Fußball-WM 2019

WM-Comeback gegen Schweden Marozsán - DFB-Kickerin für den Unterschied

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Dzsenifer Marozsán ist das kreative Genie der deutschen Nationalmannschaft - konnte aber wegen eines Zehenbruchs bislang kaum Impulse setzen.

(Foto: imago images / Norbert Schmidt)

Bisher verläuft die Fußball-WM ziemlich perfekt für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, obwohl mit Dzsenifer Marozsán die beste Spielerin ausfällt. Ohne Gegentor erreicht Deutschland das Viertelfinale gegen Schweden. Gegen den Topgegner soll Marozsán zurückkehren.

Auf die Deutschen wartet im Viertelfinale die erste richtig harte Prüfung bei dieser Fußball-WM. Die DFB-Auswahl trifft um 18.30 Uhr auf Schweden (im Liveticker bei n-tv.de und in der ARD) damit auf einen der unangenehmsten Gegner bei diesem Turnier. Wenngleich Deutschland als Favorit in das Duell geht, sind die Schwedinnen mit ihrer Athletik und dem recht ausgeklügelten taktischen System von Trainer Peter Gerhardsson nicht zu unterschätzen.

Schon im Testspiel vor der WM tat sich die deutsche Elf schwer, gewann aber knapp mit 2:1. Bei diesem Test stand mit Dzsenifer Marozsán die zentrale Spielerin der Deutschen auf dem Rasen. Beim laufenden Turnier fehlt die 27-Jährige seit der ersten Gruppenpartie gegen China wegen eines Zehenbruchs. Zuletzt im Achtelfinale durfte die Offensivspielerin, die ansonsten das Trikot von Olympique Lyon trägt, wieder auf der Ersatzbank Platz nehmen und wäre bei einem knapperen Spielverlauf im Duell mit Nigeria noch eingewechselt worden. Doch das deutliche 3:0 erübrigte diese Maßnahme.

Systemumstellung wegen Marozsán

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So könnten sich Deutschland und Schweden im Viertelfinale taktisch aufstellen.

Nun gegen Schweden wird Marozsán aber höchstwahrscheinlich von enormer Wichtigkeit sein. Bundestrainerin Voss-Tecklenburg hielt sich unter der Woche noch bedeckt auf die Schlüssel-Personalie angesprochen, die 51-Jährige sagte lediglich: "Wir sind sehr positiv, müssen aber gucken, wie sie die Woche vor allem ins Spieltaktische reingeht." Am Freitag bestätigte sie nun: Marozsán kehrt zurück - und die Trainerin damit auch zur gewohnten DFB-Taktik.

Mit dem Ausfall Marozsáns hatte Voss-Tecklenburg auch das System ihres Teams angepasst. Statt eines 4-2-3-1 mit Marozsán auf der Zehnerposition ließ sie fortan ein 4-4-2 mit zwei Angriffsspitzen und ohne Kreative hinter eben diesen Angreifern spielen. Um die Verteilung der Bälle mussten sich deshalb andere kümmern. Zuletzt gegen Nigeria übernahm diese Aufgabe beispielsweise Melanie Leupolz, die sich im Spielaufbau regelmäßig zwischen die Innenverteidigerinnen zurückfallen ließ und somit erste Passgeberin ihres Teams war. Doch auch wenn der Spielaufbau im Vergleich zu den ersten Turnierpartien an Sicherheit gewonnen hat, so fehlt doch dieses eine verbindende Element im Mittelfeld. Es fehlt Marozsán.

Team arbeitete für die Verletzte

"Dzsenifer kann man nicht ersetzen. Das funktioniert nicht, weil sie besondere Eigenschaften und Fähigkeiten hat“, resümierte Voss-Tecklenburg kürzlich. Deshalb versuchte die Bundestrainerin erst gar nicht irgendeinen Ersatz auf die Marozsán-Position zu stellen, sondern gleich das ganze taktische Konstrukt umzubauen. An sich war diese Umbaumaßnahme von Erfolg gekrönt. Ohne Marozsán spielten die Deutschen etwas schnörkelloser, weil sie eben ganz selten nur den Weg durch die Mitte wählten. Gegen unterlegene Gegner, die dem Tempo und der Dynamik der DFB-Elf wenig entgegenzusetzen haben, geht eine solche Strategie noch auf. Schweden aber lässt sich nicht sehr einfach schlagen.

Sollte Marozsán spielen, so wird sie viel Aufmerksamkeit der schwedischen Defensive auf sich ziehen und aufgrund ihrer Technik trotzdem unter Druck immer wieder den Ball behaupten könnten. Genau diese Qualität benötigen die Deutschen. Denn greifen sie zu wild an und verlieren gegen das pressingstarke schwedische Mittelfeld um Caroline Seger zu häufig den Ball, verlieren sie die Kontrolle.

Marozsán hingegen verspricht mehr Kontrolle über den Ball. Gleichzeitig ist sie für die Glanzmomente gut. Nicht grundlos wurde sie dreimal in Folge zur besten Spielerin der hochklassigen französischen Division 1 Feminine gewählt. Voss-Tecklenburg betonte in diesen Tagen noch einmal, dass ihrem Team in den letzten Partien "eine der besten Fußballerinnen der Welt" fehlte. Dass Marozsán nun wieder mit dabei sein kann, "dafür haben wir alles gegeben, dafür sind wir marschiert, dafür hat dieses Team gearbeitet", zeigte sich die Bundestrainerin stolz. Nun ist es Zeit für die Talentierteste im Team, für diejenige, die den Unterschied machen kann, ihre Klasse unter Beweis zu stellen.

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Quelle: n-tv.de

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