmal dazu genutzt, eine hohe Aufmerksamkeit zu erreichen", erklärt Vermögensberater Walter. Daher sollten Anleger die Mitteilungen nicht überbewerten. "Privatanleger sollten möglichst mit einer langfristigen Perspektive von Jahren - besser noch Jahrzehnten - investieren und sich nicht zu sehr von Ad-hoc-Meldungen verunsichern lassen."

Analysten

Auch Geldinstitute und Investmentgesellschaften kaufen Aktien. Bevor sie dies tun, nehmen eigene Experten Aktientitel und auch Branchen oder Länder genauer unter die Lupe. Die Analysten geben neben einer allgemeinen Bewertung oft auch eine Empfehlung ab: Soll ein Titel gekauft, gehalten oder besser verkauft werden? Auch ein Kursziel geben Analysten meist an.

In der Regel sind diese Berichte öffentlich zugänglich: "Viele Experten veröffentlichen Analysen von Unternehmen oder Branchen im Internet oder in anderen Medien", erklärt Walter. "Sie können dabei helfen, besondere Aspekte, Chancen und Gefahren zu entdecken."

Allerdings sollten Anleger die Berichte kritisch lesen: "Analysen gibt es wie Sand am Meer", sagt Vermögensverwalter Koch. "Fast alle Meinungen sind vertreten. Das Mitdenken ist strenge Pflicht." Außerdem sind Analysen oft auf die nähere Zukunft ausgelegt, ergänzt Aktionärsschützer Kurz. Für die Entscheidung Kaufen oder Verkaufen sollten Analystenmeinungen deshalb immer nur ein Anhaltspunkt sein.

Börsenbriefe

Um die Aufmerksamkeit der Anleger werben auch Börsenbriefe. Hier beschäftigen sich Finanzexperten mit Aktien, Branchen, Ländern. Die Expertisen kosten in der Regel Geld, auch wenn ein Teil der Informationen manchmal kostenlos zur Verfügung gestellt wird. "Börsenbriefe müssen genauso wie die vielen Anlegermagazine verkauft werden", gibt Vermögensverwalter Koch zu bedenken. "Manchmal texten sie deshalb sehr reißerisch."

Anleger sollten sich bei der Lektüre die Frage stellen: "Welches Interesse hat der Autor mit der Weitergabe der Informationen?", rät Aktionärsschützer Kurz. Mitunter finden sich in solchen Publikationen auch Berichte zu kleinen, marktengen Werten, bei denen schon wenig Nachfrage zu großen Kursbewegungen führen kann. Hier sollten Anleger immer prüfen, ob es ein Interesse daran gibt, den Kurs eines Wertpapiers in eine Richtung zu treiben.

Internetforen

Zahlreiche Finanzportale bieten Foren an, in denen Anleger diskutieren können. "Grundsätzlich ist der Austausch mit Gleichgesinnten eine gute Sache, um andere Perspektiven und Standpunkte kennenzulernen", findet Vermögensberater Walter. "Ob die allerdings fachlich fundiert sind oder aus reinem Eigeninteresse ins Netz gestellt werden, lässt sich kaum feststellen."

Kurz gibt zu bedenken: "Es gibt Leute, die viel wissen. Aber es besteht immer die Gefahr, dass sie eigene Interessen verfolgen." Für ihn hat die Lektüre der Diskussionen daher eher Unterhaltungswert. "Wirklich wichtige Infos sind da schwierig herauszufiltern."

Quelle: n-tv.de