Fußball-WM 2019

Von ihrer WM-Form hängt alles ab Für Marozsán betet die DFB-Trainerin sogar

imago40596561h.jpg

Dzsenifer Marozsán ist die Spielgestalterin des deutschen Teams.

(Foto: imago images / photoarena/Eisenhuth)

Sie lenkt das Spiel des deutschen Teams, auch wenn sie die Kapitänsbinde freiwillig abgegeben hat: Dzsenifer Marozsán kann bei der Fußball-WM in ihrer Wahlheimat Frankreich der große Star werden. Dabei hätte eine Lungenembolie fast ihre Karriere zerstört.

Wenn das deutsche Nationalteam mit dem Gruppenspiel gegen China an diesem Samstag (ab 15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in die Fußball-WM in Frankreich startet, wird eine ganz sicher in Rennes auf dem Platz stehen: Spielmacherin Dzsenifer Marozsán, 27 Jahre alt. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg traut ihrer Nummer 10 sogar zu, "zum Gesicht dieser Weltmeisterschaft" zu werden. In dieser Woche sagte sie: "Ich bete jeden Tag: Lieber Gott, lass diese gute Form noch ein paar Wochen anhalten."

imago40433256h.jpg

Stolz reckt Dzsenifer Marozsán den Champions-League-Pokal in den Himmel.

(Foto: imago images / VI Images)

Die ist seit Monaten konstant brillant, das zeigen auch ihre Erfolge in dieser Saison. Am 18. Mai feierte sie mit Olympique Lyonnais den Gewinn der Champions League. Marozsán war es, die den Pokal stolz in die Höhe stemmte. Und sie war es auch, die beim 4:1 gegen den FC Barcelona den Torreigen schon in der fünften Minute eröffnet hatte. Das Endspiel in Ungarns Hauptstadt war für die deutsche Nationalspielerin ein ganz besonderes. Es fand dort statt, wo Marozsán am 18. April 1992 geboren wurde, bevor sie mit ihren Eltern im Jahr 1996 ins Saarland zog, weil ihr Vater Janos, einst ungarischer Nationalspieler, dort für den 1. FC Saarbrücken Fußball spielte.

Triple plus Extra-Auszeichnung

Der Triumph in der Königsklasse bescherte Marozsán und Olympique das Triple, zuvor gewann das Team die Meisterschaft und den Pokal. Dabei stand nicht einmal ein Jahr zuvor ihre Karriere auf der Kippe. Im vergangenen Sommer war sie zu Hause im Urlaub bei ihren Eltern, als sie starke Schulterschmerzen bekam, die sich bis in den Brustkorb ausbreiteten und sie schließlich sogar Atemnot bekam. "Das war der schockierendste Moment meiner Karriere", sagte Marozsán. Die Diagnose: beidseitige Lungenembolie. "Es war das viele Reisen im Flugzeug, und außerdem habe ich die Anti-Baby-Pille genommen, daher kam es." Zwei Wochen verbrachte sie im Krankenhaus, wurde mit Blutverdünnern behandelt, die Pille setzte sie ab. "Wäre die Ursache nicht sofort festgestellt worden, hätte ich noch viel länger aussetzen müssen."

Denn während die Genesung normalerweise viel Zeit kostet, trainierte Marozsán nach drei Monaten wieder. Bereits am 17. Oktober feierte sie im Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam ihr 30-minütiges Comeback. Sie hatte damit den Weg eingeschlagen zu ihren nächsten persönlichen Auszeichnungen: Nach 2017 wurde sie auch 2018 zur besten Spielerin Deutschlands gewählt, und nach 2018 nun auch 2019 zur besten Spielerin Frankreichs. Außerdem ist sie nach 2017 und 2018 wieder die beste Fußballerin in der französischen Division 1 Féminine. "Natürlich will ich auch mit der Nationalmannschaft bei der WM noch unsere Ziele erreichen. Aber ich bin wirklich wahnsinnig glücklich, in diesem Jahr schon so viel erreicht zu haben. Das ist wirklich unglaublich", sagte sie dem "Kicker".

WM-Finale im Heimstadion

Die WM findet nun passenderweise in dem Land statt, im dem sie sich so wohlfühlt. "Ich spiele jetzt seit drei Jahren hier. Frankreich ist ein Stück Heimat für mich." Dass sie das beflügelt hofft auch Almuth Schult. Auf die Frage des Magazins "11Freundinnen", wer der große Star der WM werden könnte, antwortete die Torhüterin: "Warum nicht auch unsere Dzsenifer Marozsán, die in Frankreich äußerst beliebt ist. Ich hoffe, dass es sie besonders anspornt, wenn sie quasi in ihrem eigenen Wohnzimmer spielt." Die Halbfinals und das Finale der WM finden in Lyon statt, in dem Stadion, in dem Marozsán trainiert und ihre Heimspiele absolviert. "Es wäre überragend, vor heimischem Publikum zu spielen, aber wir wissen, das wird ein weiter Weg."

imago40627564h.jpg

Trainerin Voss-Tecklenburg gibt die WM-Richtung vor: Ins Halbfinale soll es gehen.

(Foto: imago images / photoarena/Eisenhuth)

Nach Lyon zu reisen, ist das Ziel der deutschen Mannschaft. Denn mindestens die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio soll drin sein. Da nur drei europäische Mannschaften teilnehmen dürfen, ist vermutlich das Erreichen des WM-Halbfinals nötig. Auch das Erreichen des WM-Finals ist möglich, es wäre das erste Finale seit Gold bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

Ballbehandlung "ist herausragend"

Die EM 2017 war ernüchternd, das Aus der DFB-Elf schon im Viertelfinale beim 1:2 gegen Dänemark bitter. Auch für Marozsán persönlich, die sich als Kapitänin nicht wohl fühlte und nicht befreit aufspielen konnte. Trainerin Steffi Jones hatte die introvertierte Spielerin in die Rolle gedrängt, für sie war es eine Last. Seit sie Voss-Tecklenburg um die Entbindung vom Amt gebeten hatte und die Binde an die nie um einen Spruch verlegene Stürmerin Alexandra Popp abgab, geht es bergauf. Und wie: Die außerhalb des Platzes ruhige Frau beeindruckt auf dem Rasen mit ihrem Ballgefühl und ihrer Spielübersicht. "Dzsenifer ist eine außergewöhnliche Spielerin. Ich kenne sonst keine Frau - und auch kaum einen Mann - mit einer solchen Ballbehandlung. Ihre ist herausragend", sagte ihre ehemalige DFB-Kollegin Celia Sasic bei fifa.com.

"Außerdem schießt sie, passt, liest das Spiel und lässt die Stürmerinnen gut aussehen, weil sie die Bälle immer genau da hin spielt, wo man sie haben will." Die ehemalige Weltfußballerin Nadine Kessler ergänzte: "Sie hat hat die Klasse, internationale Erfahrung und auch nötige Ruhe dem Druck dieses Großereignisses standzuhalten und damit eine Schlüsselrolle in der deutschen Nationalmannschaft einzunehmen und das Team mitzureißen." Mit Blick auf das Turnier gibt sich sogar Marozsán selbstbewusst: "Wir haben definitiv das Potenzial, bei dieser Weltmeisterschaft Großes zu erreichen."

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema