Fußball

Mit "Explosion" nach Lyon Boateng fordert Messis Superteam heraus

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Boateng und Messi lieferten sich schon so manches Duell.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Mit diesem Wechsel rechnete niemand: Jérôme Boateng heuert in Lyon an, nachdem sein Vertrag bei Bayern München ausläuft. Auch wenn es ein kleiner Rückschritt ohne Champions League ist, in der Ligue 1 muss er Messi in die Schranken weisen - und hofft dadurch wieder auf die Nationalelf.

Nachdem es ruhig geworden war um Jérôme Boateng, ließ der Rio-Weltmeister am letzten Tag des Transfer-Fensters doch noch eine kleine Wechsel-Bombe platzen: Olympique Lyon, Ligue 1. Damit hatte kaum einer gerechnet. Das französische Sportmagazin "L'Équipe" schrieb gar von einer "Explosion am Ende des Sommermarktes". Der vereinslose Verteidiger, dessen Vertrag beim FC Bayern München im Juni ausgelaufen war, wurde eher mit Lazio Rom, dem FC Sevilla oder Hertha BSC in Verbindung gebracht, wo seit dem Sommer auch sein Halbbruder Kevin-Prince Boateng spielt. Doch aus einer Wiedervereinigung wurde nichts, wohl auch weil Hertha nicht europäisch spielt.

Nun also Lyon. Laut "L'Équipe" gelang es dem Klub aus der geschichtsträchtigen französischen Rhône-Alpes-Region, den Deal mit einem Vertrag über zwei Jahre an nur einem Tag, dem gestrigen Dienstag, einzufädeln. Vor allem ein langes Gespräch zwischen dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Peter Bosz, der ab dieser Saison an der Seitenlinie steht, und Boateng, in dem der Coach sein Projekt, seinen Stil und seine Ambitionen genau erläuterte, soll ausschlaggebend gewesen sein.

Am Dienstagabend nahm Lyons sportlicher Leiter Juninho Boateng am Flughafen in Empfang, der 32-Jährige musste anschließend noch den obligatorischen Medizincheck absolvieren. Offiziell soll er am heutigen Mittwoch um 15 Uhr vorgestellt werden, wie der gut informierte französische Journalist Hugo Guillemet berichtet. Der gebürtige Berliner muss seinen Vertrag bis zum Mittag unterschrieben haben, um für die Europa League gemeldet werden zu können.

Messi, Neymar und Mbappé warten

Nach 43 Gegentoren (Meister Lille fing sich nur 23 Treffer) in der vergangenen Saison konnte Lyon eine Abwehrstütze gut gebrauchen. "L'Équipe" nannte den Transfer daher eine "Meisterleistung" der OL-Verantwortlichen. Aber für Boateng ist der Wechsel ein kleiner Rückschritt. Bis zuletzt hatte er gehofft, bei einem wirklichen europäischen Topklub unterzukommen, um sich noch einmal mit den Besten zu messen in der Königsklasse. OL gelang in der vergangenen Saison die Qualifikation für die Champions League jedoch nicht, hinter OSC Lille, Paris Saint-Germain und AS Monaco kam das Team nur auf Platz vier. Damit spielt OL aber immerhin in der Europa League, wo Boateng zukünftig gegen Sparta Prag, Bröndy IF und die Glasgow Rangers ran darf.

Auch beim Gehalt muss der Rio-Weltmeister Abstriche in Kauf nehmen. Verdiente er bei den Bayern noch überaus fürstliche 12 Millionen Euro im Jahr, soll es nun "nur" noch die Hälfte davon sein. Seit 2018 wurde in München immer wieder über einen Wechsel gemunkelt. Zehn Jahre lang verteidigte Boateng beim FC Bayern Stürmer um Stürmer weg und holte unter anderem die beiden Triple 2013 und 2020. Nicht immer ohne Kritik an sich und seinem Spiel (besonders Ex-Präsident Uli Hoeneß schoss gerne gegen den ehemaligen Nationalspieler), aber der Abwehrhüne kämpfte sich stets aus kleinen Tiefs zurück und überzeugte immer wieder mit starken, teilweise herausragenden Leistungen.

In der Ligue 1, die insgesamt schwächer einzuordnen ist als die deutsche Bundesliga, darf sich Boateng nun gegen Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé beweisen. Das fulminante Dreiergespann blieb nach vielen Wechsel-Spekulationen nun doch zusammen, weil PSG auch eine 200-Millionen-Euro-Offerte von Real Madrid ablehnte. Mindestens im Hinterkopf hofft Boateng, mit guten Leistungen gegen solche Offensivstars noch einmal für die Nationalelf interessant zu werden und möglicherweise eine weitere WM zu erleben. Joachim Löw hatte den Ex-Bayern nach der WM 2018 gemeinsam mit Mats Hummels und Thomas Müller aussortiert, aber im Gegensatz zu den beiden anderen Profis nicht für die Europameisterschaft im Sommer reaktiviert.

Mentaler Neustart?

Weil aber Neu-Bundestrainer Hansi Flick auf Löws Altersprinzip pfeift und stets nur die Besten nominieren will, darf sich Boateng wieder Hoffnungen machen, wenn er Leistung bringt. Unter Flick war der Abwehrmann nach einem Loch wieder zum Stammverteidiger bei den Münchnern aufgestiegen und erlebte ein Karriere-Hoch, das im 8:2 gegen Messi und den FC Barcelona und im Champions-League-Sieg gegen PSG mündete. Ob gegen Messi, Neymar oder Mbappé: Auf Boateng kommen in der Ligue 1 keine leichten Aufgaben zu. Olympique Lyon steht nach nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen aktuell nur auf Platz neun.

Vielleicht hofft Boateng in Frankreich auch auf einen mentalen Neustart. Mehr Ruhe und etwas weniger Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Abseits des Platzes hatte der 32-Jährige zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, weil er im September vor Gericht steht, nachdem er 2018 seine damalige Lebensgefährtin mit einem gläsernen Gegenstand beworfen haben soll. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt außerdem gegen Boateng wegen Körperverletzung zum Nachteil seiner letzten Ex-Freundin, Kasia Lenhardt. Dieses Verfahren war im Juli 2020 vorübergehend eingestellt, nach dem Suizid der 25-Jährigen, der für viele Spekulationen gesorgt hatte, aber wieder aufgenommen worden.

Quelle: ntv.de

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