Formel1

Die Welt huldigt Rekord-Hamilton "Heil dir, Gott des Grid!"

Lewis Hamilton krönt sich zum Formel-1-Rekordchampion und die Welt steht Kopf. Während der neue und alte Weltmeister sich nach dem "Sieg für die Ewigkeit" ergriffen zeigt, huldigt die Presse ihm als "König der Rennstrecke". Manch einem fehlen sogar die Superlative.

"Für alle Kinder da draußen, die vom Unmöglichen träumen - ihr könnt es schaffen", verkündete Lewis Hamilton nach seinem siebten WM-Triumph in der Formel 1 noch per Boxenfunk. Dann brach er in Tränen aus. Sichtlich ergriffen räumte er nach dem Sieg beim Großen Preis der Türkei ein: "Ich bin sprachlos. Ich erinnere mich, als Michael diese ganzen Titel gewonnen hat. Ich habe davon geträumt, als ich klein war, aber das übertrifft all meine Träume."

"HAM7LTON" titelte das britische Boulevard-Blatt "The Sun" in Großbuchstaben und schrieb weiter: "Lewis Hamilton bricht in Tränen aus, als er den siebten Weltmeistertitel nach einem brillanten, feuchten Sieg in der Türkei gewinnt und damit den Rekord von Michael Schumacher knackt." Der 94. Sieg in Hamiltons glorreicher F1-Karriere sei "eine weitere Meisterleistung" gewesen. Mancher möge zwar argumentieren, dass er immer gewinne, weil er das beste Auto habe, aber "bei diesem Rennen gewann der beste Fahrer bei harschen Bedingungen. So einfach ist das."

"Hamilton ist Formel 1"

Die englische "Daily Mail" erkannte gar einen Kampf "gegen die Elemente", den Hamilton in der Türkei gewann und damit "Geschichte schrieb". Der Brite sei nun "zum siebten Mal der König der Rennstrecke", schrieb die Zeitung und fasste die Ereignisse mit einem einfachen Dreisatz zusammen: "Sieg am Tag, Sieg die Saison über, Sieg für die Ewigkeit." Das Ziel, Schumachers Titel-Rekord einzuholen habe lange Zeit unmöglich zu erreichen geschienen, aber Hamilton hätte es nun "aufgrund seines eigenen Könnens und seines unerbittlichen Fokus" in einen "Zwischenstopp verwandelt". Daher freute das Blatt sich schon: "Auf zu seinem achten Weltwunder." Die Lobpreisungen für den alten und neuen Weltmeister kannte dieses Jahr über natürlich auch bei der "Daily Mail" kein Ende, wie sie sich selber eingestand. "Wir haben die Superlative in dieser Saison abgenutzt, bis das Wörterbuch eine Niederlage einräumte." Einen wollte die Zeitung am Ende dann aber doch noch heraushauen: "Heil dir, Hamilton, Gott des Grid."

In Spanien ging man den Rekord des Briten etwas nüchterner an, feierte die siebte Weltmeisterschaft aber ebenfalls gebührend. "Ehre für Lewis Hamilton im verrücktesten Dschungel der F1", schrieb "As". Der Mercedes-Pilot habe sich "auf einem schrecklichen Asphalt" bravourös zurückgekämpft. Schließlich hätte Hamilton auch vom Gas gehen können und "den Mythos von Michael Schumacher mit einer schlechten, belanglosen Leistung" egalisieren können. Aber der neue siebenfache Champion machte seiner Leistung alle Ehre. "Hamilton war an diesem Sonntag in Istanbul der beste Fahrer seiner Generation", schrieb die Zeitung weiter, "der einzige, der fünfzig Runden auf demselben Reifen halten kann, derjenige, der alle anderen um mehr als eine halbe Minute übertraf und einen Stopp weniger machte. Hamilton ist die gute Strategie. Hamilton ist Formel 1."

"Druck ist sein natürlicher Lebensraum"

Die spanische Sportzeitung "Marca" titelte: "Ein Champion für die Geschichte". Sollte jemand Zweifel an der Stärke von Hamilton gehabt haben, sei ihm spätestens in der Türkei klar geworden, dass der Brite "einer der besten in der Geschichte ist". Auf "spiegelglattem Asphalt" sei es in Istanbul einer dieser Tage gewesen, "die eine historische Figur des Motorsports geprägt haben". Warum der Mercedes-Pilot immer und immer wieder gewinnt und sieben Titel einfuhr, wusste das Sportblatt auch: "Druck ist sein natürlicher Lebensraum."

Auf der Online-Seite des französischen Fachmagazins "L'Équipe" prangerte in überdimensionalen Lettern: "Siebter Himmel". Mehr musste dazu nicht geschrieben werden. Die Sportzeitung hob hervor, dass Hamilton diese siebte Weltmeisterschaft mit "Elan" gewann. Im Gegensatz zu seinem ersten Titel im Jahr 2008, "der schmerzhaft in Brasilien erworben wurde", oder im Vergleich zu seinem vierten Titel 2017 in Mexiko, den er sich lediglich mit "einem 'kleinen' neunten Platz" sicherte. Valtteri Bottas, Hamiltons Teamkollege, der als einziger vor dem Start die Krönung das Champions noch hätte verzögern können, kam mit der Strecke aber gar nicht zurecht und fuhr ein katastrophales Rennen. "L'Équipe" beschrieb seine Überrundung durch den Briten sogar als "Demütigung". Der Finne, obwohl im gleichen Auto unterwegs, sei einfach "weit, so weit vom Star Hamilton entfernt".

Dass Hamilton dieses Jahr mal wieder in einer ganz anderen Klasse fuhr, erkannte auch Ferrari-Pilot Sebastian Vettel an, der ihm als erster Gratulant die Hand reichte. "Wir dürfen ihm zuschauen, wie er Geschichte schreibt, das habe ich ihm gesagt", erklärte der Drittplatzierte in der Türkei. "Seine Erfolge werden lange Zeit stehen. Das ist bewundernswert."

Quelle: ntv.de