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Was ist nötig? Wie sich Versicherungsbedarf ermitteln lässt

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Alte Policen sollten insbesondere bei den Deckungssummen überprüft werden.

(Foto: imago stock&people)

Versicherungen gibt es viele. Manche sind ein Muss, andere ein Kann. Und ein Teil ist schlicht überflüssig. Verbraucher sollten ihre Verträge checken und sich von unabhängiger Seite beraten lassen.

Das Leben steckt voller Risiken. Daher ist es gut, Versicherungen zu haben, die einen im Fall eines Falles vor wirtschaftlichen Schäden schützen. Doch längst nicht alle am Markt angepriesenen Policen sind auch wirklich notwendig.

Aber wie ermittelt man für sich überhaupt den nötigen Bedarf an Versicherungen? "Am besten über eine unabhängige Beratung", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) in Hamburg.

"Bereits bestehende Versicherungsverträge gehören regelmäßig auf den Prüfstand, am besten einmal im Jahr", sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Dabei sollte man sich fragen, ob diese oder jene Police tatsächlich nötig oder ob ein anderer Schutz wichtiger ist.

Auch wer kurz vor dem Abschluss eines neuen Versicherungsvertrags steht, sollte ausloten, ob der Schutz nicht schon durch eine andere bestehende Versicherung vorhanden ist. Auf der Homepage hat der BdV einen Bedarfs-Check zur Verfügung gestellt. "Die Ergebnisse des Checks sind eine gute Basis für weitergehende Beratung", so Boss.

Von wichtig bis entbehrlich

"Unbedingt notwendig", "sehr zu empfehlen", "sinnvoll", "mit Einschränkungen sinnvoll": Nach diesen Kriterien hat die Stiftung Warentest Versicherungen klassifiziert, um Verbrauchern eine Orientierung zu bieten. Zu den unbedingt notwendigen Policen zählt demnach die gesetzlich vorgeschriebene Krankenversicherung in einer gesetzlichen Kasse oder bei einem privaten Versicherer.

Ebenfalls ein Muss: die private Haftpflichtversicherung. So sieht es auch Weidenbach. "Das Risiko, dass ein anderer durch mein Verhalten geschädigt wird, besteht immer", sagt sie. Ohne eine Haftpflichtpolice riskieren Schädiger Verpflichtungen, die sie in den finanziellen Ruin treiben können.

In die Kategorie "sehr zu empfehlen" gruppiert die Stiftung Warentest die Wohngebäudeversicherung für Immobilienbesitzer ein. Die Police bietet Schutz gegen Feuer, Leitungswasser und Naturgefahren. "Zu Letzterem zählen etwa Sturm und Hagel", erklärt Boss. Immerhin noch "sinnvoll" ist aus Sicht der Stiftung Warentest je nach Wert der Wohnungseinrichtung eine Hausratsversicherung.

Familie richtig absichern

Ebenfalls zur Kategorie "sehr zu empfehlen" zählen Verbraucherschützer die Risikolebensversicherung. Sie eignet sich für alle, die für andere sorgen und nach ihrem Tod die Hinterbliebenen finanziell absichern möchten. Zu empfehlen ist auch die Berufsunfähigkeitsversicherung für alle, die von ihrem Erwerbseinkommen leben, ebenso wie eine private Unfallversicherung.

"Mit Einschränkungen sinnvoll" sei etwa die Rechtsschutzversicherung: Sie könne zwar unter Umständen sehr nützlich sein, aber möglicherweise gebe es Alternativen, die günstiger sind. Gehe es etwa um Streit mit dem Vermieter, dann könne es sich anstelle einer Rechtsschutzversicherung eher lohnen, Mitglied in einem Mieterverein zu sein.

Daneben gibt es einige Versicherungen, auf die Verbraucher getrost verzichten können. "Zum Beispiel eine Handyversicherung", erklärt Weidenbach. Eine solche Police sei teuer und greife zudem in vielen Fällen nicht. Hinzu kämen hohe Selbstbeteiligungen. "Das rechnet sich unter dem Strich nicht." Ebenfalls verzichtbar sind aus Sicht von Boss zumeist Brillenversicherungen. Verbraucher sollten prüfen, ob sie einen Schutz für die Sehhilfe nicht schon über eine andere Police haben, zum Beispiel über die Hausratsversicherung.

Vorsicht vor Paketangeboten

Nicht empfehlenswert sind Versicherungspakete, die es häufig im Reiseversicherungsbereich gibt. Solche Pakete beinhalteten etwa eine Reisekranken-, eine Reiseunfall- und eine Reisegepäckversicherung.

"Auch wenn das zunächst einmal nach einem Rundum-sorglos-Paket klingt, sollte man sich fragen, ob man tatsächlich alle Leistungen braucht", erklärt Weidenbach. So könne etwa der Verlust oder die Beschädigung von Reisegepäck bereits über die Hausratsversicherung abgesichert sein.

Zudem: Besser als eine Versicherung, die bei Unfällen nur in bestimmten Lebenssituationen wie im Urlaub aufkomme, sei eine generelle private Unfallversicherung.

Von verbundenen Verträgen absehen

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Wichtig: Beim Abschluss von Versicherungen immer Risikoschutz und Geldanlage trennen. Viele Eltern wollen ihre Kinder absichern für den Fall, dass ihnen etwas zustößt, und schließen daher Ausbildungsversicherungen ab. "Solche Policen sind aber eher unflexibel und teuer", erklärt Weidenbach.

Vorteilhafter sei es, wenn Eltern eine Risikolebensversicherung abschließen und separat Geld für ihre Kinder ansparen, etwa über einen ETF-Sparplan. Und eine Sterbegeldversicherung? "Nicht empfehlenswert", findet Boss. Wer Geld für seine Beerdigung zurücklegen will, sollte nicht in eine Versicherung einzahlen, sondern dafür extra sparen.

Quelle: ntv.de, Sabine Meuter, dpa

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