Fußball-EM

Drei jaulende Kätzchen Die Trottel von der Regeninsel

England und Fußball - das passt. Nennen die Briten doch die wohl rasanteste Liga und die leidenschaftlichsten Fans Europas ihr Eigen. Noch dazu nehmen sie für sich in Anspruch, das Spiel erfunden zu haben. Mag sein. Doch die ruhmreichen Zeiten sind vorbei. Leider.

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Eigentlich alles tolle Fußballer, die Jungs von Team England.

(Foto: imago/Xinhua)

Ruhm, Kampf und Leidenschaft: Dafür könnten die drei Löwen auf der Brust der englischen Nationaltrikots stehen. Zumindest symbolisieren die stolzen Raubkatzen das Selbstverständnis von Spielern und Anhängern der "Three Lions" vor jedem großen Fußballturnier. Und auch in den Jahren dazwischen.

Tatsächlich hat der Fußball der englischen Nationalmannschaft jahrzehntelang für viel Freude gesorgt. Und großes Drama. Auch wenn der Erfolg überschaubar blieb. Aber zumindest Herz und Leidenschaft waren stets ein Pfund, mit denen die Raubeine, Könner und Exzentriker von der Regeninsel wuchern konnten. Doch auch damit war es irgendwann vorbei. Spielerisch hatte England schon lange den Anschluss verloren.

Desto größer waren die Hoffnungen in ein neues, hungriges und spielstarkes England. Und tatsächlich schien sich diese in den ersten drei Begegnungen der Europameisterschaft zu erfüllen. Okay, die Tore fehlten. Aber ansonsten konnte man vor dem extrem schnellen und druckvollen Kombinationsfußball der Exil-Europäer den Hut ziehen. Bis gestern.

Denn im Spiel gegen Island war plötzlich wieder alles da, was man so gar nicht vermisst hat: die Ideenlosigkeit, die mangelnden technischen Fähigkeiten, die Mutlosigkeit, die Kampflosigkeit, die Pomadigkeit. Die Engländer mutierten innerhalb der 90 Minuten von brüllenden Löwen zu jaulenden Kätzchen, die bestenfalls zu minderwertigen Bettvorlegern in zugigen Wikingerhütten taugten.

Ist England also nur noch eine Lachnummer? Ja, für den Moment unbedingt. Es darf gespottet und gelacht werden ob dieser Vorstellung. Sozusagen als Gratiszugabe im teuer erkauften Gesamtpaket Profifußball. Die verdiente Tracht Prügel übernehmen dann die britischen Medien. Aber damit soll es dann aber auch gut sein. Dann ist es an der Zeit, sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen und die insgesamt positive Vorstellung der englischen Mannschaft anzuerkennen.

Denn manchmal läuft es einfach nicht. Da will einfach nichts mehr gelingen, obwohl alle Voraussetzungen und Fähigkeiten vorhanden sind. Im wirklichen Leben hat man in aller Regel die Zeit, eine derartige Phase zu überwinden und die daraus resultierenden Fehler zu korrigieren. Im Fußball ist diese begrenzt. Das macht den Reiz des Sports aus. Deshalb sollte sich auch mit allzu großer Schadenfreude zurückgehalten werden. Denn auch Engländer sind nur Menschen. Stattdessen sollte man ihnen dafür dankbar sein, dass sie diese Lehrstunde in der Psychologie des Versagens übernommen haben. 

Und irgendwann, da brüllen sie dann auch wieder, die drei englischen Löwen. Versprochen.

Quelle: n-tv.de

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