Fußball-EM

Die einprägsamsten Drama-Momente Zaza vertänzelt, Kimmich brüllt, Hector staunt

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Joshua Kimmich verwandelt sicher - und zeigte es.

(Foto: imago/Jan Huebner)

War der Nervenkrieg von Bordeaux, der historische Erfolg der DFB-Elf gegen Italien das dramatischste Elfmeterschießen einer Europameisterschaft? Vielleicht. Auf jeden Fall war es das facettenreichste. Diese Momente haben sich eingeprägt.

Zazas Trippeltanz

Der Italiener Simone Zaza kam in der 120. Minute für Abwehrroutinier Giorgio Chiellini ins Spiel, was dafür spricht, dass seine einzige Aufgabe war, einen Elfmeter zu verwandeln. Als zweiter seines Teams lief er an, ganze 17 Mal trippelte er in Richtung Punkt, wartete ab – und drosch den Ball über die Latte. Vertänzelt. Und verspottet (siehe Video).

Pellès Lupferankündigung

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Mesut Özil hat seinen Elfer grade an den Pfosten gesetzt, nun kommt Graziano Pellè an den Punkt. Er zeigt auf Manuel Neuer und zeigt dem deutschen Torwart an: Ich werde lupfen. Neuer lässt sich nicht beirren und taucht in die richtige, von ihm aus gesehen rechte Ecke des Tores ab. Doch Pellè schiebt den Ball ohnehin ohne Druck mit der Seite am Pfosten vorbei.

Schweinsteiger fast wie Hoeneß

Als Bastian Schweinsteiger antritt, ist der triumphierende Ton von Fernsehkommentator Steffen Simon kaum zu überhören. Es steht 2:2 nach Elfmetern, der DFB-Kapitän ist der letzte reguläre Schütze. Neuer hat kurz zuvor den Schuss von Leonardo Bonucci gehalten, der im Spiel noch getroffen hatte. Schweinsteiger, der Weltmeister, der Routinier, der Anführer, kann Deutschland ins Halbfinale schießen - und bolzt den Ball auf die Tribüne von Bordeaux - wie Uli Hoeneß bei der EM 1976 in den von Nachthimmel von Belgrad. Der Unterschied: treffen die nachfolgenden Kollegen von Schweinsteiger, kann es die DFB-Elf weiterhin schaffen.

Kimmichs Gebrüll

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Gianluigi Buffon (oben), überwunden von Jonas Hector.

(Foto: dpa)

Weil die fünf Versuche je Mannschaft keine Entscheidung gebracht haben, geht auch das Elfmeterschießen in die Verlängerung. Joshua Kimmich, mit 21 das Küken auf dem Platz, hat nur eine Handvoll Länderspiele und muss treffen. Italien hatte vorgelegt. Er verwandelt souverän. Kimmich brüllt seine Freude heraus und ballt die Fäuste. Als der nächste Schütze Mattia De Sciglio wenige Meter an ihm vorbei in Richtung Strafraum geht, brüllt Kimmich dem Italiener ins Gesicht. Bundestrainer Joachim Löw wechselt ein paar Worte mit Co-Trainer Marcus Sorg, beide lächeln erfreut.

Hector schnauft durch

Manuel Neuer hält den neunten italienischen Elfmeter, geschossen von Matteo Darmian. Nun kann Jonas Hector alles klar machen. Noch nie in seiner Zeit als Fußballprofi hat der Kölner Verteidiger in einer Partie es überhaupt vom Punkt versucht. Hector schaut kurz in Richtung Buffon, lässt einen Atemstoß durch die Lippen und läuft an. Der Ball rutscht flach unter der italienischen Torwartlegende in die rechte Ecke des Tores. Hector lacht etwas ungläubig und joggt in Richtung Spielertraube. Er feiert kurz, dann geht er über den Rasen und beobachtet die Szenerie wie ein staunender Junge.

Kroos cool

Toni Kroos war als erster angetreten und hatte sicher getroffen. Als Hector, siebzehn Schützen später, den entscheidenden Elfer verwandelt, steht der deutsche Mittelfeldlenker in der Mitte des Platzes. Er reißt nicht die Arme hoch. Er jubelt auch nicht mit den anderen - sondern schüttelt erst einmal ungläubig den Kopf. Als könne er es nicht fassen. Hat es tatsächlich so lang gedauert, die deutsche Überlegenheit der regulären Spielzeit und der Verlängerung in den historischen Erfolg zu verwandeln?

Quelle: ntv.de