Ratgeber

Was ändert sich 2022 … … bei Geld und Einkommen?

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Die Regelleistungen bei Hartz IV steigen.

(Foto: imago/RelaXimages)

Die Zukunft bleibt ungewiss. So viel ist sicher. Abgesehen davon stehen aber auch im neuen Jahr viele Neuerungen und Gesetze an. Diese Änderungen aus den Bereichen Arbeitslosengeld, Betriebsrenten und Lebensversicherungen werden dann wichtig, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert.

Arbeitslosengeld II wird erhöht

Die Regelleistungen bei Hartz IV steigen. Der Arbeitslosengeld-II-Eckregelsatz (Single-Haushalt) wird auf 449 Euro (plus 3 Euro) angehoben. Die Sätze für Jugendliche in einer Bedarfsgemeinschaft steigen auf 376 Euro (plus 3 Euro). Kinder bis zum 5. Lebensjahr sollen ab 2022 285 Euro (plus 2 Euro) monatlich erhalten.

Die ALG-II-Leistungen für Paare beziehungsweise Ehegatten sollen 404 statt 401 Euro betragen. Junge Erwachsene unter 25 Jahre, die noch bei den Eltern leben, erhalten dann 360 Euro - 3 Euro mehr. Die Sätze für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren sollen lediglich um 2 Euro auf 311 Euro steigen.

Abgesehen davon plant die neue Bundesregierung, dass das Vermögen von Hartz-IV-Empfängern in den ersten zwei Jahren unangetastet bleibt. Und auch wenn die Wohnung eigentlich zu groß oder die Miete zu hoch ist, soll das Jobcenter zwei Jahre lang daran keinen Anstoß mehr nehmen. Zudem sollen die Zahlungen statt Grundsicherung in Bürgergeld umbenannt werden.

Betriebsrenten - Zuschuss vom Chef wird Pflicht

Der Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge wird auch für vor 2019 abgeschlossene Altverträge zur Pflicht. Wer über eine betriebliche Altersvorsorge in Form einer Entgeltumwandlung verfügt, hat ab 2022 ein gesetzliches Anrecht auf einen Zuschuss vom Arbeitgeber in Höhe von 15 Prozent, wenn der Arbeitgeber Sozialbeiträge einspart. Bisher galt die Zuschusspflicht nur für ab 2019 abgeschlossene Neuverträge.

Elektronische Arbeitslosmeldung

Zum 1. Januar tritt die Neuregelung zur elektronischen Arbeitslosmeldung in Kraft. Neben der persönlichen Vorsprache in der zuständigen Agentur für Arbeit besteht damit künftig eine rechtssichere elektronische Form für die Arbeitslosmeldung. Diese stellt dabei auf den elektronischen Identitätsnachweis nach dem Personalausweisgesetz, das heißt, die Nutzung der sogenannten "Online-Ausweisfunktion" des Personalausweises, ab.

Kurzarbeitergeld verlängert

Die befristeten Sonderregelungen für das Kurzarbeitergeld aufgrund der Covid-19-Pandemie wurden im Wesentlichen bis zum 31. März 2022 verlängert. Die Möglichkeit, die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes von bis zu 24 Monaten nutzen zu können, besteht für weitere drei Monate.

  • Verlängerung der Sonderregelungen über den erleichterten Zugang, nach denen statt mindestens 1/3 nur mindestens 10 Prozent der Belegschaft eines Betriebs von einem Entgeltausfall betroffen sein müssen und keine negativen Arbeitszeitsalden vor Gewährung des Kurzarbeitergeldes aufzubauen sind.
  • Den Arbeitgebern werden die von ihnen während der Kurzarbeit allein zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 50 Prozent auf Antrag in pauschalierter Form erstattet.
  • Auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können weiterhin Kurzarbeitergeld beziehen.
  • Der Hinzuverdienst aus einer geringfügigen Beschäftigung wird auch künftig nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.
  • Außerdem wird der Anspruch auf die erhöhten Leistungssätze des Kurzarbeitergeldes bei längerer Kurzarbeit (ab dem vierten Bezugsmonat 70 Prozent der Nettoentgeltdifferenz, beziehungsweise 77 Prozent, wenn ein Kind im Haushalt lebt; ab dem siebten Bezugsmonat 80 Prozent beziehungsweise 87 Prozent) verlängert. Der Anspruch wird zudem auf die Beschäftigten ausgeweitet, die seit April 2021 erstmals in Kurzarbeit gegangen sind.

Pfändungsschutz verbessert

Ab dem 1. Januar wird der Pfändungsschutz verbessert. Bei der Sachpfändung durch Gerichtsvollzieher wird für den Pfändungsschutz neben dem Bedarf der Schuldner und deren Familien nun auch auf den Bedarf anderer Personen abgestellt, mit denen die Schuldner oder Schuldnerinnen in einem gemeinsamen Haushalt zusammen leben. Erweitert und modernisiert wird außerdem die Liste der unpfändbaren Gegenstände. Ebenfalls ergänzt wird eine generelle Unpfändbarkeit von Haustieren. Neu geregelt wird auch die Pfändung von Weihnachtsgeld: Zukünftig sind zunächst 630 Euro geschützt. Dieser Betrag passt sich jährlich der jeweils gültigen Pfändungstabelle an.

Frist von nicht verbrauchten, pfändungsfreien Guthaben verlängert

Verschuldete Menschen bekommen bereits seit dem 1. Dezember 2020 mehr Möglichkeiten, Geld auf einem Pfändungsschutzkonto anzusparen. Schuldner haben grundsätzlich die Möglichkeit, einen Teil ihres Geldes auf einem Pfändungsschutzkonto (P-Konto) zu sichern, um so etwa Miete und Versicherungen weiter bezahlen zu können. Seit Dezember wird die Frist von nicht verbrauchten, pfändungsfreien Guthaben von einem auf drei Monate verlängert. Neu ist außerdem, dass der Pfändungsschutz auch bei Pfändungen für Gemeinschaftskonten gilt. Zudem werden die Pfändungsfreigrenzen jährlich angepasst. Bisher erfolgte die Anpassung der Freigrenzen an die Lebenshaltungskosten alle zwei Jahre.

Auf dem P-Konto ist prinzipiell ein Betrag von 1253 Euro pro Monat bei Einzelpersonen vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt. Jeder Inhaber eines Zahlungskontos kann von seinem Geldinstitut verlangen, dieses in ein Pfändungsschutzkonto umzuwandeln.

Lebensversicherung - Garantiezins sinkt

Ab Januar sinkt der Garantiezins für neue kapitalbildende Policen von zuletzt 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent. Dies wird auch Auswirkungen auf das Angebot von Riester-Verträgen in Versicherungsform sowie bestimmte Formen der betrieblichen Altersversorgung haben. Bei der Riester-Rente müssen gezahlte Eigenbeiträge und staatliche Zulagen zu 100 Prozent garantiert werden. Wenn sie nur mit 0,25 Prozent Zins kalkulieren dürfen, fällt es ihnen schwer, die Garantie zu leisten und zugleich ihre Kosten zu decken, die bis zu zehn Prozent der Beiträge ausmachen. Das Gleiche gilt für bestimmte Verträge der betrieblichen Altersversorgung bei der Beitragszusage mit Mindestleistung.

Nachhaltige Geldanlage - Hinweis wird Pflicht

Ab August müssen Berater bei der Finanzberatung und Vermögensverwaltung Kunden aktiv auf das Thema Nachhaltigkeit ansprechen, und ob dies in der Beratung berücksichtigt werden soll. Wenn ja, müssen geeignete nachhaltige Produkte berücksichtigt werden, die den Anlagepräferenzen der Kunden entsprechen.

Quelle: ntv.de, awi

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