Fußball

Die Lehren des 21. Spieltags BVB-Jubel trügt, FC Bayern in eigener Liga

Weil die Fußball-Bundesliga langweilig ist, sollte sich der FC Bayern neue Gegner suchen - seiner Verfolgerchen zuliebe. Tabellenplatz zwei ist offenbar unbeliebt. Beim BVB läuft trotz neuer Euphorie längst nicht alles rund.

Wie der FC Bayern die Liga erlösen könnte

Wir haben da mal einen Vorschlag, wie der Bundesliga-Meisterschaftskampf wieder spannend werden könnte. Ignorieren kann man den FC Bayern ja nicht so einfach. Er ist eben nun mal dort, wo er ist - an der Spitze, ganz oben, weit enteilt, mittlerweile vermutlich chronisch gelangweilt, nicht zuletzt nach dem ungefährdeten, wenn auch etwas schludrigen 2:0 beim 1. FSV in Mainz. Da es keine Verfolger gibt, beträgt der Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Leverkusen nun 18 Punkte. Was also tun? Die Münchner aus allen Wertungen herausrechnen - wie in der Vorschau auf diesem 21. Spieltag vorgeschlagen - ist auf Dauer nix. Den Rest der Liga besser machen? Entschuldigung, dieses Kunststück können wir nicht bewältigen.

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Läuft: für Rafinha, Franck Ribéry und den FC Bayern.

(Foto: imago/Eibner)

Bleibt also nur eins: Der FC Bayern gründet seine eigene Liga. Je nach politischer Situation - ja, Fußball ist politisch - könnte der FC Barcelona schnell mit einsteigen. Dann möchte vielleicht auch noch der eine oder andere Klub aus dem Baskenland teilnehmen und schon gibt's da einen wunderbaren Kampf. (Ideen für Namen und Logos bitte an sport@nama.de.) Und die Bundesliga hätte endlich wieder Ruhe. Ruhe vor penetranten Nörglern, die immer alles schlechtreden.

Wie Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz, der die Versäumnisse der Verfolgerchen bemängelt. Natürlich alles Quatsch von uns, der gute Mann hat völlig recht, wenn er im "Doppelpass" sagt: "Viele Vereine sind blauäugig, das Niveau ist insgesamt schwach. Es wird vieles schöngeredet." Und Bruno Hübner, Sportdirektor der Frankfurter Eintracht, bekennt, dass der fehlende Wettbewerb "für die Liga nicht gut" sei. Und die Bayern? Ziehen auf dem Weg zu sechsten Meisterschaft hintereinander ihre Kreise. Innenverteidiger Mats Hummels sagte in Mainz: "Noch 13 Spiele, wir haben quasi 6 Spiele Vorsprung. Das ist eine dreihundertprozentige Chance auf den Titel."

Kein Klub will Zweiter sein

Fußballer sind oft abergläubisch. Immer den gleichen Schuh zuerst anziehen, stets mit demselben Fuß zuerst auf den Rasen treten, einstudierte Jubelposen nach einem Tor. Seit dieser Saison gibt es einen besonderen Grund für Aberglauben - ein Fluch liegt auf Tabellenplatz zwei. Kein Klub, der unmittelbar hinter den Überbayern rangiert, gewinnt. Nun gut, keine Regel ohne Ausnahme: Leverkusen durchbrach den Fluch am vergangenen Spieltag. Ein kurzfristiges Lebenszeichen; als weiterhin Tabellenzweiter entführten sie nun schließlich nur einen Punkt aus Freiburg. Die Chance hätte der FC Schalke nutzen können, um wieder auf eben jenen Platz zwei vorzurücken - stattdessen verloren die Gelsenkirchener mit 1:2 gegen Abstiegskandidat Werder Bremen. Das hätte Eintracht Frankfurt am Sonntagnachmittag nutzen können - stattdessen verlor die Mannschaft mit 0:3 beim damit ebenfalls oben aufgerückten FC Augsburg. Platz zwei scheint gar nicht so beliebt.

Oder ist es ganz anders? Ist die Bundesliga nicht vielmehr die spannendste Liga, weil jeder fast jeden - die Ausnahme kommt natürlich aus München - schlagen kann? Damit wären wir flugs wieder bei der Diskussion mit den Herren Strunz und Hübner. Und mit Hans Meyer. Das Präsidiumsmitglied der Mönchengladbacher Borussia nämlich beschwerte sich in der Runde über die öffentliche Betrachtung der Klubs hinter dem FC Bayern. Sein Argument: Es drängen sich viele Vereine im gleichen Punktebereich, "die um Stabilität ringen und mit Bemühen dabei sind, eine Mannschaft aufzubauen". Recht hat er: Aufsteiger Hannover 96 hat vermutlich überhaupt keine Zukunftspläne, in denen das Wort Meisterschaft vorkommt, mit 30 Punkten ist der Tabellen-Neunte aber auch nur fünf Punkte von Platz zwei entfernt. Spannend, wie eng es im Kampf um die internationalen Plätze es ist, werden die Optimisten sagen. Spannend, wie eng es im Kampf gegen den Abstieg ist, dagegen die Pessimisten. Denn weiterhin gilt: Hinter dem FC Bayern ist man dem Abstieg näher als der Meisterschaft. Das gilt auch für den ungeliebten Platz zwei.

Batsman-Euphorie täuscht den BVB

Was für ein Start! Im ersten Spiel für Borussia Dortmund schießt Michy Batshuayi zwei Tore. Wahnsinn, irre! Wer braucht schon Pierre-Emerick Aubameyang? Stopp: Jubelstürme abschalten, kurz nachdenken - und erinnern: Aubameyang hat sein erstes Ligaspiel für den BVB am 10. August 2013 bestritten. Zum 4:0 beim FC Augsburg steuerte der Gabuner drei Tore bei.

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Aber da der nun weg ist, ist es schön, dass ein neuer Torjäger da ist. Völlig richtig, denn der selbsternannte Batsman aus Belgien ist präsent auf und vor allem neben dem Platz. "Schwarz und Gelb sind meine Lieblingsfarben", sagte der Belgier nach seinem Blitz-Debüt mit einem breiten Grinsen: "Ich mag Batman, ich mag Spongebob. Das passt perfekt, ich musste einfach nach Dortmund kommen." Solche Sätze machen den 24-Jährigen schon zum Social-Media-Phänomen. Eigentlich heißt es ja: Keine Witze mit Namen. Es sei denn, sie kommen vom Betroffenen selbst. Und der inszeniert sich als "Batsman" - ein Wortspiel aus seinem Nachnamen und Batman. Lustig, gell?

Den Dortmundern dürfte dieser Umstand zupass kommen. Täuscht die Euphorie um den Aubameyang-Nachfolger doch darüber hinweg, dass es mitnichten rund läuft. Ja, es gibt ein Leben nah Aubameyang. Es scheint ein Leben mit klassischen Stürmertoren zu sein. Aber es ist auch immer noch ein Leben mit einer mittlerweile schon gewohnt wackligen Defensive. Zuletzt gab es auch ihretwegen lediglich drei Unentschieden (gegen Freiburg, bei der Berliner Hertha und gegen Wolfsburg). Tabellenschlusslicht 1. FC Köln bekam viele Möglichkeiten, glich zweimal aus- und hätte ein Remis letztlich verdient gehabt. So können sie beim BVB nur hoffen, dass die Batshuayi-Euphorie anhält.

RB Leipzig rutscht nach oben

Nachdem er die Rasenballsportler mit seinem Tor am Samstagabend kurz vor dem Ende der Partie bei der Mönchengladbacher Borussia zehn Minuten nach seiner Einwechslung zum Sieg geschossen hatte, sagte Ademola Lookman tags darauf: "Ich hatte die Platzverhältnisse in Deutschland unterschätzt." Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl berichtete: "Ich wollte Mola direkt wieder runternehmen." Und der Sportinformationsdienst dichtete: "Schuhuwabohu"! Was war passiert? Erst am Mittwoch vergangener Woche war der englische U20-Weltmeister Lookman leihweise vom FC Everton aus der Premier League gekommen, da blieb nur Zeit für "zwei Tage Taktik-Crashkurs", wie Hasenhüttl sagte. "Ich habe schon im Training gesagt: So funktioniert das nicht. Aber das waren die einzigen Schuhe, die er aus England mitgebracht hat, und die wollte er nicht ausziehen." So rutschte der offenbar sehr eigensinnige Lookman auf Gumminocken über den nassen Rasen im Borussia-Park – und ins Glück. Die Leipziger stehen wieder auf Platz drei der Tabelle. Und der Neue besitzt mittlerweile auch neue Schuhe, wie am Sonntag beim Training zu sehen war. Himmelblau und schwarz, vor allem aber - mit Stollen.

In Hamburg träumen sie schon wieder

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Träumer: Olaf Scholz.

(Foto: imago/Jens Jeske)

Olaf Scholz hat einen Traum. Nein, es ist nicht der SPD-Vorsitz. Zumindest sagt er das nicht. Auch die Große Koalition scheint das Herz ihn nicht zu bewegen. Nein, Hamburgs Erster Bürgermeister strebt nach Höherem. Er sei zwar kein klassischer Fußballfan. "Trotzdem wäre es einer meiner Wünsche, mit dem HSV im Turmsaal des Hamburger Rathauses eine Meisterschaft zu feiern." Und er "hoffe wirklich, dass ich nicht ewig im Amt bleiben muss, um das noch einmal zu erleben". Vermutlich doch. Eher wird Scholz Finanzminister im neuen Bundeskabinett, als dass er den ersten Titelgewinn des HSV seit 1987 feiern kann. Das mit seinem Traum hatte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt, bevor der Hamburger Sportverein, genannt der große HSV, am frühen Sonntagabend gegen den kleinen HSV, den Hannoversche Sportverein, nur ein mageres 1:1 erreichte. Während die Hannoveraner mit Trainer André Breitenreiter als Aufsteiger mit Platz zehn ganz zufrieden sein dürften, bleiben die Hamburger auch mit Bernd Hollerbach Vorletzter der Tabelle. Und mutmaßlich wird es nicht besser. Am kommenden Spieltag gehts nach Dortmund zum BVB, dann kommt Bayer 04 Leverkusen in den Volkspark und Ende Februar steht das Derby beim Nachbarn in Bremen an. Und nun, Olaf Scholz?

Rote Karte des Tages

Der FC Augsburg statuiert ein Exempel - und zeigt seinem Verteidiger Daniel Opare die Rote Karte. Nicht per Standpauke, nicht per Suspendierung, sondern so richtig. Der Ghanaer wird gleich ganz rausgeschmissen. Der Spieler soll sich bitteschön einen neuen Verein suchen, macht Manager Stefan Reuter unmissverständlich klar. "Daniel Opare hat uns bewusst und trotz der Konfrontation mit Fakten wiederholt belogen. Des Weiteren hat er mehrfach gegen den Verhaltenskodex innerhalb der Mannschaft verstoßen", sagt er zur Begründung. Eigentlich wollte der Klub den auslaufenden Vertrag mit dem 27-Jährigen verlängern. Aber nix da, Opare hat es sich verscherzt. Vorfälle in der Kabine, auf dem Trainingsplatz, ein Treffen mit Schalke-Verantwortlichen und "die Krönung war, dass der Spieler und sein Bruder, der ihn aktuell berät, Lügengeschichten erzählt haben", sagt Reuter.

Man stelle sich mal vor, das fände Nachahmer. Pierre-Emerick Aubameyang benimmt sich daneben, weil er gern zum FC Arsenal wechseln will? Und schon wird er nach Ablauf der Transferfrist auf die Straße gesetzt. Mhmm, irgendwie nicht so richtig vorstellbar. Aber im Kleinen möchte sich Borussia Dortmund offenbar schon ein Beispiel an den Augsburgern nehmen. Wer seinen Transfer zu erzwingen versucht, dem drohen laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke harte Konsequenzen. "Am Donnerstag habe ich der Mannschaft klipp und klar gesagt: Der nächste Spieler, der so etwas macht, wird kläglich scheitern. Der bekommt ein riesengroßes Problem", sagte Watzke der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und ergänzte: "Der nächste Spieler, der versucht, uns unter Druck zu setzen, indem er Leistung zurückhält oder gar streikt, wird damit nicht durchkommen - und auf der Tribüne sitzen." Das wäre doch was, wenn da alle Klubs ligaübergreifend mitmachten. Schöne heile Welt.

Quelle: n-tv.de

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