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Klares Nein beim Referendum Hamburger lehnen Olympia-Bewerbung ab

Deutschland wird sich nicht um die Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben. Beim Referendum spricht sich in Kiel zwar eine deutliche Mehrheit dafür aus. Die Hamburger Bürger lehnen die Olympia-Pläne aber ab. Die Bewerbung ist damit gescheitert.

Die Städte Hamburg und Kiel müssen ihre Pläne für Olympische Sommerspiele 2024 begraben. Während sich in Kiel beim Referendum eine deutliche Mehrheit von 65,6 Prozent der Bürger für die bereits eingereichte Bewerbung um die Spiele aussprach, verloren die Olympia-Befürworter die Abstimmung in Hamburg. Nach Auszählung aller 650.106 gültigen Stimmen entfielen dort 51,6 Prozent auf ein Nein zu Olympischen Spielen 2024, wie das Statistikamt Nord mitteilte. 48,4 Prozent der Hamburger stimmten demnach mit Ja.

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(Foto: dpa)

Der Bürgermeister der Hansestadt, Olaf Scholz, räumte die Niederlage der Olympia-Befürworter beim Referendum schon vor Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses ein. "Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte Scholz. Das Referendum sei aber richtig gewesen. Für eine Aufrechterhaltung der Bewerbung hätte es in beiden Städten eine Mehrheit geben müssen. Die detaillierten Hamburger Ergebnisse sind unter www.olympia-referendum.de abrufbar.

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Wie 2013 in München und Umgebung sprachen sich nun auch die Hamburger gegen eine Olympia-Bewerbung aus.

(Foto: dpa)

Das nächste Nein der Bürger

In Deutschland ist es das zweite Nein der Bürger zu Olympia-Plänen binnen zwei Jahren. 2013 hatten München und Umgebung in einer Volksbefragung mit 4:0 gegen die Winterspiele 2022 votiert. Für Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), ist das erneute Scheitern deutscher Olympiapläne "ein herber Tief- und Rückschlag". Offensichtlich passten "der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammen". Der Grünen-Politiker Öczan Mutlu, Mitglied im Sportausschuss des Bundestages, sagte: "Das muss uns allen, vor allem Sportgroßverbänden zu denken geben!"

In Hamburg hatte das ZDF nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr zunächst einen Sieg der Olympia-Befürworter prognostiziert. Auf Basis einer Umfrage unter 3800 Hamburgern wurden 56 Prozent Zustimmung vorausgesagt. Mit der tatsächlichen Auszählung der ersten Wahllokale lagen dann aber die Gegner knapp vorn. Das verfestigte sich auf einen Vorsprung von rund vier Prozent.

Die Mitglieder der Initiative NOlympia hoffen nun, das mit gescheiterten Referendum auch eine Bewerbung für Olympia 2028 vom Tisch ist. "Wir würden davon abraten, in vier Jahren dieses gescheiterte Konzept noch einmal aus der Mottenkiste zu holen", sagte NOlympia-Mitglied Florian Kasiske: "Wir sind natürlich sehr erleichtert. Wir haben ein halbes Jahr lang viel Arbeit investiert."

Das "Nein" der Hamburger stehe nicht im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Paris, vielmehr "ging es tatsächlich um Stadtpolitik", sagte Kasiske: "Viele Menschen kommen gerade in diese Stadt und müssen in Zelten übernachten, und für die muss das Geld da sein."

Olympia mobilisiert die Bürger

Die Frage Olympia ja oder nein hatte die Hamburger stärker mobilisiert als andere Themen, am Ende lag die Wahlbeteiligung bei 50,1 Prozent. Die Olympia-Gegner hatten vor dem Referendum vor allem vor sozialen Nachteilen für Teile der Bevölkerung und vor den hohen Kosten Olympischer Spiele gewarnt, aber auch strukturelle Missstände beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und manipulative Züge der Hamburger Bewerbung kritisiert. Nach Berechnungen des rot-grünen Senats sollten Sommerspiele in Hamburg rund 11,2 Milliarden Euro kosten. Die öffentliche Hand sollte davon etwa 7,4 Milliarden Euro übernehmen - 1,2 Milliarden die Stadt und 6,2 Milliarden der Bund.

Mit der Entscheidung der Hamburger ist Deutschland raus aus dem Bewerberkarussell um Olympia. Nun stehen für das Sportgroßereignis noch Budapest, Paris, Rom und Los Angeles als Kandidaten parat. Die Entscheidung über die Ausrichterstadt fällt das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2017 in Lima (Peru).

Quelle: ntv.de, cwo/dpa