Fußball

Lehren des zwölften Spieltags Sie wollen Hansi, aber kriegen sie Hansi?

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Trainer mit Spitznamen haben beim FC Bayern oft gut funktioniert.

(Foto: imago images/MIS)

Die relevante Frage, ob sich die Fußballer des FC Bayern eine längere Arbeit mit Hansi Flick vorstellen können, beantwortet Serge Gnabry beeindruckend knapp. Auch beeindruckend: wie sich Union Berlin durch die Bundesliga euphorisiert. Für den BVB ist ein froher Furz erstrebenswert.

1. Der Flick-Effekt beseelt den FC Bayern

Ein Fußball, eine Explosion, ein gespannter Bizeps, ein roter Kreis, ein weißer Kreis - #Miasanmia. Achja, die Bayern, sie haben wieder richtig gute Laune. Sogar Corentin Tolisso, der in den vergangenen Wochen ja so ein bisschen das Elend der Münchener verkörpert hatte. Laut Instagram ist das nun Geschichte. Ob es nun aber tatsächlich eine Fußballexplosion war, die die Mannschaft in Düsseldorf hatte stattfinden lassen - nun, bei Google findet sich für diese Annahme (noch) kein Treffer. Dafür erfährt man bei Eingabe des Suchbegriffs unter anderem (neben wirklich sehr schlimmen Dingen), dass in Drensteinfurt mal ein Kassenhäuschen hochging und wie bei Chemie-Stürmer Tommy Kind einst der Torknoten platzte. Egal. Immerhin passt der Gespannte-Bizeps-Emoji zum Bild, dass die Münchener derzeit von sich malen. Denn die Bundesliga weiß jetzt endgültig, dass der Flick-Effekt eine wuchtige Wirkung hat. Nach der Topspiel-Kür gegen Borussia Dortmund (4:0) erledigte der FC Bayern an diesem zwölften Spieltag auch die Auswärts-Pflicht bei Fortuna Düsseldorf (4:0) klubimmanent dominant.

Seit drei Spielen ist Niko Kovac nicht mehr verantwortlich für diese Bayern-Mannschaft. Und in diesen drei Spielen hat die Mannschaft eine äußert erfolgreiche Blitz-Metamorphose durchlaufen mit drei Siegen und null Gegentoren. Bei jeder Gelegenheit betonen die Münchener Profis dabei, wie viel Spaß sie haben. Und wie gut der nette Hansi, der Herr Flick, der Interims-Nachfolger von Kovac, seine Arbeit machen würde. Wie klar und präzise seine Ansagen doch seien. Das ist eine kuriose Mischung aus Lob für den neuen Chef und Kritik am ehemaligen Verantwortlichen. Und weil der Hansi seine Arbeit so gut macht, dürfe er auch gerne bleiben. Eine entsprechende Frage, ob man (in diesem Fall Serge Gnabry) auf Dauer gerne mit dem 54-Jährigen weitermachen würde, beantwortete der formstarke Nationalspieler mit einem lapidar-unmissverständlichen "Korrekt". Nun ist die Frage: Sehen das die Bosse genauso? Kann ein "Hansi" den Groß-Klub zu neuem (internationalen) Glanz führen? Wir sagen mal so: Wenn Jupp (Josef Heynckes) und Pep (Josep Guardiola) gehen, dann spricht auch erstmal nichts gegen Hansi (Hans-Dieter) Flick. Außerdem macht's ihm ja Spaß. Und der Mannschaft auch - #MiasanHansi!

2. Erst schämen, dann zusammenreißen

Einige Fans fühlten sich am Sonntag kurz in der Pflicht, die Mannschaft von Borussia Dortmund nochmal daran zu erinnern, dass sie sich schämen sollte. Ob das Not tat? Sie hatte sich ja bereits zwei Tage geschämt, auch wenn die Bilder unseres Reporters Uli Klose vom Samstagvormittag keine allzu roten Gesichter der Profis beim Selfiemachen zeigten. Aber man kann schon davon ausgehen, dass es den Fußballern noch arg unangenehm war, wie sie sich vor allem in der ersten Halbzeit gegen SC Paderborn verhalten hatten. Gut für die Mannschaft: Das Spiel war im Fernsehen ja live nur gegen Bezahlung zu sehen. Die größte Bühne war's also nicht, auf der die gerade noch abgewendete Maximal-Katastrophe (3:3) aufgeführt wurde.

Die Tage des großen Schämens hat die Mannschaft derweil offenbar genutzt, um wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. So erklärte Kapitän Marco Reus am Sonntag, als die perfekt getimte Jahreshauptversammlung stattfand: "Das Problem ist, dass wir immer dann gut spielen, wenn wir das Gefühl haben, wir haben nichts mehr zu verlieren. Es fehlt an der Bereitschaft, von Beginn an zu leiden." Andere Erkenntnisse waren nicht zur externen Verwendung freigegeben. Aber das mit der Mentalität (wir nehmen das mal als Synonym für Bereitschaft) ist schon mal eine gute Sache. Das mit der Leidensfähigkeit auch. Für diese beiden chronischen Systemfehler im Borussenspiel gibt's in dieser Saison ja lange Listen von Beispielen.

Gelitten hat derweil Trainer Lucien Favre. Und das gewaltig, sein Job dürfte durchaus auf der Kippe gestanden haben. Nach intensiven Gesprächen gilt nun aber: Am Mittwoch beim FC Barcelona coacht er die Mannschaft, ebenso am Samstag, wenn es zu Hertha BSC geht. Für beide Spiele hat Klub-Chef Hans-Joachim Watzke einen durchaus guten Mentalitätstipp an seine Mentalitätsmonster in Ausbildung: "Reißt euch zusammen, strafft euch und tretet so auf, wie das von Borussen erwartet wird. Schon Martin Luther hat einst gesagt: Aus einem verzagten Arsch komm kein fröhlicher Furz."

3. Das absurdeste Remis der Saison

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"Ich habe selten im Fußball einen so glücklichen Punkt geholt. Wir sind teilweise rumgetaumelt wie ein angeschlagener Boxer", analysierte der Freiburger Nils Petersen. "Wir hatten den lieben Gott in der Tasche." Aber gut, machste nix. Schämen muss man sich dafür ja nun auch nicht. Das müssen in der Liga ohnehin andere (siehe oben). Und die Leverkusener noch für ihren Platz. Der war, nunja, wirklich schlecht. Womit wir, ganz Überleitungsmonster, wieder bei den Freiburgern sind. Denn beim 1:1 bei Bayers Fußballern war der Sport-Club so dermaßen unterlegen, dass dieses Remis mit Standard-Vokabular nicht zu erklären ist. Klar, Torwart Mark Flekken machte seiner frühen, dem "Katastrophen"-Rasen (O-Ton Demirbay) geschuldeten Slapstick-Einlage beim Abstoß ein sehr gutes Spiel. Klar, auch das Aluminium war sehr ein wichtiger Verteidiger des SCF-Gehäuses. Aber in Wahrheit war's einfach nur dramatisch, wie Leverkusen aus 27 Torschüssen nur einen zählbaren Erfolg herauspresste - auch, weil der ansonsten begeisternde Leverkusener Startelf-Debütant Moussa Diaby nach Umkurven von Freiburgs Flekken beim Schuss ausrutschte. Hatten wir die Rasen-"Eisbahn" (SC-Trainer Christian Streich) erwähnt?! Hatten wir. Umso mehr erfreute Petersen die ergebnistechnisch phänomenale Standfestigkeit seines drückend unterlegenen SC, denn: "Wir sind nicht umgefallen. Auch das ist eine neue Qualität."

4. Eisern in den Euuuuuuropapo ..., stopp!

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Gut, der Kollege hatte vor nicht allzu langer Zeit auch mal den VfB Stuttgart ganz zart Richtung Meistertitel getippt. Nun, vor dieser Saison reduzierte er seine Ansprüche: Wenn sein Verein, Bundesliga-Debütant 1. FC Union Berlin, neun Punkte holen würde (in der ganzen Saison), sei er schon sehr zufrieden. Mehr Underdog-Understatement gibt's sonst nur noch bei der deutschen Nationalmannschaft. Nun stehen die Eisernen bei 16 Punkten. Klassenerhalt gar nicht mehr utopisch. Sie haben sogar bereits zweimal in dieser Saison den Spitzenreiter geschlagen, erst Borussia Dortmund (am 3. Spieltag mit 3:1) und nun Borussia Mönchengladbach (2:0). Und das als erster Neuling seit Mainz 05 vor 15 Jahren - damals unter der Regie von Coach Jürgen Klopp. Der FSV kam als Elfter ins Ziel. Auf diesem Platz stehen nun auch die Eisernen. Und von mehr mag nun bitte auch keiner träumen. Irgendwo sollen ja bereits leise Europapokalrufe zu hören gewesen sein (nein, nein, nicht vom Kollegen!). "Es gibt überhaupt keinen Grund, euphorisch zu werden", sagt Trainer Urs Fischer. Aber: "Es ist eine schöne Momentaufnahme." (das findet auch der Kollege)

5. Herrje, der Effzeh

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Realismus ist ja nicht zwingend eine Eigenschaft, die man dem 1. FC Köln zuschreibt. Wenn aber nun der neue Trainer Markus Gisdol in Naidoo'scher Deutungsphilosophie sagt, "das wird ein steiniger Weg", dann hört man vom Effzeh derzeit keinen großklubsüchtigen Widerspruch. Nach einem 1:4 bei RB Leipzig wäre das auch allzu mutig, selbst für den kühnsten Büttenredner. Und auch wenn viele Fans mit Gisdol fremdeln, so hält sich das Gemecker nun in Grenzen. Ein Minimum an Zeit muss schließlich erlaubt sein. Auf eine Frist-Verlängerung der Gnädigkeit durch die Klub-Anhänger braucht der Neue aber nicht zu hoffen. Denn in den kommenden Wochen geht's gegen die Abstiegskampf-Gesellen des FC Augsburg (daheim) und Union Berlin (in der Fremde).

6. "Big-City-Katastrophe" ...

... Pleite, Patzer, Platzverweis - kommt jetzt Niko Kovac?

Quelle: ntv.de