Fußball

Druck auf Kroos wächst Chefchen wird plötzlich unerwartet forsch

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İlkay Gündoğan lässt normalerweise seine Leistung nicht Worte für sich sprechen.

(Foto: imago images/Sven Simon)

"Ich sollte spielen", sagt İlkay Gündoğan mit Blick auf die EM und niemand kann ihm widersprechen. Der Profi von Manchester City wird immer mehr zum Chef der Nationalelf neben Joshua Kimmich. Sogar das Kapitänsamt winkt vorübergehend. Für Toni Kroos sind das schlechte Neuigkeiten.

Neben Joshua Kimmich ist İlkay Gündoğan die Passmaschine im Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Immer anspielbar, immer mit äußerst feiner Technik. Der Torjäger, man muss ihn ja nach seinen Wahnsinns-Monaten im Klub langsam so nennen, von Manchester City ist so etwas wie das Chefchen neben Kimmich und Goretzka. Etwas leiser, etwas netter halt. Für den Lautsprecher hat es bei Gündoğan nie gereicht, der 30-Jährige überzeugte stets lieber mit seiner Leistung. Doch bei der Pressekonferenz vor dem morgigen Spiel gegen Nordmazedonien (20.45 Uhr/RTL und im Liveticker auf ntv.de) wird das Chefchen plötzlich forsch: "Ich habe den Anspruch zu spielen", sagt Gündoğan mit Blick auf die EM, bei der der Bundestrainer Joachim Löw im zentralen Mittelfeld die Qual der Wahl hat.

Anders als manch anderer Nationalspieler kann Gündoğan auch mit Eloquenz überzeugen. Vielleicht ist er auch deshalb kein Lautsprecher, er wählt seine Worte überlegt und ruhig. Auch bei der Pressekonferenz am Mittag. Aber die Aussagen brauchen auch keinen höheren Pegel, sie sitzen auch so. "Ich will spielen", bekräftigt der Mittelfeldspieler immer wieder. "Ich habe die Qualität zu spielen und bin selbstbewusst genug, um zu sagen, dass ich spielen sollte." Auf seinen DFB-Kollegen Antonio Rüdiger und dessen Aussage angesprochen ("Ilkay ist derzeit der beste deutsche Spieler") antwortet der Mann von Man City selbstbewusst: "Grundsätzlich sollte man einem Toni Rüdiger nie widersprechen."

Gündoğan spricht äußerst entspannt und relaxed in der Medienrunde. Zurecht. So einen Lauf wie er, hat niemand in der deutschen Nationalmannschaft. Zwar war der 30-Jährige im Spiel gegen Rumänien unauffälliger als gegen Island, aber das galt für das komplette Team. Im Unterschied zum Klub habe er beim DFB-Team "mehr Freiheiten" und sei "mehr in den Spielaufbau involviert". Bei Man City spielt er noch offensiver und trifft deshalb fast wie er will.

"Toni Kroos ist nach wie vor ein Weltklassespieler ..."

"Wichtig ist, dass wir im Mittelfeld flexibel sind und die Möglichkeit haben, den Ball schnell laufen zu lassen", sagt Gündoğan über die Nationalelf und spricht damit auch auf den Konkurrenzkampf in der Zentrale an. Auf das Überangebot an Spielern auf Topniveau. "Am Ende ist das nur gut für uns, gerade auf den zentralen Positionen", gibt er sich diplomatisch weltmännisch. Ein Stammplatz bei der Europameisterschaft ist für den "Premier League Player of the Month" im Januar und Februar beim derzeitigen Stand eigentlich ein Muss, auch aufgrund seiner Erfahrung. Bei dem Turnier aber muss Löw dann auf einen seiner Weltklassespieler verzichten: Gündoğan, Kimmich, Goretzka oder Toni Kroos. Nicht die leichteste aller Entscheidungen.

Während die ersten drei genannten Nationalspieler in der WM-Quali überzeugen, kann Kroos derzeit nicht punkten. Er fehlt verletzt. Und für jeden Beobachter ist nicht erst seit der blamablen WM 2018 sichtbar geworden, dass der Mann von Real Madrid die Agilität und die Intensität von Gündoğan, Goretzka und Kimmich trotz seiner Ballsicherheit nicht mehr auf den Platz bringt. Vorteil GGK. Darauf angesprochen nimmt der Bundestrainer bei der Pressekonferenz seinen Altstar aber in Schutz: "Toni Kroos ist nach wie vor ein Weltklassespieler mit einem immensen Erfahrungsschatz", sagt Löw. "Man muss das jetzt auch nicht alles diskutieren." Vielleicht hat er recht, denn bis zum Turnier kann noch viel passieren.

Aber Gündoğan denkt zumindest nicht daran, seinen Platz zu räumen. "Ich weiß, welches Leistungsniveau ich erreichen kann, wenn ich spiele", säuselt er fast. "Ich mag das Gefühl vom Platz zu gehen und die Zufriedenheit zu spüren, alles gegeben zu haben." Das hört jeder Trainer gerne. Und Löw weiß, was er an dem England-Star hat. Weil Manuel Neuer in Duisburg eine Pause bekommt und Marc-André ter Stegen im Tor stehen wird, verkündet der Bundestrainer: "Gündoğan wird Kapitän sein, wenn er von Beginn an spielt."

Aber seinen Platz in der Startelf zweifelt eigentlich niemand an. Chefchen Gündoğan, der immer mehr zum Chef wird, selbst schon gar nicht. Weder beim Spiel in Nordmazedonien. Noch bei der Europameisterschaft im Sommer.

Quelle: ntv.de

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