Fußball-WM 2019

4-3-3, Athletik, Anführerin Popp Wie spielen die DFB-Frauen eigentlich?

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Kommt über ihre Athletik und Mentalität: DFB-Spielführerin Alexandra Popp.

(Foto: imago images / Oryk HAIST)

Für die DFB-Elf beginnt mit der WM in Frankreich ein Neuanfang. Denn nach dem blamablen Viertelfinal-Aus bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren versucht die deutsche Elf unter Martina Voss-Tecklenburg alles umzukrempeln - mit Neu-Kapitänin Popp am Ruder.

Einen einfachen Job hat Martina Voss-Tecklenburg, die über 15 Jahre selbst das DFB-Trikot trug, gewiss nicht übernommen. Das Projekt mit Bundestrainern Steffi Jones scheiterte krachend und führte die Deutschen weg von der Weltspitze. Auch wenn Interimscoach Horst Hrubesch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft noch retten konnte, so blieb doch viel Arbeit für die neue Bundestrainerin liegen.

Die 51-Jährige kann dabei auf einen Stamm an erfahreneren Spielerinnen wie Alex Popp, Dzsenifer Marozsán und Melanie Leupolz zurückgreifen, muss aber eben um diese herum ein neues Korsett basteln. Das kann nur klappen, wenn Voss-Tecklenburg auch die richtigen strategischen und taktischen Mittel wählt.

Athletische Überlegenheit

Dass sie sich allerdings bis zum Turnierstart noch nicht vollends sicher scheint, wohin die Reise gehen soll, das zeigten die ersten sechs Monate ihrer Amtszeit, in denen sie so manches Mal mit Formationswechseln experimentierte. Zum ersten Spiel gegen China werden die Deutschen wohl in einem 4-3-3 auflaufen und versuchen, mit viel Dynamik in die Offensivräume vorzustoßen.

Die DFB-Auswahl lebt von ihrer Physis und Athletik - gerade gegen Teams wie China, die in dieser Hinsicht überhaupt nicht mithalten können. Stellvertretend für diese Art des deutschen Spiels steht Kapitänin Popp, die sich zumeist kraftvoll über den Platz bewegt. Für das deutsche Team war Popp bis jetzt die personifizierte Torgarantie, für ihren Klub, den VfL Wolfsburg, hat sie sich zuletzt zur Universalwaffe entwickelt. Denn vom Mittelsturm bis zur Innenverteidigung kann die 28-Jährige an sich alles spielen - auch oder insbesondere aufgrund ihrer Athletik.

Alte Bekannte

Popp und Voss-Tecklenburg kennen sich bereits seit über zehn Jahren. Popp gab damals unter Voss-Tecklenburg ihr Bundesligadebüt für den FCR Duisburg 2008. Anschließend arbeitete sich die Angreiferin rasch zur Leistungsträgerin im DFB-Team hoch. Anfangs stand sie noch im Schatten von namhaften Offensivkräften wie Birgit Prinz und Célia Šašić, aber ihr Talent war unübersehbar.

Popps geradlinige Spielweise und ihr Zug zum Tor gepaart mit den bereits erwähnten athletischen Fähigkeiten machten sie unabdingbar für die deutsche Elf. Ob auf dem linken Flügel, im Sturmzentrum oder eben nun auch auf anderen Positionen, Popp fühlt sich überall zuhause. Ebenso scheint sie die geborene Anführerin. Anfang dieses Jahres gab Marozsán das Kapitänsamt ab. Der Superstar von Olympique Lyon ist gewiss die begabteste Deutsche dieser Generation, aber kam mit der zusätzlichen Verantwortung nicht klar.

Im Vergleich zu Marozsán ist Popp weniger elegant und technisch versiert. Doch ihre Mentalität ist unbestritten die einer Gewinnerin. Sie strotzt vor Selbstbewusstsein, ohne jedoch arrogant zu wirken. Rückblickend auf die Negativentwicklung der letzten Jahre gab Popp offen zu, dass die Deutschen als Team zunächst das taktische Ein-Mal-Eins erlernen mussten. Sie funktionierten nicht als Einheit. So viel Selbstkritik macht eine großartige Anführerin aus.

Mammutaufgabe für die Bundestrainerin

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Der Teamgeist steht auch im Fokus: Noch ist die DFB-Elf zu abhängig von zwei oder drei Spielerinnen.

(Foto: imago images / Oryk HAIST)

Problematisch für die DFB-Auswahl bleibt allerdings die Abhängigkeit von zwei oder drei Einzelspielerinnen, die in den entscheidenden Momenten da sein müssen, weil andernfalls die Deutschen nicht die Durchschlagskraft eines Spitzenteams haben. Wird beispielsweise Marozsán durch gekonnte Zonenverteidigung aus dem Spiel genommen, entwaffnet der Gegner die Kreativzentrale der DFB-Elf weitestgehend.

In einem Werbespot für einen großen Finanzdienstleister sagen die Deutschen, sie "spielen für ein Land, das unsere Namen nicht kennt". Gewiss zielte dieser Satz auf die geringe Berichterstattung über und öffentliche Aufmerksamkeit für den Frauenfußball ab. Aber zugleich ist dieses deutsche Team auch bis auf wenige Ausnahmen noch eine große Unbekannte.

Die Herausforderung für Voss-Tecklenburg besteht aber eben nicht nur darin, neue Schlüsselfiguren aufzubauen und aufeinander abzustimmen, sondern auch die taktischen Versäumnisse der jüngeren Vergangenheit aufzuholen. Dieser Neustart für Deutschland entpuppt sich wenig überraschend als Mammutaufgabe für die neue Bundestrainerin und natürlich ihre Kapitänin.

23 Spielerinnen zwischen Jugend und Routine - der DFB-Kader zum Durchklicken.

Quelle: ntv.de

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