Fußball

Flicks "Kampf" war vergeblich Der FC Bayern erhält sich seine Macht

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Gegenläufige Meinungen.

(Foto: Pool via REUTERS)

Die neunte Meisterschaft in Serie fährt der FC Bayern mit einer beeindruckenden Gala gegen Borussia Mönchengladbach ein. Es ist der letzte Titel der Münchner mit Trainer Hansi Flick. Der verlässt den Klub im Sommer - ohne nachhaltiges Machterbe.

Hansi Flick sorgte am späten Samstagabend wieder einmal für eine Überraschung. Der Trainer, der den FC Bayern im Sommer auf eigenen, auf dringendsten Wunsch verlässt, hält eine Rückkehr nach München für eine denkbare Option. Als Trainer. Allerdings natürlich nicht in seiner kurzfristigen Planung. Und auch nicht in seiner mittelfristigen. "Ich kann mir vieles vorstellen", sagte Flick nach der ebenso erbarmungslosen wie beeindruckenden Meister-Gala gegen Borussia Mönchengladbach (6:0). Eine Rückkehr "ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, weil Bayern München einfach eine sehr gute Adresse ist."

Flick wäre ja längst nicht der erste Trainer, der der großen Anziehung des Klubs ein weiteres Mal erliegt. Der prominenteste Fall ist der "heilige Jupp". Viermal zog es Heynckes nach München. Einmal setzte er sogar seinen Ruhestand aus, um das heftig kriselnde Ensemble wieder in eine titelreife Spur zu setzen. "Ich habe schon immer gesagt: Bayern München war schon immer mein Verein", bekannte Flick und bemühte sich mit seiner Schwärmerei einige Risse zu kitten, für die er selbst verantwortlich war. "Ich habe hier gespielt und hier jetzt zwei fantastische Jahre als Trainer erlebt. Dieses Miteinander täglich zu erleben, ist herausragend."

Und dennoch hat es der 56-Jährige an der Säbener Straße halt nicht mehr ausgehalten. Selbst die sieben gewonnenen Titel in anderthalb Jahren als Hauptverantwortlicher reichten nicht aus, um Flick in München eine Zukunft zu geben. Er hatte sich im verzweifelten Kampf um mehr Mitsprache bei der Kaderplanung aufgerieben. Er hatte sich mit seinem Wunsch nach einem Veto bei Transfers am Machtgefüge des FC Bayern abgearbeitet. Ganz besonders an Sportvorstand Hasan Salihamidžić. Zwar beteuerte Flick, dass es dabei immer nur um die Sache gegangen war, also um die Kaderplanung. Die Auswüchse dieses Dissenses nahmen aber bisweilen Züge an, die eine persönliche Zusammenarbeit der beiden unmöglich machten.

"Wir gehen sehr kritisch mit uns um"

Dass Flick nun geht, das wurde vielerorts als Niederlage im harten Machtkampf interpretiert. Flick war das Opfer. Salihamidžić der Täter. Diese arg radikal verkürzte Lesart setzte sich vermehrt durch. Unter anderem mündete das in einer Fan-Petition, die den Rauswurf des Sportvorstands forderte. Dass einzelne Anhänger des Klubs auch Drohungen gegen den Bosnier und dessen Familie aussprachen - es ist die schändlichste Dimension der Geschichte. In bemerkenswerter Deutlichkeit hatte sich Flick hernach an die Seite seines sportlichen Rivalen gestellt.

Eine der zentralen Fragen, die über diesem gewaltigen Dissens steht, lautet: Hätte der FC Bayern diese Eskalation eigentlich irgendwie verhindern können? Es ist eine Frage, die auch intern diskutiert wird, wie der kommende Klubboss Oliver Kahn am Samstag noch vor der finalen Meistergala bekannte: "Gehen Sie davon aus, dass wir beim FC Bayern immer sehr, sehr kritisch mit uns umgehen und uns Fragen stellen: Wo hätten wir vielleicht eingreifen können? Wo hätten wir Dinge laufen lassen können?", sagte er im Sky-Interview. Tatsächlich ist nur ein hartes Eingreifen bekannt: Als Flick im TV-Interview verkündet hatte, dass er den Verein um Freigabe gebeten hatte, folgte mit einiger Verzögerung eine "Missbilligung" der Aktion durch den Vorstand. Ansonsten blieb es aber bei Ermahnungen und Bitten, dass der Konflikt zum Wohle des Klubs doch bitte ruhen sollte. Kahn erklärt dazu: "Während einer Saison ist das nicht so einfach. Wir werden nach der Saison in uns gehen und schauen, was wir gut und was wir nicht so gut gemacht haben."

Über eine Sache werden sie in München aber nicht diskutieren, über ihr Machtgefüge, dass ja tatsächlich seit Jahren sehr erfolgreich funktioniert hat, dass erst durch den Fall Flick zu einem diskussionswürdigen Thema geworden war. Ein Transferveto, so sagte Kahn, werde es auch für kommende Trainer, der nächste heißt Julian Nagelsmann, nicht geben. Denn die Lage in München sei ja ohnehin anders, als es oft dargestellt würde. "So wie ich das bis jetzt hier erlebt habe, gibt es immer eine Kommunikation. Das heißt, es wurde immer gesprochen und so sollte das auch sein", erklärte Kahn. "Natürlich muss am Ende, wenn es hart auf hart kommt, der Klub entscheiden. Ein Trainer will immer eine Top-Mannschaft und die besten Spieler, ein Sportvorstand muss auch auf die finanziellen Dinge schauen. Dass es da zu Konflikten kommt, ist nun mal so." Dass sie aber so eskalieren, das kann niemand wollen.

Ob Hansi Flick diese Aussicht wirklich reizt, der großen Anziehung des Klubs ein weiteres Mal zu erliegen? Nun vorerst ja mal nicht. Vorerst scheint die Option Bundestrainer immer noch die reizvollste zu sein. Ein Vorteil bei diesem Job: Es gibt neben dem Coach keinen weiteren Kaderplaner.

Quelle: ntv.de

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