Fußball-EM

Ausnahmezustand zum EM-Auftakt Paris wird zur riesigen Fußball-Festung

c81b96b3123428fc5191584d096d6946.jpg

Ganz Europa erinnert sich schmerzlich an den vergangenen 13. November - Frankreich tut alles dafür, die Sicherheit während der EM zu gewährleisten.

(Foto: dpa)

Die Terrorangst geht um, doch der Gastgeber scheint bereit: Das Eröffnungsspiel im Stade de France wird zur ersten Bewährungsprobe für die Sicherheitsmaßnahmen während der Fußball-Europameisterschaft. Und die sind enorm.

Die Polizisten stehen mit Maschinengewehren an den großen Metro-Stationen, um das Stade de France ziehen sich zwei Sicherheitsringe, am Eiffelturm patrouillieren Spezialagenten, die aussehen wie normale Fans. Angesichts der größten Bedrohung, der sich der Fußball jemals stellen musste, gleicht Paris zum Auftakt der Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) einer Festung.

"Wir haben alles getan", sagte Jacques Lambert vor dem Eröffnungsspiel des Gastgebers und Rumänien (21.00 Uhr/live im Ticker auf n-tv.de) vor den Toren der Millionen-Metropole in St. Denis. Die Aussage des EM-Organisationschefs, sie gleicht denen der Behörden, der Geheimdienste, der Regierung: Frankreich ist bereit! Der Terror wird bekämpft!

*Datenschutz

"Es gibt keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohung für spezifische Spiele oder Stadien bei dieser Europameisterschaft", sagte Lambert: "Wir mussten einige unserer Pläne umstellen oder überdenken und mit der französischen Regierung zusammenarbeiten, um so die professionellsten und besten Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können." Der Aufwand ist enorm.

Mehr als 90.000 Sicherheitskräfte sollen das Risiko rund um die zehn Arenen im ganzen Land und beim Public Viewing so gut es geht minimieren. Allein in Paris sind 13.000 stationiert. Die Regierung hat bis nach dem Ende der Tour de France (2. bis 24. Juli) den Ausnahmezustand verhängt. Das Bild der "Stadt der Liebe" hat sich verändert.

Fanmeilen gelten als "Soft Targets"

Am Wahrzeichen der Hauptstadt ist die Fanzone, in der bis zu 92.000 feiernde Zuschauer die Spiele verfolgen können, hermetisch abgeriegelt. Wer rein will, muss lange warten - und durch Kontrollpunkte gehen, die jedem Flughafen Konkurrenz machen. Am Donnerstagabend eröffnete Weltstar David Guetta die Partymeile. "Wir gehen ganz auf Nummer sicher. Jede Tasche wird durchsucht, das gesamte Gelände umzäunt", sagt Frankreichs Premier Manuel Valls, der die größte Sorge vieler Besucher kennt. Denn die Fanmeilen, für deren Sicherheit 24 Millionen Euro ausgegeben werden, gelten als sogenannte "Soft Targets", weiche Ziele also, die schwer zu kontrollieren sind. Bricht hier eine Panik aus, droht eine Katastrophe.

"Wir alle wissen, was in Frankreich und Europa vor sich geht. Dem mussten wir uns stellen", sagte Lambert. Bei den Anschlägen von Paris im vergangenen Jahr wurden 130 Menschen ermordet und Hunderte weitere teils schwer verletzt. Der schwarze 13. November 2015 änderte alles. Staatspräsident Francois Hollande vermittelte, dass es "diese Bedrohung für eine lange Zeit geben" werde. Nationalspieler Jerome Boateng würde deshalb auch den EM-Titel zunächst ohne seine Familie feiern. "Das Risiko ist mir einfach zu groß", sagte der Bayern-Star Sport Bild: "Ich für meinen Teil will mich bei der EM allein auf Fußball konzentrieren können, und da fühle ich mich einfach wohler, wenn meine Familie nicht im Stadion sitzt."

Nachrichten wie vom Montag, als die Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen mit zwei Panzerfäusten, fünf Maschinengewehren und 125 kg Sprengstoff im Gepäck an der ukrainischen Grenze bekannt wurde, schüren Angst. Der Franzose hatte in seinem Heimatland 15 Anschläge geplant. Was die Sicherheitskreise im Vorfeld noch verhindert haben, ist unbekannt.

Quelle: n-tv.de, Jan Mies, sid

Mehr zum Thema