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Rekorde sollen purzeln Doping-Regularien ruinieren saubere Athleten

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Auch ihn würde es treffen: Usain Bolt.

(Foto: imago/Sportimage)

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Europas Leichtathletikverband plant eine Revolution und will die meisten Rekorde streichen. Und künftig soll es schwieriger werden, Bestmarken anerkennen zu lassen. Doch die Leidtragenden sind vor allem nicht gedopte Ex-Athleten.

Die Leichtathletik steht vor einer einschneidenden Regeländerung. Rekorde werden nur anerkannt, wenn der Athlet eine gewisse Anzahl an Dopingproben nachweisen kann. Nicht bei jedem Wettkampf kann ein Rekord aufgestellt werden. Wird ein Athlet später des Dopings überführt, wird sein Rekord gestrichen. Zudem müssen Dopingproben zehn Jahre lang für Nachtests aufbewahrt werden. Die Idee klingt gut. Doping ist nicht nur in der Leichtathletik ein Problem und muss mit allen denkbaren Mitteln bekämpft werden.

Diese geplante Reform des europäischen Leichtathletikverbandes EAA ist eine Revolution - und ein Versuch, das Image der Sportart aufzupäppeln. Zu sehr dopingverseucht, zu wenig glaubwürdig ist die Leichtathletik inzwischen. Die Regeln sollen auch dem Leichtathletikweltverband IAAF vorgestellt werden. Deren Präsident Sebastian Coe ist sehr angetan.

Es gibt allerdings einen großen Haken: Die Reform soll rückwirkend gelten. Damit würden die meisten Rekorde gestrichen. Und somit wird aus einem Versuch, mehr Fairness zu erreichen, große Unfairness. Schließlich stellt er alle Ex-Athleten unter Generalverdacht und macht sie zu Tätern - obwohl die allermeisten nie positiv auf Doping getestet worden sind. Das gilt vor allem für die Bestleistungen, die nach der Jahrtausendwende erzielt wurden. Der Bann würde zum Beispiel auch die Sprintrekorde von Usain Bolt treffen, den Marathon-Weltrekord von Paula Radcliffe, den Weitsprung-Europarekord von Sebastian Bayer. Kein Mensch weiß, ob nicht auch Athleten aus dieser Zeit gedopt haben - aber es gilt: Unschuld bis zum Beweis der Schuld.

Und es ist ein Schlag ins Kontor der sauberen Athleten, die es schaffen, auch ohne verbotene Hilfsmittel Höchstleistungen zu erbringen. Deren Ruf wird beschmutzt, sie werden unter Generalverdacht gestellt, ihre harte, ehrliche Arbeit hat ihnen letztlich nichts genützt. Möglich wäre - nur als kleiner Trost - eine zweite Rekord-Liste zu beginnen - so will es auch die Kommission, die die Reform erarbeitet hat. Letztlich ähnlich wie bei einer Disziplin der Leichtathletik selbst: dem Speerwurf. Mitte der 80er Jahre wurde die Bauart der Speere verändert - vor allem, weil Weiten von mehr als 100 Metern zu gefährlich wurden. Es gibt also Rekorde mit dem alten Speer und Rekorde mit dem aktuellen Speer. So wäre es möglich, eine neue Rekord-Liste zu beginnen, ohne, dass die alte wegen Doping-Regularien annulliert wird.

Schließlich können die Athleten, deren Rekorde schon seit Langem bestehen, nichts dafür, dass die geplanten Regeln nicht schon zu ihrer aktiven Zeit galten. Sie hätten vielleicht jederzeit für Dopingproben zur Verfügung gestanden, sie hätten zugestimmt, dass ihre Proben eingefroren werden, sie wären nur noch bei Wettkämpfen gestartet, die für Rekorde zugelassen sind. Und nur, weil ihnen dies vom Verband nicht ermöglicht wurde, dürfen die Athleten nicht bestraft werden.

Quelle: n-tv.de

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