Formel1

Haas bestätigt Verhandlungen Die letzte F1-Option, die Schumacher bleibt

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Alfa Romeo sagte Schumacher ab - bei Haas sieht es besser aus.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Bei Alfa Romeo klappt es für Mick Schumacher nicht, dafür wirbt ein anderes Formel-1-Team um den 21-Jährigen: Haas. Der US-Rennstall hält viel vom designierten Formel-2-Meister - der ziemlich gut in die ambitionierten Pläne von Teamchef Günther Steiner passt.

Viele Optionen bleiben Mick Schumacher nicht mehr, wenn er 2021 in der Formel 1 fahren will. Nach der Absage von Alfa Romeo eigentlich sogar nur noch eine, die wirklich realistisch ist. Doch die Chancen stehen gut, dass auf die Spekulationen, der 21-Jährige könnte für Haas ins Auto steigen, bald eine Unterschrift beim US-amerikanischen Rennstall folgt. Auch wenn Teamchef Günther Steiner sich dabei nicht konkret den 21-Jährigen bezieht, sagt er im Exklusiv-Interview mit ntv: "Wir sind mit den Fahrerverträgen auf der Zielgeraden." Und ntv-Motorsportexperte Felix Görner ist zuversichtlich: "Die Wertschätzung für Schumacher ist groß - es kann nicht mehr lange dauern."

Denn im Gespräch mit Görner äußert sich Steiner lobend über den Sohn des Rekordweltmeisters, der vier Rennen vor Saisonende die Gesamtwertung der Formel 2 anführt und bestätigte die Verhandlungen mit Schumacher. Wer dort die Meisterschaft gewinne, so der Südtiroler, habe es auch verdient, in die Formel 1 aufzusteigen. "Es wäre eine Ehre für uns", so Steiner, wenn Schumacher sich Haas anschließen sollte. "Die Tendenz ist klar", sagt Görner und meint damit, dass Schumacher und Haas sich in konstruktiven Gesprächen befinden. Der Deutsche würde somit Teil des Neuaufbaus, den Haas gerade vollzieht.

Für diesen Neuaufbau möchte das Team zwei Rookies verpflichten, wie Steiner im Gespräch mit ntv erklärte, also zwei F1-Neulinge. Die sind deutlich kostengünstiger als die aktuelle Fahrerpaarung aus Kevin Magnussen und Romain Grosjean, deren Verträge nicht verlängert werden. Dieser Schritt ermöglicht es Haas, deutlich mehr Geld in die Entwicklung für die Saison 2022 zu stecken, wenn das grundlegend überarbeitete neue Reglement in Kraft tritt.

Ein Teamkollege mit viel Geld?

Das ist dringend notwendig, denn "unser Auto ist das langsamste im gesamten Feld", wie Grosjean nach Platz 17 am vergangenen Sonntag in Portugal ernüchtert analysierte. Steiner sagte dazu vor Kurzem: "Wir müssen etwas aufbauen und haben nächstes Jahr nichts zu verlieren." Der Teamchef sieht 2021 als Übergangsjahr, in dem Haas ähnlich konkurrenzunfähig sein wird wie in dieser Saison: so gut wie gar nicht. Stattdessen geht es schon jetzt darum, die Ressourcen auf den Boliden für 2022 zu konzentrieren, der eine komplette Neuentwicklung erfordert.

Allerdings ist Haas für dieses ambitionierte Projekt auch darauf angewiesen, dass die künftigen Piloten die knappen Finanzen des Rennstalls aufbessern. Deshalb gilt neben Schumacher sein Formel-2-Konkurrent Nikita Mazepin als aussichtsreicher Kandidat auf einen Vertrag. Mazepins Vater ist Mehrheitseigentümer des russischen Chemiekonzerns Uralchem, sein Vermögen wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt, er fördert die Karriere seines Sohnes mit viel Geld.

Das würde auch zu vorherigen Aussagen Steiners passen, der in Portugal konstatierte: "Talent ist wichtiger, aber manche haben eben auch Sponsoren." Schumacher bringt sogar beides mit, denn der 21-Jährige zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie kaum ein anderer Fahrer. Anders als Mazepin hat der Formel-2-Spitzenreiter zwar keine klassischen großen Geldgeber im Rücken, sorgt aber schon allein mit seinem Namen dafür, dass das Haas-Auto und damit die (neu gewonnenen) Team-Sponsoren wesentlich öfter präsent sind als bisher. "Schumacher" ist nicht nur in Deutschland untrennbar mit der Formel 1 verbunden, damit könnte Haas werben.

Schumachers Chance

Sportlich gesehen müsste sich Schumacher allerdings gedulden, schließlich würde er in seiner ersten Formel-1-Saison angesichts eines kaum weiterentwickelten Autos wohl zumeist hinterherfahren. Das bedeutet allerdings auch, dass der Druck auf den 21-Jährigen gering ist und er sich im Duell mit einem Rookie-Teamkollegen auszeichnen kann. Und es bietet ihm die Chance, sich in seinem ersten Jahr langsam heranzutasten, um sich dann im zweiten Jahr signifikant zu steigern - so wie er es zuvor bereits in der Formel 3 und in der Formel 2 getan hat.

Es werde nicht mehr lange dauern, sagt Steiner im Gespräch mit ntv, bis Klarheit über die Fahrerpaarung für 2021 herrsche, maximal noch ein paar Wochen, vielleicht auch weniger. Die Aussichten für die neue Saison sind zwar angesichts der klaren Prioritäten wenig optimistisch, aber dennoch klar, wie er jüngst erklärte: "Wir können nur gewinnen, weil wir praktisch nicht mehr schlechter sein können als derzeit. Und ich habe stets betont: Wir wollen die [neuen, Anm. d. Red.] Fahrer auch 2022 im Auto haben, weil dann die neuen Regeln kommen."

Für Schumacher hieße das, er könnte mindestens für zwei Jahre bei Haas unterschreiben, bekäme also die Zeit, die er für gewöhnlich in einer neuen Rennserie braucht. Dass Steiner und sein Team den 21-Jährigen im Blick haben, ist nicht neu. Schließlich "ist ein Schumacher wichtig für die Formel 1", so der Südtiroler. Er könnte dafür sorgen, dass dieser große Name dreizehn Jahre nach dem Rücktritt von Ralf Schumacher und acht Jahre nach dem Karriereende von Michael Schumacher wieder auf der Starterliste steht.

Quelle: ntv.de