Fußball

Gomez hasst den Hass Braunschweig-Fans verderben "Wölfe"-Jubel

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Platzsturm der Braunschweiger Fans: Er geht glimpflich aus.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Der VfL Wolfsburg spielt auch in der kommenden Saison in der Fußball-Bundesliga. Der Erfolg erleichtert das Team - richtige Freude mag nicht aufkommen. In der aufgeheizten Derby-Stimmung geht die erste Personalentscheidung fast unter.

Flucht statt Feier - der VfL Wolfsburg hat am späten Montagabend gerade noch so den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga geschafft, als die Spieler nach Abpfiff des Spiels noch einmal losrennen müssen. Für die Wolfsburger und das Schiedsrichter-Team um Tobias Stieler geht es schleunigst Richtung Kabine. Aus mehreren Blöcken stürmen Eintracht-Braunschweig-Fans auf den Platz. Sie nehmen den Wolfsburgern im Relegationsrückspiel die Chance, mit ihren Fans den knappen 1:0-Sieg durch das Tor von Vieirinha (49.) und damit den Verbleib in der Liga zu feiern. Ein Großaufgebot der Polizei ist nötig, um die vielen aufgebrachten Fans im mit 23.000 Zuschauern ausverkauften Eintracht-Stadion in den Griff zu bekommen - und vor allem vom Gästeblock fernzuhalten. Becher fliegen und auch eine Fackel, die aber kontrolliert abbrennt.

Es ist der Höhepunkt der sehr aggressiven Stimmung im Stadion von Eintracht Braunschweig. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wird im Eintracht-Block Pyro gezündet und dann in den Innenraum geworfen. Ein Ordner wird verletzt. Berichten zufolge erleidet er ein Knalltrauma. Kurz darauf ertönt eine heftige Explosion aus dem gleichen Block: Ein Böller mit immenser Kraft.

Hass-Objekt Gomez

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Im Spiel als "Hurensohn" beschimpft, kann Mario Gomez mit Wolfsburg den Klassenerhalt feiern.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Dass der Gegner und dessen Fans mit Schmähgesängen bedacht werden, ist beinahe Normalität – erst recht bei einem Derby mit dieser Bedeutung. Die Intensität aber scheint eine andere. Besonders trifft es an diesem Abend VfL-Stürmer Mario Gomez. Der Nationalspieler wird zunächst ausgebuht, dann mit Schmähgesängen bedacht und ausgepfiffen. In der 90. Minute wird er ausgewechselt, streckt jubelnd die Faust in Richtung seiner Anhänger - und verschärft so den Ärger der Eintracht-Fans. Er selbst sagt nach dem Spiel, dass er "mit all dem Hass nichts anfangen kann". "Vor ein paar Tagen haben wir uns  wieder in den Armen gelegen und geheult, weil in Manchester schon wieder was Tragisches passiert ist und drei Tage später benehmen wir uns selber wie die Affen."

Auch ohne die Feier mit den 2000 mitgereisten Fans und die ausgelassenen Emotionen sind die Wolfsburger vor allem eins: unglaublich erleichtert. "Ich kann mich noch nicht einmal richtig freuen, weil die Erleichterung riesengroß ist, so viel Druck abfällt. Ich bin einfach froh, dass wir es geschafft haben", sagt Daniel Didavi nach dem Spiel. Christian Träsch beschreibt die Stimmung in der Kabine dennoch als "sehr ausgelassen".  Das bestätigt auch Manager Olaf Rebbe: "Die Mannschaft ist in der Kabine und freut sich da. Ihr fällt auch ein Stein vom Herzen." Das sei jetzt das, was überwiege "und nicht das, was hier geworfen wurde". 

Fast unter geht bei all dem, dass der VfL Wolfsburg nun deutlich ruhiger für die kommende Saison planen kann, als es im Falle des Abstiegs gewesen wäre. Ein neuer Trainer etwa ist offenbar nicht nötig: Andries Jonker bestätigte in der ARD, dass er Chefcoach bleibt. Darauf habe er sich mit den Klub-Verantwortlichen verständigt. Vielleicht bringt das die Mannschaft und ihre Fans zurück in Wolfsburg doch noch gemeinsam zum Jubeln. Spätestens zur Feier zu 20 Jahren Bundesligazugehörigkeit, denn diese Party hat das Team gerade so gerettet.

 

Quelle: n-tv.de

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