Fußball-WM 2019

"Wusste ich nicht. Ist krass" Lena Oberdorf - das abgeklärte DFB-Küken

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Sehr jung - und sehr durchsetzungsstark: Lena Oberdorf.

(Foto: imago images / HMB-Media)

Sie ist hochbegabt, immer die Jüngste und knackt beim DFB nun sogar einen historischen Rekord: Lena Oberdorf löst bei ihrem Debüt in Frankreich Fußball-Legende Birgit Prinz als jüngste deutsche WM-Spielerin ab. Und das mit einer überzeugenden und abgeklärten Leistung.

Bislang hat Lena Sophie Oberdorf noch nicht mit Rekordnationalspielerin Birgit Prinz gesprochen. Es gab schlicht noch keinen Grund für die 17-Jährige, sich mit der DFB-Teampsychologin bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich auszutauschen. Das hat sich allerdings am Samstagabend nach dem 1:0 im Auftaktspiel gegen China geändert. Da hat die Spielerin der SGS Essen mal eben einen Rekord der 214-fachen Nationalspielerin gebrochen. Mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen ist Oberdorf nun die jüngste WM-Spielerin Deutschlands. Prinz war bei der WM 1995 knapp zwei Monate älter.

Ein Fakt, der die Elfklässlerin des Gymnasiums Gevelsberg im Ruhrgebiet völlig überraschte. "Was, ehrlich? Cool, das wusste ich gar nicht. Das ist krass …", sagte sie nach dem Spiel. Aber: "Langsam gewöhne ich mich dran, immer die Jüngste zu sein." Kein Wunder, als Zwölfjährige debütierte sie bei der U15-Nationalmannschaft, zwei Jahre später spielte sie bei der U17-WM und war im vergangenen Jahr als 16-Jährige bei der U20-WM in Frankreich dabei. Hochbegabt nennt man das wohl. Die Bundestrainerin erhofft sich Frische und Unbekümmertheit. "Ihr Alter hat keine Rolle gespielt, sondern in erster Linie ihre Leistungen", hatte Martina Voss-Tecklenburg gesagt. Genauso wie bei Giulia Gwinn, der Zweitjüngsten im Team, die passenderweise bei ihrem WM-Debüt in der Startelf stand und auch noch das erlösende Siegtor schoss.

"Noch gar nicht realisiert, dass ich hier bei einer WM bin"

Den Wirbel um den Rekord nahm Oberdorf erstaunlich gelassen, obwohl sie einräumte: Wie man wirke sei immer etwas anderes als innendrin. "Ich war nervöser als im Testländerspiel." Viel Zeit über das Erlebnis nachzudenken, habe sie allerdings nicht. "Ich habe Glück, dass ich noch gar nicht realisiert habe, dass ich hier bei der WM bin." Immerhin hatte die Trainerin ihre Jüngste auf einen Einsatz gegen die Chinesinnen vorbereitet: "Beim Spaziergang heute Morgen sagte mir Martina, dass ich heute vielleicht eingewechselt werde."

Zur Halbzeit war es soweit. Die Nummer sechs des DFB wurde für Carolin Simon aufs Feld geschickt. Sie fiel sofort auf - und das überaus positiv. Die 1,74 Meter große Spielerin überzeugte mit Ruhe und Klarheit. Vor der WM hatte sie gesagt: "Ich denke, dass ich ein gutes Kopfballspiel und eine gute Übersicht habe" - was sie gegen die Chinesinnen bewies.

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Oberdorf hat die Bundestrainerin überzeugt.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Eine Leistung, die die Schülerin als schwerer einstufte, als die Klausur, die sie noch am Donnerstag im Teamquartier schreiben musste. "Ich bin ja gut in der Schule", sagte sie und grinste. Im Leistungsfach Sport ging es für drei Stunden um Muskelphysiologie. "Für die Klausur kann man ja lernen, auf dem Platz passieren lauter Sachen, die man nicht erwartet", sagte Oberdorf über das vor allem in der ersten Halbzeit nervöse Spiel der Deutschen.

"Hau' alles weg, was kommt"

"Großes Kompliment an Obi, sie hat das wirklich sehr gut gemacht", sagte Kapitänin Alexandra Popp. Die 28-Jährige, die aus dem gleichen Ort stammt wie Oberdorf hatte der elf Jahre jüngeren vor dem Spiel gesagt: "Hau' alles weg, was kommt!" Und stellte dann etwas belustigt fest: "Sie hat das wohl sehr wörtlich genommen." Denn einen eigenen Patzer konnte Oberdorf in der 82. Minute nur noch durch ein Foul an Shuang Wang ausmerzen, was ihr eine Gelbe Karte bescherte. Sie nahm es gelassen hin, wie alles an diesem doch eigentlich so außergewöhnlichen WM-Debüt-Tag. Ihr Mittel gegen die Nervosität? "Ich denke dann immer: Es ist das gleiche Spiel, das wir seit Jahren alle spielen." Ganz normal war das China-Spiel dann aber doch nicht - ihr Trikot wird einen Ehrenplatz bekommen, sagt Oberdorf: "Ich hänge es mir vielleicht ins Zimmer."

Quelle: n-tv.de

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