Formel1

Formel-1-Lehren von Brasilien Ferrari-Duo rast irrwitzig ins Fiasko

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Ferrari-Albtraum in Runde 66: Die Wagen von Vettel und Leclerc kollidieren.

(Foto: Screenshot RTL)

Im vorletzten Saisonrennen der Formel 1 tritt bei Ferrari der Worst Case ein: Sebastian Vettel und Charles Leclerc kollidieren und scheiden beide beim Großen Preis von Brasilien aus. Die Teamleitung der Scuderia steht nun kurz vor dem Ende eines unter dem Strich enttäuschenden - weil wieder titellosen - Jahres vor der Aufgabe, die beiden Fahrer so zu befrieden, dass sie im kommenden Jahr erfolgreich sein können. Denn Red Bull bringt sich für den künftigen Titelkampf mehr und mehr ins Spiel. Die Lehren vom PS-Spektakel vor den Toren von São Paulo.

Ferrari hat seine Fahrer nicht im Griff

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Der berühmteste aller Rennställe steht vor ungemütlichen Wochen, Teamchef Mattia Binotto muss nach dem Crash von Vettel und Leclerc eine komplizierte Aufgabe lösen. Es geht um die Frage: Wer ist die Nummer eins bei Ferrari? Schon seit Saisonbeginn ist das Teamduell giftig. Der 32-jährige Vettel auf der einen Seite mit seiner fünften Saison für Ferrari. Leclerc auf der anderen Seite ist neu, aber auch nicht ganz. Der 22-Jährige kommt aus der Talentschmiede der Scuderia. Leclerc will von Anfang an von einer Rolle als Nummer zwei nichts wissen, grantelt im Rennen bei entsprechenden Anweisungen und lässt sich seinen Unmut deutlich anmerken. Vettel ist dabei nicht in der Lage, ihn sportlich zu beherrschen.

Auch in Brasilien ist Vettel nicht gerade top. Er verliert beim Start einen Platz, während Leclerc - durch eine Strafe nur von Position 14 gestartet - sieben Plätze in sieben Runden aufholt und irgendwann auch vor Vettel liegt. Deswegen kommt es überhaupt erst zum irrwitzigen Kontakt fünf Runden vor dem Ende. Teamchef Mattia Binotto beließ es im Teamduell öffentlich meist bei Freundlichkeiten. Was intern ablief, ist nicht bekannt. Er kündigte eine Fehleranalyse an ebenso wie ein Gespräch in Maranello nach der Rückkehr aus Südamerika. Bleibt der schwelende Konflikt zwischen den beiden Rivalen ungeklärt, kann die Scuderia den Titel auch im nächsten Jahr abschreiben.

Vettel setzt seinen Ruf leichtfertig aufs Spiel

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Keine Premiere in dieser Saison - ein Ferrari am Haken.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Es war ja sowieso wieder ein Jahr zum Vergessen für den Heppenheimer, eine echte Chance auf den Titel hatte der viermalige Weltmeister auch in seiner fünften Saison mit der Scuderia nie. Mit dem Fiasko in Brasilien folgte nach einigen Pleiten, Pech und Pannen jetzt der negative Höhepunkt. Vettels guter Ruf gerät allmählich in Gefahr, schließlich wird er aller Voraussicht nach in der WM-Wertung hinter Leclerc bleiben. Vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi hat Vettel 19 Punkte Rückstand auf den Monegassen. Eine maue Bilanz.

Verstappen mausert sich zum obersten Hamilton-Konkurrenten

Seit dem Sommer ist der 22-Jährige schon richtig gut drauf. Der junge Niederländer holte Siege in Österreich und Deutschland. Nun ließ der Red-Bull-Pilot den Erfolg in Brasilien folgen, wo er ein Jahr zuvor durch eine späte Kollision um den Sieg gebracht worden war. Eine beeindruckende Vorstellung. Das Überholmanöver zum Sieg nach der zweiten Safety-Car-Phase gegen den sechsmaligen Weltmeister Hamilton machte Geschmack auf mehr. Mittlerweile hat Verstappen auch an Reife gewonnen, er bekommt sein Temperament unter Kontrolle und weiß auch, wann er zurückstecken muss. Der einstige Branchenführer Red Bull, mit dem Vettel von 2010 bis 2013 viermal Fahrer- und Konstrukteursweltmeister geworden war, avanciert mit dem neuen Motorenpartner Honda wieder zu einer Siegmannschaft.

Gasly nutzt seine zweite Chance in der Formel 1

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Falsche Besetzung bei der Siegerehrung: Statt Hamilton (r.) sollte eigentlich Sainz auf dem Treppchen stehen.

(Foto: imago images/Action Plus)

Das ist schon eine erstaunliche Geschichte, die der Franzose da geschrieben hat. Erst in der Sommerpause war er bei Red Bull ausgemustert worden, für zu leicht befunden wurde er zurückgeschickt zum kleinen Schwesterteam Toro Rosso. Da blühte Gasly dann wieder auf, in den vergangenen Wochen zeigte der 23-Jährige immer wieder starke Vorstellungen. Mit dem sensationellen zweiten Platz verschaffte sich Gasly nun endgültig Genugtuung nach der unrühmlichen Versetzung.

Schnellere Entscheidungen müssen her

Es wirkte schon ein bisschen komisch, als Lewis Hamilton auf der Pressekonferenz der besten drei Fahrer erfuhr, dass er durch eine Zeitstrafe auf den siebten Platz zurückversetzt wurde. Zuvor war er noch von den Zuschauern bei der Siegerehrung gefeiert worden. Ein Platz, den eigentlich Carlos Sainz von McLaren hätte einnehmen sollen.

Der Rennkurs von São Paulo muss erhalten bleiben

Klar, die Strecke im Stadtteil Interlagos ist ein bisschen heruntergekommen. Aber sie versprüht Seele, sie ist etwas Besonderes, die Tradition ist vor Ort förmlich greifbar und die Fans sind enthusiastisch. Auch diesmal waren mehr als 70.000 Zuschauer da, obwohl die großen Zeiten ihres Idols Ayrton Senna lange vorbei sind. Und so wäre es eine Schande, wenn das Rennen in Brasilien, wie spekuliert wird, nach Rio verlegt werden würde. Zumal die Olympia-Stadt für 200 Millionen Euro einen neuen Kurs plant, für dessen Bau Regenwald abgeholzt werden soll. Nicht nur vor dem Hintergrund der unlängst verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele der Formel 1 wäre eine solche Verlegung eine Farce.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/sid