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Bauermann, der Basketball-Verrückte "Wir haben eine hoch veranlagte Generation"

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Dirk Bauermann ist seit Jahresbeginn Trainer bei s.Oliver Würzburg.

(Foto: imago/foto2press)

Er trainierte die Nationalmannschaft, führte Leverkusen zu sechs Titeln hintereinander und machte Bamberg zur Basketball-Großmacht: Dirk Bauermann zählt zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Basketball. Zu Jahresbeginn übernahm er die Mannschaft von Würzburg. Vor dem Spiel gegen seinen ehemaligen Verein Bamber spricht der 59-Jährige im exklusiven Interview mit n-tv.de über die deutschen NBA-Profis und einen Präsidenten mit Pistole.

n-tv.de: Herr Bauermann, nach Ihrem Aus beim FC Bayern München im Jahre 2012 sind Sie nun zurück in der Bundesliga. Zwischendurch waren Sie im Ausland. Welchen Stellenwert hat der deutsche Basketball?

Das ist Dirk Bauermann
  • Geboren am 10. Dezember 1957 in Oberhausen
  • Von 1975 bis 1981 war er Spieler beim BBC Krefeld in der Regionalliga. Aufgrund einer Verletzung musste er seine Karriere beenden.
  • Er trainierte in der Bundesliga unter anderem Leverkusen, Bamberg und München und wurde als Trainer bislang neun Mal Deutscher Meister und vier Mal Pokalsieger.
  • Mit der deutschen Nationalmannschaft erreichte er bei der EM 2005 den zweiten Platz. Später trainierte er die Nationalteams von Polen und des Irans.

Dirk Bauermann: Wirtschaftlich zählt die Bundesliga zu den solidesten Ligen in Europa. Natürlich wird in Ländern wie Spanien viel mehr Geld bezahlt. Dort kassieren manche Spieler ein Netto-Gehalt von einer oder zwei Millionen Euro. Das ist in Deutschland nicht möglich. Die Top-Spieler der Bundesliga verdienen vielleicht ein Drittel davon. Aber sie können sicher sein, ihr Geld zu bekommen. Im Ausland gibt es viele Zahlungsausfälle. Von der Infrastruktur, also von den Hallen und der Fanbase her, ist Deutschland sogar die Nummer 1 in Europa. Sportlich allerdings sind die Spanier, Türken, Italiener, Griechen und Serben stärker.

Die Ergebnisse der Nationalmannschaft waren zuletzt eher enttäuschend. Als Sie noch Bundestrainer waren, qualifizierte sich Deutschland für Olympia und gewann Silber bei der Europameisterschaft. Zuletzt war in der Vorrunde meist Endstation – wenn wir überhaupt qualifiziert waren. Warum hinken wir so hinterher?

Von den Platzierungen hinken wir hinterher, das stimmt. Aber ich möchte daran erinnern, wie knapp wir vor zwei Jahren bei der EM im eigenen Land ausgeschieden sind. Wir haben mit nur einem Punkt gegen den späteren Europameister Spanien verloren. Daher sage ich: Leistungsmäßig haben wir den Anschluss nicht verloren.

Das heißt?

Ich sehe eine große Chance für den deutschen Basketball. Viele unserer Nationalspieler befinden sich in den besten Jahren. Dabei denke ich nicht nur an Dennis Schröder. Ich meine auch Spieler wie zum Beispiel Johannes Voigtmann, Daniel Theis, Patrick Heckmann, Tibor Pleiß, Robin Benzing oder Paul Zipser. Wir haben eine hoch veranlagte Generation. Diese Mannschaft hat bei der Europameisterschaften sogar Chancen auf das Halbfinale.

Dennis Schröder ist in der NBA-Mannschaft der Atlanta Hawks momentan der Spielmacher Nummer 1, hat zudem einen Vierjahresvertrag über 70 Millionen Dollar abgeschlossen. Seitdem wird er kritischer gesehen. Wie ist Ihre Meinung über Schröder?

Hawks-Spielmacher

Viel Lob hat der derzeitige Bundesliga-Trainer für den Spielmacher Nummer 1 der Atlanta Hawks, Dennis Schröder.

(Foto: John Amis/AP/dpa)

Als Spielmacher Nummer 1 kontrolliert er den Spielrhythmus. In diese Rolle muss man hineinwachsen. Ich bin aber davon überzeugt, dass er in zwei oder drei Jahren ein Allstar-Spieler sein wird. Wir sollten glücklich sein, dass er zudem die Bereitschaft hat, im Sommer für die Nationalmannschaft zu spielen – genauso wie Dirk Nowitzki es lange gemacht hat.

Wie sehen Sie die Zukunft von Nowitzki? Sein Vertrag bei den Dallas Mavericks läuft noch bis 2018. Jedoch wird darüber spekuliert, ob er bereits nach dieser Saison zurücktritt. Was denken Sie?

Ich weiß es nicht. Als Weggefährte und Fan wünsche ich mir, dass er so lange spielt, wie er Lust hat und sein Körper mitmacht.

Mit Paul Zipser ging ein weiterer Deutscher in die NBA. Vor Saisonbeginn schloss er sich den Chicago Bulls an und hat dort auch seine Einsätze. War der Wechsel in die USA der richtige Schritt oder kam das möglicherweise noch zu früh?

Das erforderliche Talent und die Spielintelligenz bringt er mit. Natürlich war das ein mutiger Schritt. Aber Mut wird häufig belohnt. Wenn es nicht klappt, kann er immer noch zu einem europäischen Top-Verein wechseln. Aber bislang läuft es gut. Er hat sich mit guten Leistungen an zwei anderen Flügelspielern vorbeigeschoben, profitiert zudem von der etwas schwierigen Situation in Chicago.

Der Deutsche Tibor Pleiß war ebenfalls in der NBA, konnte sich bei den Utah Jazz allerdings nicht durchsetzen und spielt nun in Istanbul. Hat sich das Thema NBA für ihn damit erledigt?

Nein. Die NBA hat ein weltweit aufgestelltes Netzwerk mit Scouts. Zurück nach Europa zu gehen, ist keine Einbahnstraße. Wenn Tibor stark spielt, bekommt er sicherlich eine zweite Chance in der NBA.

Deutsche Spieler scheinen immer etwas Zeit zu benötigen, um sich in der NBA zurechtzufinden. Das war bei Schröder und Nowitzki genauso.

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Großen Respekt hat der Trainer vor dem Spieler: Dirk Bauermann mit Dirk Nowitzki.

(Foto: dapd)

In der NBA wird ein anderer Basketball gespielt als in Europa. Der europäische Basketball ist team- und defensiv-orientierter, zudem ist das Spielfeld kleiner. Es war auch für Dirk Nowitzki immer eine große Umstellung, wenn er für die Nationalmannschaft und dann wieder in der NBA gespielt hat.

Bestand bei Ihnen eigentlich jemals Chance, in der NBA zu trainieren? Immerhin haben Sie Ihre Trainerkarriere an einer amerikanischen Universität begonnen.

Vor etwa acht Jahren boten mir die Dallas Mavericks an, ihre D-League-Mannschaft (Nachwuchsmannschaft, Anm.d.Red.) zu trainieren. Mir wurde in Aussicht gestellt, später in den Trainerstab der Dallas Mavericks zu gelangen. So hätte ich in der NBA Fuß fassen können. Aber damals war ich Nationaltrainer. Außerdem bin ich mit Leib und Seele Cheftrainer. In der Funktion eines Assistenztrainers würde ich mich nicht wohlfühlen.

Sie waren in vielen Ländern als Cheftrainer tätig. Dabei gab es sicherlich auch einige kuriose Vorfälle, oder?

Natürlich. In Griechenland habe ich zum Beispiel mit dem Vereinspräsidenten darüber gestritten, ob wir einen Spieler entlassen oder nicht. Ich wollte dem Spieler Zeit geben. Der Präsident hat sich sehr darüber aufgeregt und legte plötzlich eine Pistole auf den Tisch.

Und wurde der Spieler entlassen?

Sie dürfen drei Mal raten. (lacht)

Dann wurde er also entlassen. Seit dem Jahreswechsel sind Sie Cheftrainer von Würzburg. Sie haben in Leverkusen und in Bamberg bewiesen, dass Sie eine Spitzenmannschaft formen können. Sind in Würzburg die Voraussetzungen geschaffen, um oben mitzuspielen?

Ich halte eine Halbfinalteilnahme in den nächsten zwei bis drei Jahren für realistisch. Wir sind mit unseren Sponsoren sehr breit aufgestellt, haben in der Stadt ein großes Interesse für Basketball und bekommen vermutlich bald eine neue Halle. Das stimmt uns optimistisch. Hinzu kommt natürlich die Mannschaft. Das Team hat nicht nur viel Talent, sondern auch einen starken Zusammenhalt. Wir haben vergangene Woche zwar das Spiel gegen Bayern München verloren. Trotzdem stelle ich eine positive Entwicklung fest.

Dirk Nowitzki stammt aus Würzburg und hat früher für den Verein gespielt. Wäre es denkbar, ihn nach der Karriere im Verein einzubinden?

Von der Vereinsseite her sofort. Im Hinblick auf die gemeinsame Vergangenheit wäre das großartig. Zudem kann ich sagen, dass es menschlich keinen angenehmeren Athleten als Dirk gibt. Könnten wir ihn zu einer Mitarbeit in Würzburg gewinnen, wäre das ein großer Gewinn. Ob er dazu allerdings Lust hat, können wir erst nach seinem Karriereende abklären.

Mit Dirk Bauermann sprach Oliver Jensen

Quelle: ntv.de