Fußball

Nicht nur finanziell hakt es Barça hat wegen Messi noch gewaltig Stress

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Beim FC Barcelona dreht sich alles um Lionel Messi.

(Foto: picture alliance / DPPI media)

Lionel Messi ist offenbar bereit, doch weiter für den FC Barcelona zu spielen. Doch dafür muss der Klub noch eine Menge Arbeit investieren. Es geht natürlich um Geld, aber nicht nur. Um seinen Superstar zu halten, muss der Weltklub seinen Kader gewaltig ärgern.

Die Zukunft von Fußball-Superstar Lionel Messi beim FC Barcelona ist auch beinahe eine Woche nach dem Ende seines Vertrages weiter ungewiss. Geld, Gehalt, Steuern und auch das Financial Fairplay sollen Medienberichten zufolge die Knackpunkte für einen neuen Deal sein. Der 34 Jahre alte Argentinier schweigt sich seit Dezember 2020 über seine Zukunft aus und glänzt bei der Copa Americana im fernen Südamerika.

Die spanische Sportzeitung "Marca" weist auf die Vorgaben der Liga zum finanziellen Fairplay hin. Das sei angesichts des hohen Gehalts für Messi - auch wenn es künftig niedriger ausfallen sollte - ein Stolperstein. Barcelona müsse die Gesamtsumme seiner Gehaltszahlungen reduzieren. Und die Summe, um die es geht, hat es in sich: Rund 200 Millionen Euro muss Barça nach spanischen Medienberichten einsparen, "nur" 347 Millionen Euro darf man in der kommenden Saison an Gehältern zahlen. Und bei den 200 Millionen Euro ist Messis extraordinäres Salär noch nicht mit eingerechnet.

Ligapräsident Javier Tebas hatte schon angekündigt, die Regeln des spanischen Financial Fairplay auch für den FC Barcelona auf seiner Mission, den Superstar in der Liga zu halten, nicht anzutasten. Barcelona-Präsident Joan Laporta hat dafür wenig Verständnis. "Die spanische Liga hat ein viel strengeres Financial Fairplay als andere Ligen", sagte Laporta kürzlich der Zeitung "La Vanguardia". "Ich hoffe, dass jeder seinen gesunden Menschenverstand einsetzt und sie uns, wenn wir eine endgültige Einigung erzielen, erlauben können, Leo zu registrieren." Durch die horrenden Verluste, die die Klubs während der Pandemie gemacht haben, sind die Vorgaben zu Gehaltsobergrenzen des Verbandes streng. Alleine Barça hat nach Angaben von "Sport" in einem Jahr 580 Millionen Euro Verlust eingefahren.

Barça kann dreigleisig vorgehen

Klar ist: Barça muss Spieler loswerden. Junior Firpo geht schon für 15 Millionen Euro nach Leeds und Francisco Trincao wechselt auf Leihbasis zu Wolverhampton in die Premier League. Auch Matheus Fernandes, Konrad de la Fuente, Jean-Clair Todibo und Juan Miranda haben den Verein bereits endgültig verlassen. Martin Braithwaite, Clement Lenglet oder Carles Alena stehen ebenfalls zur Disposition. Dazu will man Samuel Umtiti, Philippe Coutinho und Miralem Pjanic loswerden, laut der katalanischen Zeitung "Mundo Deportivo" im Notfall auch ablösefrei. Alle drei sind Gutverdiener, Umtiti soll 20 Millionen Euro jährlich verdienen, Coutinho sogar 28 Millionen Euro. Gewaltige Gehälter, sie einzusparen würde jedoch nicht dafür sorgen, die anvisierten 200 Millionen Euro zu erreichen.

In Spanien gilt es deshalb längst nicht mehr als ausgeschlossen, dass es auch noch Abgänge aus der Riege der Topstars geben könnte: Antoine Griezmann, Sergio Busquets und Jordi Alba werden unter anderem von "Sport" als Spitzenverdiener im Kader genannt, die möglicherweise für einen neuen Messi-Vertrag geopfert werden könnten. Ousmane Dembélé könnte ebenfalls ein Kandidat sein. Aber der ist mal wieder verletzt. Auch der deutsche Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen ist ein potenzieller Verkaufskandidat.

Eine weitere Option, um den für die Messi-Verlängerung dringend nötigen Handlungsspielraum zu schaffen, ist es, dass der Klub seine hochbezahlten Fußballangestellten von einem Gehaltsverzicht für die sportlich gute Sache überredet. 357 Millionen Euro schüttete der FC Barcelona alleine in der vergangenen Saison an seine Spieler aus, Hochkaräter wie Gerard Piqué, Jordi Alba, Sergi Roberto, Sergio Busquets, Antoine Griezmann oder Dembélé beziehen horrende Gehälter.

Die Spieler hatten jedoch schon in der vergangenen Saison deutlichen Gehaltsabstrichen zugestimmt: Ende März hatte Messi stellvertretend erklärt, dass die Mannschaft auf 70 Prozent ihrer Bezüge verzichten werde. Darüber hinaus hatten die Spieler Geld zur Verfügung zu stellen, damit die Angestellten des katalanischen Vereins weiterhin ihre vollen Gehälter bekommen. Um den Vorgang war ein großer Streit entbrannt: Messi hatte kritisiert, dass von der Vereinsführung offenbar starker Druck ausgeübt worden sein soll. "Es ist überraschend, dass versucht wurde, uns unter gewaltigen Druck zu setzen, um etwas zu tun, was wir ohnehin getan hätten", erklärte der sechsmalige Weltfußballer damals. Nichtsdestotrotz signalisierten jedoch schon einzelne Spieler, dass sie unter Umständen bereit seien, erneut auf Geld zu verzichten.

Frisches Geld brächte auch ein Verkauf von 50 Prozent der Barça Corporate: Rund 500 Millionen Euro ließen sich wohl mit dem Abstoßen von Anteilen am Barça-Konzern erlösen. Das hätte gleich zwei positive Effekte. Denn neben dem Geldfluss ergebe sich auch ein größerer Handlungsspielraum für künftige Geschäfte: "Die Gehaltsobergrenze bezieht sich auf die Einnahmen in einem Jahr abzüglich der strukturellen Ausgaben. Das sind alle Ausgaben, die nicht direkt mit der sportlichen Seite des Unternehmens zu tun haben", erklärt "Sport". "Zum Beispiel Sponsorenverträge, Dauerkarteneinnahmen, Fernseheinnahmen und Preisgelder etc… Auf diese Weise würde Barças Gehaltslimit steigen und sie könnten Messis Vertragsverlängerung auf den Weg bringen."

Nicht nur finanzielle Probleme

Doch das Geld, es wird überall gebraucht: Im Januar hatten Medien berichtet, dass der katalanische Renommierklub viel tiefer in den Roten Zahlen steckt als befürchtet. Die Gesamtschulden des Vereins sollen sich Medienberichten zufolge für den Abrechnungszeitraum 2019/2020 auf den schwindelerregenden Betrag von 1,17 Milliarden Euro belaufen. Davon seien 730,67 Millionen Euro kurzfristige Verbindlichkeiten, schrieb die Sportzeitung "AS". Verluste durch die Corona-Krise sowie in vergangenen Jahren teuer eingekaufte Spieler und horrende Spielergehälter gelten als die Hauptgründe für die hohe Verschuldung. So stehe der FC Barcelona bei anderen Klubs wegen ausstehender Transferzahlungen mit 196 Millionen Euro in der Kreide.

Und die Katalanen haben neben dem Geld noch ein Problem: In Spanien dürfen die Klubs nur 25 Spieler für den Ligabetrieb melden, der Kader ist derzeit noch zu groß. Selbst ohne Messi. Ein aufgeblähter Kader, der auch noch viel zu teuer ist: Eine Gemengelage, die nach Berichten spanischer Medien dafür verantwortlich ist, dass bisher noch nicht mal die ablösefrei geholten Sommerneuzugänge Memphis Depay, Emerson, Sergio Aguero und Eric Garcia für La Liga gemeldet werden konnten. Doch das ist nur ein Problem mit nachrangiger Priorität. Denn natürlich dreht sich alles um Messi. Präsident Joan Laporta, der erst im März das Chaos des zurückgetretenen Josep Bartomeus übernahm, versichert immer wieder, Messi wolle gerne bleiben. Nun arbeitet man fieberhaft daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Und irgendwann weiß man dann erst, was man Messi nach den Vorgaben des Ligaverbandes überhaupt anbieten kann.

Doch selbst wenn ausreichend Geld zur Verfügung stehe und ein Platz im vollen Kader freigeschaufelt wäre, gebe es noch weitere Probleme rund um einen möglichen Messi-Deal, schreibt "Marca". Messi bestehe darauf, dass steuerrechtliche Fragen geklärt werden. In den letzten beiden Spielzeiten sei vereinbart worden, bestimmte Zahlungen an Messi erst in der Zukunft zu leisten. Es handele sich um enorm hohe Summen.

Sollte der sechsmalige Weltfußballer einen neuen Vertrag beim FC Barcelona unterschreiben, gilt es als wahrscheinlich, dass er nach zwei Jahren in die USA wechseln würde. Messi wolle wissen, wo dann die Abgaben auf diese Nachzahlungen zu entrichten sind: in Spanien oder in den USA? Offen sei auch noch die Frage, wie der durch die Corona-Krise finanziell klamme FC Barcelona Messis Gehalt überhaupt zahlen könne - und vor allem wann und in welchen Raten. Messi verlange hier wasserdichte Garantien. Viel Stress für den FC Barcelona, während sich die anderen Big Player schon in Stellung gebracht haben: "AS" berichtet von einem Angebot Paris Saint-Germains, dass das der Katalanen in jedem Falle deutlich übertreffen werde, egal, wie es am Ende aussieht.

Quelle: ntv.de, ter

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