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Insgesamt gab es beim BVB gegen Hertha BSC Spiel fünf gelbe und zwei rote Karten.
Insgesamt gab es beim BVB gegen Hertha BSC Spiel fünf gelbe und zwei rote Karten.(Foto: imago/DeFodi)
Samstag, 15. Oktober 2016

Fouldebatte überschattet BVB-Spiel: Dardai schwärmt, Tuchel ist genervt

Von Felix Meininghaus, Dortmund

Auch nach dem Spitzenspiel gegen Hertha BSC wird in Dortmund heftig über Fouls diskutiert. Die Debatte erreicht im hitzigen Verfolgerduell ihren nächsten Höhepunkt. Diesmal schweigt BVB-Trainer Tuchel allerdings.

Thomas Tuchel wollte nicht mehr reden, und das lag nicht daran, dass seine Stimme so dermaßen mitgenommen war, dass nur noch ein Krächzen zu vernehmen war. Tuchel war genervt und schaute demonstrativ nach unten auf das Blatt Papier mit den statistischen Daten des Spiels, das vor ihm lag. Anstatt auf die Frage zu antworten, die ihm gestellt worden war, schickte er lieber den Pressesprecher seines Arbeitgebers vor: "Für uns ist das Thema erledigt", sagte Sascha Fligge im Auftrag seines Chefs, "mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

Thomas Tuchel wollte nicht mehr auf die Fragen antworten.
Thomas Tuchel wollte nicht mehr auf die Fragen antworten.(Foto: imago/Thomas Bielefeld)

Dem Trainer von Borussia Dortmund ist eine Angelegenheit über den Kopf gewachsen, die er selbst angeschoben hat, was er wahrscheinlich inzwischen bereut: Nach der Niederlage in Leverkusen hatte der Schwabe eine Debatte auf den Weg gebracht, die sich inzwischen verselbständig hat. Seine Spieler werden seit Saisonbeginn so häufig gefoult, dass eine Grenze überschritten sei, hatte Tuchel moniert, so ginge es nicht weiter. Die Reaktionen waren mannigfaltig, unter anderem hatte sich Pal Dardai zu Wort gemeldet. Der Ungar auf der Bank von Hertha BSC hatte zu Protokoll gegeben, er halte eine solche Einlassung für "grenzwertig", weil sie die Schiedsrichter künftiger Partien beeinflusse.

"Die Diskussion hat Spuren hinterlassen"

Borussia Dortmund - Hertha BSC 1:1 (0:0)

Tore: 0:1 Stocker (51.), 1:1 Aubameyang (80.) Zuschauer: 80.800

Dortmund: Bürki - Passlack, Ginter, Merino, Schmelzer (71. Park) - Weigl, Rode (60. Dembele) - Pulisic, Götze (60. Kagawa), Mor - Aubameyang. - Trainer: Tuchel

Berlin: Jarstein - Weiser, Langkamp, Brooks, Plattenhardt - Skjelbred (78. Allan), Niklas Stark - Esswein (90.+3 Mittelstädt), Stocker, Haraguchi - Ibisevic (81. Allagui). - Trainer: Dardai

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

Rote Karten: Mor nach einer Tätlichkeit (84.) - Stocker wegen groben Foulspiels (90.)

Gelbe Karten: Dembele (2) - Niklas Stark, Brooks, Esswein (2), Langkamp, Allagui

Besonderes Vorkommnis: Jarstein hält Handelfmeter von Aubameyang (77.)

Da sich die Mannschaften von Tuchel und Dardai am Freitagabend gegenüberstanden, bekam der Exkurs zusätzliche Brisanz, die sich dann auch noch in Fakten manifestierte: Nach 90 am Ende aufregenden Minuten hatten sich der Dritte und der Zweite der Tabelle nach Toren von Stocker für Berlin und Aubameyang für den BVB nicht nur mit 1:1 (0:0) getrennt, es waren auch noch sechs Gelbe und zwei Rote Karten vergeben worden. Was nicht nur wegen der Vorgeschichte bemerkenswert war, sondern auch deshalb, weil die beiden Kontrahenten in der bisherigen Saison als die beiden fairsten Mannschaften aktenkundig geworden waren.

Warum sich dies nun in einer Partie so offensichtlich änderte, darüber durfte trefflich diskutiert werden. Am umsichtigen Schiedsrichter Patrick Ittrich vom Mümmelmannsberger SV aus Hamburg lag es offensichtlich nicht, wie Dortmunds Mittelfeldakteur Sebastian Rode befand: "Er hat es gut gemacht, war sehr aufmerksam und hat einige taktische Fouls mit Gelb geahndet." Offenbar hat die Fouldebatte eine gewisse Eigendynamik bekommen, wobei Rode seinen Trainer signifikant in Schutz nahm: "Er hat nach dem Spiel in Leverkusen etwas dazu gesagt und sich danach zurückgehalten. Aber danach haben viele andere das Thema aufgenommen."

Langkamp äußert sich selbstkritisch

Die Szene, in der Emre Mor (r.) Sebastian Langkamp (l.) schubst.
Die Szene, in der Emre Mor (r.) Sebastian Langkamp (l.) schubst.(Foto: dpa)

Herthas Defensivspieler Sebastian Langkamp sagte dazu: "Die Diskussion hat Spuren hinterlassen, so etwas passiert, wenn man eine Sache so groß macht." Langkamp war einer der Verursacher dafür, dass die Dinge am Ende einer Partie, die bis dato relativ normal verlaufen war, ein wenig aus dem Ruder liefen. Erst klammerte er den davoneilenden Gegenspieler Emre Mor provozierend lange Zeit, und als der ihn mit beiden Händen voran unwirsch schubste, hob er nach hinten ab, als habe ihn ein knallharter Punch von Mike Tyson getroffen.

Der Platzverweis für den ungestümen Youngster war folgerichtig, und doch warf sich Langkamp hernach das Büßerhemd über: "Meine Reaktion war sicherlich übertrieben, so was passiert im Eifer des Gefechts", sagte der Manndecker wohltuend selbstkritisch: "Es tut mir leid, das war kein Rot."

"Das war Männerfußball"

Als kurz darauf auch noch Herthas Stocker vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde, geriet endgültig in Vergessenheit, dass ja auch noch Fußball gespielt worden war. Wobei sich vor allem die Gäste aus der Hauptstadt hervortaten, die in Dortmund eindrucksvoll nachwiesen, warum sie sich so überraschend in der Bundesligaspitze festgesetzt haben: Laufstark, diszipliniert, kompakt und äußerst gut organisiert – so agiert ein Ensemble, das sich aus dem Mittelmaß abheben will. "Note eins für meine Mannschaft", urteilte Dardai, der sich aus allen anderen Erörterungen tunlichst heraushalten wollte: "Wir sind fair und diskutieren nicht. Wir haben da auch eine Vorbildfunktion."

Die Vorkommnisse auf dem Rasen stufte der Ungar, der als Profi selbst nie ein Kind von Traurigkeit war, als relativ normal ein. Herthas Trainer hatte an dem Erlebten nicht nur deshalb Spaß, weil Hertha BSC seine Position vor Borussia Dortmund durch die Punkteteilung behauptet hatte, sondern auch, weil es auf dem Rasen richtig zur Sache gegangen war: "Die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen. Das war Männerfußball. Viele Zweikämpfe – ich mag so etwas. Wir haben eine gute Partie geliefert."

Quelle: n-tv.de