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Freundlich abgezockt Wie Kuba-Reisende nicht in die Falle tappen

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Original oder aufgefüllt? Auf Kuba wird der Markenrum gerne mal mit Billigschnaps aufgefüllt, um ein besseres Geschäft zu machen.

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Weshalb prüfen viele Urlauber ihre Rechnung nicht? Warum kauft jemand eine "echte" Rolex auf der Straße? Wer reingelegt wird, ist oft selbst schuld. Auf Kuba sind viele Tricks zwar besonders charmant, doch am Ende oft ärgerlich. Wo muss man besonders aufpassen?

Jineteros heißen die Männer und Frauen, die in Havannas Altstadt besonders fantasievoll und trickreich die Touristen übers Ohr hauen. Das Wort heißt so viel wie Anbahner. Mit einem "Where are you from?" nähern sie sich Urlaubern, die mit Stadtplan und Reiseführer ratlos herumstehen.

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In Kuba gibt es zwei Währungen: den Peso cubano (CUP) und den Peso convertible (CUC).

(Foto: dpa-tmn)

Gibt sich der Gast als Deutscher zu erkennen, heißt es etwa: "Ah Germany, alles paletti, alles klar." Die Freundlichkeit kommt oft gut an - und belastet die Reisekasse.

Diese Kubaner wissen natürlich, wo es die netteste Bar, die süffigsten Mojitos und das billigste Milchpulver fürs Baby im Straßenverkauf gibt. Der gutgläubige Urlauber zahlt - manchmal das Dreifache. Den Profit aus dem völlig überteuerten Geschäft teilen sich die "Amigos" mit dem Kellner oder Verkäufer. Was hier hilft: gesundes Misstrauen und ein freundliches "No gracias".

Zwei Währungen parallel - das macht die Abzocke leicht

Info-Box: Kuba

Anreise: Von mehreren deutschen Flughäfen gibt es Direktflüge nach Kuba. Für die Einreise benötigen Touristen aus Deutschland einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass und eine Touristenkarte für 30 Tage. Die gibt es in Reisebüros, bei der kubanischen Botschaft und auch bei den meisten Airlines beim Einchecken.
Geld: 1 Euro entspricht rund 1,17 CUC (Stand: 12. Dezember 2017). An Geldautomaten lässt sich per Kreditkarte Bargeld abheben. Die Gebühr liegt meist bei rund 3 Prozent.
Informationen: Fremdenverkehrsbüro, Botschaft Kubas, Stavangerstraße 20, 10439 Berlin (Tel.: 030/4471 9658, E-Mail: info@cubainfo.de).

In Robertos kleiner Bar in Centro Habana fließt der Rum in Strömen, dafür aber kein Wasser auf der Toilette. Acht Gläschen Rum – eine Tresenrunde – kosten insgesamt knapp einen Euro: achtmal je drei Kubanische Peso (CUP), auch Moneda nacional genannt - was wiederum etwa einem Peso convertible (CUC) entspricht. Auf Kuba gibt es zwei Währungen parallel: Das macht die Abzocke leicht.

Roberto greift nach einem kleinen Kanister mit Billigrum, den staatliche Läden aus dem Tank an jedermann verkaufen, und füllt damit eine halbleere Flasche Markenrum auf. Alle wissen das. Zwei der Gäste schmunzeln, heben ihre Gläser. Keiner ist sauer. Roberto gibt von dem gepanschten Gesöff ab und zu einen aus. Mit dieser Methode bessert er sein dürftiges staatliches Gehalt auf.

Tricks gehören zum Alltag

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Touristen in einem Lokal in Havanna: In Kuba empfiehlt es sich, die Rechnung genau zu kontrollieren.

(Foto: dpa-tmn)

Tausende Kubaner praktizieren quer über die Insel solche und andere "Inventos", auch in Touristen-Restaurants, wo mit CUC bezahlt wird. Da macht die Bedienung mit der Rechnung gerne mal einen guten Extraprofit. Die Tricks gehören zum Alltag und werden von den meisten Kubanern akzeptiert. Doch für Touristen kann es teuer werden.

Wenn eine Gruppe Urlauber in einem staatlichen Restaurant – mit oder ohne Reiseführer - verschiedene Speisen und Getränke bestellt und getrennt bezahlt, freut sich das Personal.

Etliche Gäste können von Tricks und Betrügereien berichten, vor allem in und nahe Havannas Altstadt. Da ist die Rechnung überhöht, weil zum Beispiel bei der Zahl der Getränke oder generell bei der Abrechnung geschummelt wird. Oder das Wechselgeld ist nicht korrekt.

Preise vergleichen und nachrechnen

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Diese Touristen stehen bei der staatlichen ETECSA für eine Internet- und Telefonkarte an - das ist günstiger als der Straßenverkauf.

(Foto: dpa-tmn)

Es hilft sehr, die ausgezeichneten Preise am Tresen oder auf der Karte mit den in Rechnung gestellten zu vergleichen - und genau nachzurechnen. Notfalls höflich, aber energisch auch in Englisch nach dem Manager fragen, so dass es andere Gäste hören. Meist wird dann die Rechnung korrigiert. "Ein Missverständnis", entschuldigt sich der Kellner. Si claro, denkt man. Ja klar.

Beispiele für "Inventos" gibt es viele. Am Parque Fe del Valle in Centro Habana sind die Bänke unter schattigen Bäumen gut besetzt. Kubaner surfen, chatten, telefonieren mit Verwandten in den USA. An einem der Balkone hängt ein staatlicher Router. "Free Wifi" ist anders als in vielen anderen Reiseländern rund um den Globus auf Kuba noch nicht verbreitet. Hier kann man noch richtig offline sein.

Gabriel, Anfang 20, hält ein Päckchen Internet-Karten in der Hand. "Nur 2 CUC", sagt er. Jetzt am besten lächeln. "No gracias". Denn nur zehn Fußminuten sind es zur staatlichen ETECSA nahe des Kapitols. Der kubanische Telekommunikationsdienstleister verlangt 1 CUC. Kurz vor Ladenschluss ist die Wartezeit kurz. Ganz anders ist es in der Flaniergasse Obispo, wo Touristen bis zu eine Stunde warten.

Bloß kein Geldwechsel unter der Hand

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Besser auf der sicheren Seite sein: Vor der staatlichen Bank in der Galiano-Straße in Havanna hat sich eine lange Schlange gebildet.

(Foto: dpa-tmn)

Auch vor staatlichen Banken und offiziellen Wechselstellen bilden sich häufig Schlangen von Einheimischen und Touristen. Tipp: Viele Banken haben inzwischen Geldautomaten für Kreditkarten draußen und drinnen. Das funktioniert schnell und einfach. Mancher Wartepulk lockt auch Jineteros und Männer an, die "Change money" flüstern und Geldwechsel unter der Hand anbieten. Bloß nicht! "No gracias."

Auch in Geschäften verändern sich die Preise manchmal plötzlich. Es kann zum Beispiel sein, dass man in Havanna oder Varadero ein preiswertes, kubanisches Parfüm kaufen möchte, das mit 4,80 CUC ausgezeichnet ist. An der Kasse werden daraus aber 6,80 CUC. In einem solchen Fall höflich, aber bestimmt auf das "Missverständnis" aufmerksam machen und notfalls auf den Kauf verzichten.

Generell lohnt auch in Lebensmittelläden ein kritischer Blick auf den Kassenbetrag. Das machen auch viele Kubaner selbst und ausländische Geschäftsleute so. Tipp: In Läden mit vielen Touristen nur rund fünf Artikel kaufen und den ungefähren Gesamtpreis im Kopf haben.

Vorsicht und gesundes Misstrauen

Kuba ist generell ein recht sicheres Reiseland, Gewalt gegen Urlauber selten. Vorsicht und gesundes Misstrauen schaden allerdings nie. Das Auswärtige Amt mahnt etwa zu besonderer Umsicht bei Reifenpannen und an Tankstellen. Diebe könnten die Ablenkung der Fahrzeuginsassen nutzen, um unbemerkt Wertgegenstände und Gepäck zu entwenden. Das ist natürlich eine Masche, die es längst nicht nur auf Kuba gibt.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Wer auf der Karibikinsel umsichtig reist, beim Bezahlen Rechnung und Wechselgeld kontrolliert, die Augen offen hält und sich nicht von selbsternannten Amigos, Experten und Stadtführern abschleppen lässt, kann viel Geld sparen. Auch wenn die Trickser auf Kuba zugegebenermaßen oft besonders charmant sind.

Quelle: n-tv.de, Bernd Kubisch, dpa

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