Formel1

Fünf Fragen, fünf Antworten Was erwartet Vettel bei Aston Martin?

Wie gut ist Aston Martin mit Sebastian Vettel? Was bedeutet der Wechsel des Ex-F1-Weltmeisters für die Mercedes-Dominanz? Was wird aus Nico Hülkenberg und Mick Schumacher? Und worauf muss Ferrari sich einstellen? Außerdem geht es um den Pechvogel der Saison 2020.

Was ist von Vettel im Aston Martin zu erwarten?

"Wir können von Sebastian Vettel erwarten, dass er nächstes Jahr auf dem Podium ist", sagt ntv-Experte Felix Görner. Das wäre ein deutlicher Fortschritt gegenüber der laufenden Saison, in der bislang ein sechster Rang das beste Ergebnis für den deutschen Vierfach-Weltmeister ist. Der selbst sagte nach Bekanntwerden seines Wechsels zum Racing-Point-Nachfolger Aston Martin: "Ich will an der Spitze des Feldes und nicht am Ende des Feldes fahren." Mit der Scuderia ist der 33-Jährige dem Letzten derzeit meist deutlich näher als dem Ersten.

Görner geht sogar noch weiter: "Vielleicht holt er sogar ein paar Siege rein. Dann nämlich, wenn das Werksteam Mercedes schwächelt." Der vielfache Konstrukteurs-Weltmeister hat zuletzt etwa beim Großen Preis von Italien in Monza gepatzt, Pierre Gasly im Alpha Tauri, Carlos Sainz - der Nachfolger von Vettel im Ferrari - sowie Lance Stroll im Racing Point nutzten das aus und fuhren aufs Podium. Nicht erst da zeigte sich: Das Auto von Racing Point, an dem sich zur kommenden Saison nur wenig Grundlegendes ändern wird, ist schnell, sehr schnell.

"Besonders der starke Motor und ein gut ausbalanciertes Auto werden dafür sorgen, dass Vettel vorne mitfährt", ist Görner sicher. Auch Ex-Rennfahrer Ralf Schumacher erwartet, dass Vettel bei Aston Martin noch einmal ein Sprung nach vorn gelingt: "Ich könnte mir vorstellen, dass er mit dem Fahrverhalten dieses Autos deutlich besser zurechtkommt. Und das Auto ist derzeit unumstritten das deutlich bessere Paket als der von Ferrari", sagte er bei Sky.

Görner glaubt an Vettel: "Meine Prognose: Er wird auf jeden Fall besser sein als Ferrari, was für ihn natürlich eine Riesengenugtuung sein wird nach dieser sehr schmerzlichen Trennung und diesem Desaster-Jahr. Es wird wichtig für ihn sein, dass er zeigen kann, dass es von Ferrari ein Fehler war, ihn auszutauschen."

Bekommt Mercedes endlich einen Herausforderer?

Konstrukteurs-Weltmeister 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 und sehr sicher auch 2020. Dazu stellt Mercedes den Fahrer-Weltmeister ebenfalls seit 2014, fünfmal ist es bislang Hamilton, einmal Nico Rosberg, - die Silberpfeile sind die Macht in der Motorsport-Königsklasse. Viele langweilt die krasse Überlegenheit, sie wünschen sich mal wieder einen anderen Sieger. Zuletzt versuchte der Motorsport-Weltverband das Team sogar durch eine Regeländerung zu bremsen. Der "Party-Modus", der es bis zum Großen Preis von Belgien in Spa erlaubte, kurzfristig mehr Benzin zu verbrennen und damit mehr Leistung zu erzeugen, ist seit Monza verboten.

Die Hoffnungen erfüllten sich nicht - im Gegenteil: Im Qualifying fuhr Hamilton weiter einsam vorneweg. Und witzelte anschließend sogar: "Ich glaube, wir hatten nie einen Party-Modus. Das hat sich irgendjemand ausgedacht. Süffisant fügte er dazu: "Wer weiß überhaupt, ob wir diesen Modus in Spa noch verwendet haben?" Dass das Rennen nicht mit einem Mercedes-Sieg endete, lag dann aber mehr am chaotischen Rennverlauf als am Leistungsabfall des Rennstalls. Teamchef Toto Wolff wird also nicht starr vor Schreck werden, nur weil Vettel künftig im Aston Martin sitzt.

"Mercedes wird nur dann Konkurrenz bekommen, wenn Red Bull und Honda noch eine Schippe drauflegen mit ihrem Ausnahmetalent Max Verstappen", meint Görner. "Er ist als einziger in der Lage, in die Liga von Lewis Hamilton reinzufahren." Sein Tipp: Racing Point mit Vettel sowie die beiden McLaren mit Daniel Ricciardo und Lando Norris haben immerhin Chancen aufs Podest - um den Titel kämpft aber höchstens Verstappen mit.

Was wird jetzt aus Nico Hülkenberg?

Sergio Perez ist so etwas wie der Pechvogel der Saison. Am Mittwoch musste er sein Aus bei Racing Point bekannt geben, wovon nun Vettel profitiert. Schon zuvor, Anfang August, war er als erster und bislang einziger Formel-1-Pilot mit Covid-19 infiziert und verpasste daher die zwei Rennen in Silverstone. Gut für Nico Hülkenberg, der überraschend einspringen durfte. Der 32-jährige Deutsche konnte sehr spontan sein Comeback in der Formel 1 geben - und überzeugte durchaus. Im ersten Rennen verhinderte ein kaputtes Auto zwar den Rennstart, im zweiten Grand Prix aber fuhr er auf Platz sieben. Ein Erfolg, der nicht zuletzt wohl auch ihm Hoffnungen machte, wieder in die Königsklasse zurückkehren zu können.

Formel-1-Direktor Ross Brawn hatte sich für ihn stark gemacht, er wünsche ihm einen festen Platz in der Formel 1. Hamilton gratulierte frech: "Nicht schlecht für einen Rentner." Verstappen sagte: "Ich hoffe, dass ihm das was bringt für nächstes Jahr." Hülkenberg selbst bestätigte, dass es Gespräche mit zwei Rennställen gebe. Einer davon sei Alfa Romeo, gab er im Podcast F1 Nation bekannt. Der zweite aber? Womöglich Racing Point, wo er ja schließlich eingesprungen war?

Spätestens jetzt hätte sich dies zerschlagen. Statt Hülkenberg wird es Vettel sein, der 2021 ins Cockpit steigt. Alfa Romeo hat zwar noch keinen Fahrer für die kommende Saison bestätigt, dennoch sagt ntv-Experte Görner: Für Hülkenberg könnte sich eine Möglichkeit bei Haas ergeben. "Alle anderen Türen sind jetzt zu."

Wo bekommt Mick Schumacher die Chance auf einen Platz in der Formel 1?

Vieles deutet darauf hin, dass Mick Schumacher das Cockpit von Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen einnimmt, sagt Görner: "Das verdichtet sich immer mehr, dass Mick seine Karriere in der Formel 1 an der Seite von Antonio Giovinazzi bei Alfa Romeo beginnt." Der Sohn des Rekord-Weltmeisters hat längst bewiesen, dass er nicht aufgrund seines großen Namens zum Ferrari-Nachwuchsprogramm gehört und Kandidat für die Königsklasse ist. In seiner zweiten Formel-2-Saison ist er derzeit der stärkste Fahrer des Feldes, fuhr fünfmal in Folge aufs Podium und siegte im Hauptrennen in der Ferrari-Hochburg in Monza.

"Was wir nächstes Jahr mit ihm vorhaben, werden wir sehr bald mit ihm besprechen", erklärte Mattia Binotto im August. Nach Informationen von RTL/ntv soll der 21-Jährige noch in dieser Saison bei einem Freitagstraining zum Einsatz kommen - vermutlich bei Alfa Romeo. Am Rennwochenende in Mugello darf er sogar in einen Ferrari steigen - allerdings in einen 16 Jahre alten, den F2004. Das Weltmeister-Auto seines Vaters Michael war Mick bereits 2019 vor dem Großen Preis von Deutschland gefahren, zur Feier des 1000. Grand Prix der Roten darf er nun auf der Ferrari-Heimstrecke erneut einige Runden drehen.

Mit seinen starken Leistungen im F1-Unterbau hat sich Schumacher bereits jetzt eine starke Position erarbeitet, wenn es darum geht, welchen jungen Fahrer die Scuderia befördert und - wie zuvor Giovinazzi und Charles Leclerc - beim Kundenteam Alfa Romeo bzw. dessen Vorgänger Sauber unterbringt. Das gilt allerdings auch für seine Konkurrenten im Kampf um den F2-Titel, Callum Ilott und Robert Shwartzman, die ebenfalls der Ferrari-Akademie angehören. Wenn Schumacher sein Formhoch bestätigt, führt aber wohl kein Weg an ihm vorbei.

Wie geht's weiter mit Ferrari?

"Die Ferrari-Zukunft ist nicht rot oder rosarot oder dunkelrot wie hier an diesem Wochenende in Mugello, sondern die ist schwarz." So knallhart urteilt Görner. Seine Begründung: "Das Auto ist eine rote Gurke, es wird in der kommenden Saison höchstens minimal verbessert sein. Das heißt, der Motor wird vielleicht ein paar PS mehr bekommen, aber auch nicht viele, sodass man weiter hinterher zuckelt." Neben dem neuen ersten Mann Charles Leclerc wird ab 2021 Carlos Sainz in den Ferrari steigen. Der Spanier wechselt von McLaren zu den Italienern. Ob das eine gute Entscheidung war? Für Görner ist klar: Mehr als den Kampf um Platz vier bis sechs kann das "Mittelklasse-Team" nicht angehen. Und nicht einmal das sei sicher.

In dieser Saison ist die Scuderia ohnehin chancenlos. Für Vettel dürften sich also für die kommenden Rennen keine großen Erfolge mehr ergeben. Laut Teamchef Mattia Binotto hat der Rennstall falsch getüftelt, man habe auf den Vorsprung beim Motor gebaut, "den wir heute nicht mehr haben". Er beklagte: "Wir haben ein Auto aufgrund eines Vorsprungs entwickelt, der verschwunden ist." Allerdings: Es war wohl ein unlauterer Vorsprung, einer, den der Motorsport-Weltverband Fia kassierte. Das "Ferrari-Gate" hatte die Konkurrenz erzürnt, der Antrieb von 2019 sei illegal, hieß es. Seit Februar gibt es eine Vereinbarung zwischen der Fia und der Scuderia, was darin steht, ist unklar. Allerdings ist der Motor seitdem auf wundersame Weise eklatant ins Stottern geraten.

Etwas, das Vettel als volle Breitseite abkriegt. Und dann folgte auch noch die für ihn ebenso überraschende wie bittere Entscheidung, seinen Vertrag nicht zu verlängern. "Das war natürlich ein Schock", hatte Vettel gegenüber RTL/ntv gesagt. Nun immerhin verabschiedet sich Ferrari respektvoll vom 33-Jährigen: "Wir sind froh, dass du auch im nächsten Jahr dabei sein wirst! Lass es uns beenden, indem wir gemeinsam unser Bestes geben", twitterte die Scuderia. Allerdings, meint Ralf Schumacher bei Sky, gebe es ein anderes Detail zu beachten: "Bei Ferrari wird man ihn jetzt zunehmend ausschließen, was das Thema Weiterentwicklung betrifft, um zu vermeiden, dass irgendwelche Informationen weggehen."

Quelle: ntv.de