Fußball

Auch Union macht Europa klar Beim 1. FC Köln geht nach Pleite die Party los

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Steffen Baumgart hatte viel Stress, nun darf er dank Schützenhilfe einen gewaltigen Erfolg bejubeln.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Meister und der Letzte stehen schon fest, dazwischen stehen in der Fußball-Bundesliga noch zahlreiche Entscheidungen an. Nach dem 33. Spieltag ist klar, dass der 1. FC Köln und Union Berlin in der kommenden Saison international spielen werden. Bayer Leverkusen siegt sich in die Champions League.

Greuther Fürth - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)

Julian Brandt hat Borussia Dortmund zur Vize-Meisterschaft geschossen. Der Nationalspieler räumte mit einem Doppelpack gegen Absteiger SpVgg Greuther Fürth letzte theoretische Zweifel an Platz zwei hinter Dauerchampion FC Bayern München aus. Für die Dortmunder war der Heim-Abschied von Fürths Trainer Stefan Leitl lange wie ein Sommerkick ohne nötige Schärfe und Tempo, in der Schlussphase des 3:1 (1:0) drehten sie aber auf. Brandt verwertete in der 26. Minute die erste BVB-Chance und stellte nach dem Seitenwechsel die erneute Führung her (72.). Mit seinem ersten Bundesligator ließ Jessic Ngankam (70.) die Fürther Anhänger zwischenzeitlich jubeln. Felix Passlack (77.) erhöhte mit einem abgefälschten Schuss im mit 16.626 Fans ausverkauften Stadion.

Die Borussia um den diesmal torlosen Erling Haaland zeigte nach dem indiskutablen 3:4 gegen den VfL Bochum nur eine klitzekleine Reaktion und gewann durch ihre höhere individuelle Klasse. Die Fürther waren in ihrem letzten Heimspiel ein lange Zeit ebenbürtiger Gegner. Haaland hat schwierige Tage hinter sich. Sein Berater Mino Raiola war am vergangenen Samstag gestorben, am Donnerstag wurde dieser in Monaco beerdigt. "Man hat ihm angemerkt, dass ihn das auch belastet hat, dass er eine sehr enge Bindung zu Raiola hatte genauso wie Malen. Deswegen war es auch keine Frage für uns, ihn am Donnerstag zu entlassen und trotzdem wird er heute Gas geben", hatte Dortmunds Lizenzspielerchef Sebastian Kehl vor dem Spiel gesagt.

Haaland war ebenso wie Teamkollege Donyell Malen zur Trauerfeier gereist. Gegen die Fürther kam der Norweger wie die gesamte Mannschaft nur schwer in die Gänge. Haaland animierte seine Mitspieler immer wieder zum Aufrücken, die Dortmunder machten zunächst aus ihrem Ballbesitz zu wenig. Die emsigen Fürther gewährten dem BVB nur wenig Raum. Dafür sorgte Leitl auch mit einer cleveren Umstellung: Stürmer Jamie Leweling gab teils sogar einen linken Außenverteidiger und bremste so die Offensivbemühungen der Dortmunder über deren rechte Seite.

Den Fürther Jubel über die vermeintliche Führung in der 23. Minute durch Kapitän Branimir Hrgota verdarb der Videoschiedsrichter wegen Abseits. Die technisch deutlich überlegenen Dortmunder konterten mit einem Abstauber: Keeper Andreas Linde ließ einen Schuss von Raphaël Guerreiro nur abklatschen, Brandt setzte erfolgreich nach. Von einem "traurigen Tag" sprach der Fürther Geschäftsführer Rachid Azzouzi, weil er Aufstiegstrainer Leitl vor der Partie verabschieden musste. Der 44-Jährige, der wohl zu Hannover 96 wechselt, erhielt viel Zuspruch von den Rängen, seine Spieler klatschten ihm Beifall.

Die Dortmunder hatten in der zweiten Hälfte mehr Raum gegen mutiger nachrückende Gastgeber. Haaland blieb aber erstmal immer wieder an einem Fürther Gegenspieler hängen und wurde später ohne die ganz großen Akzente ausgewechselt. Mit einem sehenswerten Lupfer schenkte Ngankam den fränkischen Fans den verdienten Torjubel. Im Gegenzug vollendete erneut Brandt einen Dortmunder Konter. Passlack tunnelte Fürths Torwart Linde dann auch noch. Ein Tor von Jude Bellingham (85.) zählte wegen Abseits nicht.

SC Freiburg - 1.FC Union Berlin 1:4 (0:3)

Der 1. FC Union Berlin hat den Champions-League-Ambitionen des SC Freiburg einen Dämpfer verpasst und sich selbst den zweiten Einzug ins internationale Geschäft nacheinander gesichert. Angeführt vom bestens aufgelegten Angreifer Sheraldo Becker siegten die Köpenicker mit 4:1 (3:0) bei den Südbadenern. Grischa Prömel (11. Minute), Christopher Trimmel (30.), Becker selbst (41.) und der eingewechselte András Schäfer (90.) erzielten vor 34.700 Zuschauern im Europa-Park Stadion die Tore für die extrem effizienten Gäste. Lucas Höler (59.) verkürzte zwischenzeitlich für den Sport-Club.

Union liegt nach dem vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga damit auf Tabellenplatz sechs, schließt die Saison im schlechtesten Fall als Siebter ab und hat sogar noch die Chance, die Königsklasse zu erreichen. Freiburg bleibt vorerst Vierter, könnte am Sonntag aber von RB Leipzig aus den Champions-League-Rängen verdrängt werden.

Beide Mannschaften traten von Beginn an extrem leidenschaftlich auf, die Freiburger erlebten in Summe jedoch eine erste Halbzeit zum Vergessen. Die Hausherren hatten zwar mehr Ballbesitz, taten sich gegen die kompakte Defensive der Berliner aber schwer, wirklich zwingende Torchancen herauszuarbeiten. Union wiederum überzeugte mit seinem Umschaltspiel - und dem brandgefährlichen Becker. Der flinke Offensivmann tauchte mal rechts und mal links auf und war für die Abwehr des Sport-Clubs kaum zu greifen. Freiburgs Maximilian Eggestein lenkte eine Flanke des 27-Jährigen an den Pfosten des SC-Tores, Mittelfeldspieler Prömel staubte zur frühen Führung für Union ab.

In der 23. Minute musste Berlins Torhüter Andreas Luthe, der erst kurz vor Spielbeginn für den angeschlagenen Frederik Rönnöw ins Team gerutscht war, hinter sich greifen. Der vermeintliche Ausgleich durch Höler zählte aber nicht. Schiedsrichter Felix Brych entschied nach Ansicht der Videobilder auf Handspiel des Freiburger Stürmers. Und es kam noch bitterer für die Badener: Nach einer weiteren Flanke von Becker köpfte Gäste-Kapitän Trimmel nach einer halben Stunde zum 2:0 ein. Kurz vor der Pause setzte Becker dann sogar noch einen drauf und überwand SC-Keeper Mark Flekken aus spitzem Winkel zum 3:0.

Freiburgs Trainer Christian Streich tobte - und sah die Gelbe Karte. Zur zweiten Halbzeit brachte der SC-Coach seinen Edeljoker Nils Petersen und blies zur Aufholjagd. Der eingewechselte Routinier ließ die Riesenchance zum Anschlusstreffer zunächst jedoch liegen (54.). Kurz später wurde ein weiteres Tor von Höler wegen einer angeblichen Abseitsstellung erst nicht gegeben, nach einem Video-Check dann aber doch. Die Freiburger blieben am Drücker und agierten im letzten Drittel etwas griffiger als noch vor der Pause, konnten ihre erste Niederlage seit fünf Pflichtspielen aber nicht mehr verhindern. Der eingewechselte Schäfer erhöhte per Flachschuss sogar noch für Union.

1. FC Köln - VfL Wolfsburg 0:1 (0:1)

Von der Relegation direkt nach Europa - und das dank der Schützenhilfe des rheinischen Rivalen: Der 1. FC Köln hat die Qualifikation für den Europacup schon einen Spieltag vor dem Saisonende sicher. Zwar kassierten die Rheinländer daheim ausgerechnet durch das Tor des in Köln ausgebildeten Yannick Gerhardt (43.) ein 0:1 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg und holten selbst den nötigen Punkt nicht.

Da Bayer Leverkusen bei der TSG Hoffenheim 4:2 gewann, war der Zähler aber auch nicht nötig. Köln ist damit sicher in der Conference League, bei optimalem Verlauf könnte der FC in der kommenden Woche noch in die Europa League aufrücken. In der spielten die Kölner auch 2017/18, es war die einzige Europacup-Saison in den vergangenen 30 Jahren. Für Rang sechs bräuchten die Kölner, die letzte Saison erst in der Relegation den Abstieg abwendeten, nächste Woche einen Sieg in Stuttgart und höchstens ein Remis von Union Berlin gegen Bochum.

Die positive Anspannung in der Stadt war überall zu greifen. Vor allem rund um die Arena. Als der Mannschaftsbus um 14.09 Uhr vorfuhr, wurde er von zahlreichen Fans mit großem Applaus empfangen. Vor dem Anpfiff enthüllten die Fans ein riesiges Spruchband mit der Aufschrift "Schiesst uns nach Europa, macht es noch einmal - 1. FC Köln, international". Über 200.000 Ticket-Anfragen hatte es gegeben, 50.000 Fans durften rein.

Und die elf Kölner - zehn aus der Augsburg-Startelf und der dort gesperrte Salih Özcan - legten gleich schwungvoll und hochmotiviert los. Schon nach einer Minute stand VfL-Trainer Florian Kohfeldt wild gestikulierend am Spielfeldrand, um seine Mannschaft wachzurütteln. Wenige Sekunden später wäre dennoch fast das 1:0 gefallen, doch Torhüter Pavao Pervan parierte gegen Anthony Modeste glänzend. Der Österreicher, der den an Schulterproblemen laborierenden Koen Casteels ersetzte, war bis dato in dieser Saison kein Glücksbringer gewesen. Alle fünf Spiele mit ihm hatte Wolfsburg verloren und dabei 14 Gegentreffer kassiert. Doch in der 6. Minute war er wieder der Retter, als er einen Schuss von Benno Schmitz an den Pfosten lenkte.

Nach 0:5 Torschüssen in den ersten zehn Minuten berappelte sich Wolfsburg etwas, bekam Ordnung hinein und machte es den Kölnern schwerer, Lücken zu finden. Ja, die Gäste hatten nun selbst die Großchance zur Führung, doch Max Kruse schloss einen Konter nach Vorlage von Lukas Nmecha zu harmlos ab (30.). Und zwei Minuten vor der Pause passierte es dann tatsächlich: Einen Querpass von Jonas Wind verwertete Gerhardt am langen Eck zum 0:1. Es war der erste Treffer seit über einem Jahr für den Ex-Nationalspieler, der als Neunjähriger zum FC gekommen und nach 13 Jahren 2016 nach Wolfsburg gewechselt war.

Nach der Pause drängte Köln, doch Florian Kainz scheiterte an Pervan (53.). Nach dem vermeintlichen 0:2 durch Lukas Nmecha herrschte kurz Schockstille im Stadion (55.), doch der Videobeweis ergab eine Abseitsstellung des Schützen. Die Kölner Fans jubelten, als habe ihr Team getroffen. Der FC drängte weiter. Doch Pervan wuchs über sich hinaus, parierte gegen Modeste dreimal glänzend (69./74./90.+5). Für Jubel sorgten stattdessen Leverkusens Tore in Hoffenheim. Die Kölner Fans zündeten Bengalos und sangen "Europapokal".

TSG Hoffenheim - Bayer Leverkusen 2:4 (2:1)

Bayer Leverkusen hat vor allem dank Patrik Schick den Einzug in die Champions League gefeiert. Die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane siegte mit 4:2 (1:2) bei der TSG 1899 Hoffenheim und sicherte sich den dritten Tabellenplatz. Der tschechische Stürmer Schick erzielte vor 20.033 Zuschauern in Sinsheim seine Saisontore Nummer 23 und 24 in der 34. und 76. Minute.

So vermied Bayer das befürchtete Endspiel um den Einzug in die Königsklasse zum Saisonfinale gegen den SC Freiburg, der zeitgleich Union Berlin unterlag. Die Hoffenheimer und Chefcoach Sebastian Hoeneß verspielten mit dem achten sieglosen Spiel in Serie ihre letzten theoretischen Chancen auf den Einzug in die Europa League, was das erklärte Saisonziel war. Dabei brachten Georginio Rutter (22.) und Christoph Baumgartner (36.) die Gastgeber zweimal in Führung. Moussa Diaby sorgte für den 2:2-Zwischenstand (73.), Lucas Alario traf noch zum 4:2 (90.+1). Mit dem 78. Saisontor stellten die Leverkusener einen Vereinsrekord auf: Die bisherige Bestmarke stand bei 77 Treffer in der Saison 2001/2002.

Die Leverkusener stemmten sich den etwas hektischen Angriffsversuchen des Gegners in der Anfangsphase erst einmal konzentriert entgegen - bis zu jener Szene, als sich Piero Hincapie den Ball von Christoph Baumgartner abluchsen ließ. Der österreichische Nationalspieler bediente dann Rutter und verschaffte dem Franzosen sein achtes Saisontor. Der 20-Jährige war als einziger im TSG-Kader bei allen Pflichtspielen dieser Runde dabei und wirbelte wieder mächtig, musste aber zur Pause mit Schmerzen in der Schulter ausgewechselt werden. Vom Angriff der Leverkusener war bis dato praktisch nichts zu sehen.

Fast aus dem Nichts fiel dann dennoch der Ausgleich: Schick traf per herrlicher Direktabnahme auf Flanke von Diaby. Hoffenheim antwortete postwendend mit dem Kopfballtreffer von Baumgartner, als die Bayer-Abwehr um Torwart Lukas Hradecky nach einer Flanke von Pavel Kaderabek nicht im Bilde war. Deutlich munterer starteten beide Teams in die zweite Hälfte. Munas Dabbur für Hoffenheim und Diaby für Leverkusen vergaben zunächst jeweils die Chance zu weiteren Treffern - dann drehte Leverkusen richtig auf. Der starke Diaby mit seinem 13. Tor in dieser Spielzeit und erneut Schick ließen die TSG-Abwehr ganz schlecht aussehen.

Irgendwie typisch für die Hoffenheimer in dieser am Ende so enttäuschenden Runde: Vize-Weltmeister Andrej Kramaric, den Hoeneß noch kurzfristig zum Kapitän gemacht hatte, schoss nach einem Pfostentreffer von Jacob Bruun Larsen noch am leeren Tor vorbei und verpasste somit das 3:3.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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