Formel1

Formel-1-Lehren aus Japan So dominant war nicht einmal Ferrari

imago43380232h.jpg

In Suzuka siegte Valtteri Bottas, in der Fahrer-WM ist Lewis Hamilton kaum noch einzuholen. Zum sechsten Mal in Folge gehen beide Titel an Mercedes.

(Foto: imago images/HochZwei)

Mercedes schreibt beim Großen Preis von Japan Formel-1-Geschichte, Lewis Hamilton kommt Michael Schumacher näher. Ferrari schlägt sich in Suzuka einmal mehr selbst, weil diesmal die Fahrer patzen. Und für den deutschen McLaren-Teamchef brechen endlich wieder bessere Zeiten an. Die Lehren des 17. Saisonlaufs:

Mercedes ist ein Team für die Geschichtsbücher

*Datenschutz

Seit der Einführung der Hybridantriebe zur Saison 2014 ist Mercedes eine Klasse für sich. Mit dem Grand Prix von Japan haben die Silberpfeile seitdem 86 von 117 Rennen gewonnen - auch dank Niki Lauda, der als Team-Aufsichtsrat die Erfolge mitgestaltet hat. Der im Mai im Alter von 70 Jahren verstorbenen Formel-1-Ikone war es nicht mehr vergönnt, den sechsten silbernen Konstrukteurstitel nacheinander mitzuerleben. Laudas Anteil am Erfolg konnten Toto Wolff, Lewis Hamilton und Co. gar nicht hoch genug einschätzen. "Das Kapperl fehlt uns sehr", sagte Motorsportchef Wolff.

Der Lohn ist der sechste Konstrukteurstitel am Stück. Das gelang zuvor nur Ferrari von 1999 bis 2004. Eine Zahl, die die Mercedes-Dominanz unterstreicht: Bei 47 der 117 Rennen seit 2014 belegten die Silbernen die Plätze eins und zwei. Zum Vergleich: Ferrari gelangen von 1999 bis 2004 in 101 Rennen 63 Siege, davon 26 Doppelerfolge.

Hamilton kommt Schumacher vielleicht schon in Mexiko ganz nahe

Die Fahrer-WM wird nur noch zwischen Lewis Hamilton und Valtteri Bottas entschieden. Damit wird zum sechsten Mal nacheinander auch ein Mercedes-Pilot den individuellen Titel holen. In Verbindung mit den sechs Teamtiteln ist das einsame Spitze - nicht mal Ferrari zu Michael Schumachers Zeiten hat das hinbekommen. "Wir werden ihnen gleiche Chancen einräumen und es liegt an ihnen, es auf der Strecke auszufahren", meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff über sein Duo.

Bei 64 Punkten Vorsprung könnte Hamilton schon in zwei Wochen in Mexiko seinen sechsten Titel holen, den fünften mit Mercedes. Dann hätte er nur noch eine WM-Krone weniger als Rekordchampion Michael Schumacher. Gewinnt Hamilton zudem in Mexiko, wäre das sein 83. Rennsieg, Schumachers einstmals uneinholbar geltende Bestmarke steht bei 91 Erfolgen. Der Brite und der Deutsche sind längst eine Klasse für sich: Ob Siege, Pole Positions, Podestplätze oder Führungsrunden - in allen Statistiken führen Hamilton und Schumacher.

Ferrari fehlt immer noch einiges bis zur wahren WM-Attacke

imago43377047h.jpg

Der Crash mit Max Verstappen beschädigte nicht nur den Frontflügel von Charles Leclerc. Der Ferrari-Pilot bekam nach dem Rennen auch noch eine Zeitstrafe aufgebrummt - für den Unfall und weil er mit kaputtem Auto nicht sofort in die Box fuhr.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Um Mercedes 2020 vielleicht als Branchenprimus abzulösen, muss Ferrari noch weitere Anstrengungen unternehmen. "Es kommt auf viele kleine Sachen an", meinte Sebastian Vettel, der auch in seinem fünften Scuderia-Jahr nicht Weltmeister wird, in Suzuka nach einem verschlafenen Start jedoch immerhin Rang zwei verteidigte. "Ich glaube nicht, dass wir härter arbeiten müssen, sondern ich glaube, dass wir besser arbeiten müssen."

Auf allen Ebenen muss Ferrari die Qualität steigern: ob in der Wagenentwicklung, der Strategiearbeit oder der individuellen Fahrleistung. Dass sich Charles Leclerc gleich in Kurve eins den Frontflügel und damit die Siegchance kaputt fuhr, passte in die Reihe der Enttäuschungen. Die Scuderia macht sich zu oft selbst das Leben schwer.

McLaren hat sich zur vierten Kraft entwickelt

Andreas Seidl ist der einzige deutsche Teamchef in der Formel 1, seit dem 1. Mai ist er der Boss beim ehemaligen Weltmeister-Rennstall McLaren. Und der Passauer hat sich seinem Team zur vierten Kraft entwickelt. Nach dem fünften Platz des Spaniers Carlos Sainz ist die Zuversicht groß, dass dieser wegen der Prämien so millionenschwere Rang auch bis zum Saisonende gehalten werden kann. Renault um Nico Hülkenberg liegt 34 Punkte zurück und muss sogar wegen einer angeblich illegalen Bremsbalance-Verstellung um die Suzuka-Punkte bangen.

2021 bekommt McLaren, das nach den bisweilen desaströsen Honda-Jahren derzeit von Renault beliefert wird, auch noch Mercedes-Motoren. Dann will Seidl mit seinem Rennstall den Abstand zur Spitze weiter schließen. Dazu soll auch Lando Norris beitragen. Der 19-jährige F1-Neuling fährt im Qualifying oft auf dem Niveau von Sainz, fällt in den Rennen aber (noch) etwas ab.

*Datenschutz
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, tsi/dpa

Mehr zum Thema