Fußball

Kovac-Ära wirkt wie ein Trauma Der FC Bayern lässt das Sticheln nicht

Der Spaß ist zurück bei den Fußballern des FC Bayern. Seit Co-Trainer Hansi Flick in die erste Reihe geschoben worden ist, läuft's: drei Spiele, drei Siege, kein Gegentor. Parallel zur neuen Erfolgsserie arbeiten die Münchener aber weiter die Niko-Kovac-Ära auf.

Wenn sie beim FC Bayern über Mickaël Cuisance reden, dann ist das ein gutes Zeichen. Zwar nicht für den jungen Franzosen, der im Sommer für zehn Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach kam und sich bislang überhaupt nicht durchsetzen konnte, dafür aber für die Münchener selbst. Denn dieser Cuisance, so teuer er war, so eigenwillig er sich verhält, so wenig er spielt, er ist (noch) kein Problem beim Meister. Wenn die Münchener nun also vor dem Abflug nach Belgrad am Montag - dort steht an diesem Dienstag das fünfte Gruppenspiel in der Champions League bei Roter Stern an (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) - viel Zeit darauf verwenden können, sich über die stockende Entwicklung und das große Potenzial des 20-Jährigen auszulassen, dann ist die MiasanHansi-Welt sehr in Ordnung.

Roter Stern Belgrad - FC Bayern, 21 Uhr

Roter Stern: Borjan - Gobeljic, Milunovic, Degenek, Rodic - Canas, Jovancic - Garcia, Marin, van La Parra - Tomane; Trainer: Milojevic.
FC Bayern: Neuer - Pavard, Martinez, Boateng, Davies - Kimmich, Goretzka - Gnabry, Müller, Coman - Lewandowski; Trainer: Flick
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

Seit drei Spielen steht MiasanHansi, der nette Herr Flick, nun in der ersten Reihe. Als Cheftrainer hat er bislang noch keinen Punkt abgeben müssen, auch über ein Gegentor hat der 54-Jährige sich noch nicht ärgern müssen. Eine beeindruckende Bilanz, eine Empfehlung für größere Aufgaben. Für mehr als bloß eine verlängerte Interims-Arbeitserlaubnis. Auch in der Mannschaft war ja zuletzt der Wunsch geäußert worden, die Zukunft mit dem Hansi zu gestalten. Der bleibt derweil weiter sehr gelassen, auch wenn er nach dem Ligaspiel bei Fortuna Düsseldorf erklärt hatte, dass er "sich vieles vorstellen" könne. Zunächst mal den Gruppensieg in der Champions League (auch wenn er das mit seiner Aussage vom Wochenende sicher nicht meinte). Dafür sei es wichtig, "dass wir konzentriert arbeiten".

Heftigste Verbal-Watschn für Kovac

Und auch wenn Belgrad längst nicht mehr die Kraft der Vergangenheit besitzt, so sind die Auswärtsspiele in Serbien immer knackig - gerade wegen der hitzigen Atmosphäre. "Unsere Aufgabe wird nun sein, diese Stimmung abzukühlen", sagt Leon Goretzka. Wie sein Trainer war der Nationalspieler zum obligatorischen Pressegespräch aufgelaufen. Dort ging es dann aber nicht nur um die Champions League, auch wenn die Bayern mit noch zwei weiteren Siegen als erste deutsche die Maximalausbeute von 18 Punkten in der Gruppenphase erreichen könnten, sondern vor allen Dingen um Flick und die neue Freude - und um das Trauma, der offenbar immer noch nagenden Konflikt-Ära unter Ex-Coach Niko Kovac.

"Hansi hat einfach eine sehr positive Art, eine große Empathie und sehr viel soziale Kompetenz. Er kommuniziert viel mit den Spielern, holt alle mit ins Boot", lobte Goretzka. Jeder fühle sich von der taktischen Ausrichtung her sehr gut. Jeder sei bereit, Vollgas zu geben. Ob gewollt oder nicht, all diese Sätze sind heftigste Verbal-Watschn für die linke und die rechte Wange von Kovac, unter dem am Ende ja tatsächlich gar nichts mehr funktionierte. Flick habe, sagte der 24-Jährige, der zuletzt im Spiel der Münchener immer wichtiger geworden war, "punktuell und prägnant taktische Dinge erklärt. Das spiegelt sich wider." Das wichtigste sei die Art und Weise, wie die Mannschaft nun verteidige.

So viele Freude war lange nicht

Tatsächlich ist nicht nur die Bilanz top - drei Siege, 10:0 Tore, nur Carlo Ancelotti hatte in den letzten zehn Jahren einen besseren Einstand (13:0 Tore) - sondern auch der Dominanz-Fußball zurück. "Es macht auf jeden Fall Spaß. Wir haben viel mehr Kontrolle als vorher", hatte Kapitän Manuel Neuer bereits nach Sieg in Düsseldorf gesagt. Josuha Kimmich urteilte: "Wir laufen mutiger an. Das tut unserem Spiel gut. Es ist schwieriger, immer zehn Spieler auszuspielen, anstatt offensiv den Ball zu gewinnen und dabei 20, 30 Meter vor dem Tor zu sein." Das sei, so sagte er auf Nachfrage, eine klare Vorgabe von Flick. Mit Lob und Sticheleien, so therapieren sich die Fußballer des FC Bayern.

Was der (Noch)-Interim seiner Mannschaft nun gegen Belgrad als Matchplan auferlegt, das hat er nicht verraten. Stattdessen sprach er über Rhythmus und Regeneration. Das klang dann auch ein wenig nach Rotation. Und einer, der in die Mannschaft rutschen könnte, ist Jérôme Boateng. In der Abwehrmitte ist eine Stelle vakant. David Alaba, der dort zuletzt die Langzeitverletzten Niklas Süle und Lucas Hernandez überragend vertreten hatte, wird bald Papa und reiste daher nicht mit. Das gilt übrigens auch für Mickaël Cuisance. Der ist allerdings krank.

Quelle: ntv.de