Fußball

Schaulaufen gegen RB Leipzig Der FC Bayern macht Ernst und feiert sich

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Jubel bei den Bayern: Sie manifestieren ihre Vormachtstellung.

(Foto: imago/Ulmer)

Sieh an: Kaum spitzt sich die Lage zu, drehen die Münchner auf, dominieren die Konkurrenz aus Leipzig und senden ein Signal an alle, die eine Wachablösung im deutschen Fußball sehen wollten. RB übt sich derweil in Demut.

Tore: 1:0 Thiago (17.), 2:0 Xabi Alonso (25.), 3:0 Lewandowski (45./Foulelfmeter)
München: Neuer - Lahm, Martínez, Hummels, Alaba (67. Bernat) - Vidal (74. Kimmich), Xabi Alonso - Robben (45. Ribéry), Thiago, Douglas Costa - Lewandowski
Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Ilsacker, Orban, Halstenberg - Keita (45. Kaiser), Demme - Sabitzer (82. Burke), Forsberg - Werner (59. Selke), Poulsen
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 75.000 (av)

Sie wollten es unbedingt. Und sie haben es bekommen. Kein Remis, das gereicht hätte, um die Tabellenführung in der Bundesliga zu verteidigen. Kein knapper, gar glücklicher Sieg, mit dem auch der Gegner gut hätte leben können. Nein, der FC Bayern München hat am Mittwochabend vor 75.000 Zuschauern im wieder ausverkauften Stadion zu Fröttmaning RB Leipzig mit 3:0 (3:0) geschlagen und eine deutliche Botschaft an alle gesendet, die sich in Deutschland für Fußball interessieren: Seht her, mit uns ist zu rechnen. Und so gut der vom Getränkekonzern Red Bull gegründete und alimentierte Aufsteiger sich als Tabellenzweiter in seinen ersten 16 Spielen auch geschlagen hat - der Serienmeister aus München steht immer noch an der Spitze - wenn auch nur mit drei Punkten Vorsprung.

Es war durchaus eine Partie, die die Bezeichnung Spitzenspiel verdient hatte, auch wenn die Leipziger unter ihren Möglichkeiten blieben und nach einer halben Stunde nur noch mit zehn Spielern auf dem Platz waren, weil Emil Forsberg nach einem bösen Tritt gegen Philipp Lahm auf Höhe der Mittellinie die Rote Karte sah. Am Ende war es so, dass die Münchner mit den Toren von Thiago Alcántara (17.), Xabi Alonso (25.) und Robert Lewandowski (45.) schon vor der Pause derart in Vorleistung gingen, dass sie sich das Schaulaufen in der zweiten Halbzeit verdient hatten. Ein wenig wirkte es so, als hätten sie etwas Mitleid mit dem Gegner. Aber wahrscheinlich war es einfach so, dass es für diesen Abend genug war. Sie hatten für ein Spektakel gesorgt, mit dem in dieser Deutlichkeit keiner gerechnet hatte. Sie hatten ihre Macht demonstriert, das war ihnen wichtig. Ende der Durchsage.

Wenn der FC Bayern Ernst macht …

Es ist ja stets die Frage, ob die einen es nicht besser können. Oder ob sie deshalb so schwach waren, weil die anderen sie partout nicht ließen. In diesem Fall trifft das eher zu, sodass es letztlich nicht das propagierte Duell auf Augenhöhe war. Die Bayern zeigten sich extrem motiviert und ihr Trainer Carlo Ancelotti durchaus mutig. Er verzichtete auf Nationalspieler Thomas Müller und stellte mit Thiago einen der passsichersten Spieler seines Kaders auf die zentrale Position im Mittelfeld. Warum? "Er hat uns geholfen, ein gutes Angriffsspiel aufzuziehen." Auch sonst war der Italiener mit sich, der Welt und seiner Mannschaft sehr zufrieden: "Das Spiel gibt uns einfach Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Wir mussten uns verbessern - und wir haben uns verbessert."

Nun ist es nicht so, dass der FC Bayern seit Ancelottis Amtsantritt im Sommer nur Larifari gespielt hat. Aber ein bisschen drängte sich schon der Eindruck auf, dass die im Schnitt älteste Mannschaft der Liga die Sache gegen das jüngste und - gemessen an den Partien in der Bundesliga - unerfahrenste Team besonders ernst nahm, frei nach dem Motto: Wenn wir Ernst machen, kann uns national keiner das Wasser reichen. Ancelotti jedenfalls dufte unwidersprochen konstatieren: "Wir waren von Anfang an sehr aggressiv und hatten sofort die Spielkontrolle." In der Tat war es der FC Bayern, der in der Anfangsphase mit schnellem und kompromisslosem Umschaltspiel glänzte - eigentlich DAS Stilmittel des Gegners. "Vor allem die ersten 30 Minuten entsprachen genau meiner Vorstellung, das war perfekt. Ich bin sehr zufrieden." Was die Spielanlage und das Tempo angehe, habe einfach alles gestimmt, konstatierte Ancelotti. Hier spricht einer, der mit sich im Reinen ist. Sein Leipziger Kollege Ralph Hasenhüttl übte sich derweil in Demut: "Selbst wenn wir heute unsere beste Leistung gezeigt hätten, was wir nicht haben, wäre es sehr schwer geworden." Das sei eine Topleistung des FC Bayern gewesen. "Es war eine Lehrstunde." Das sei aber nicht schlimm, beteuerte er. Nun hätten seine Spieler wenigstens einmal gesehen, was gegen so einen Gegner alles passieren kann.

Deshalb wolle er auch nicht über die vielen verletzten Spieler klagen - was er dann aber doch tat. "Wir sind da im Moment doch ein wenig gebeutelt." Defensiv habe er keine Alternativen mehr gehabt, nicht alle Spieler - Naby Keita zum Beispiel - seien völlig fit gewesen. Und eben jener Keita war es dann auch, der vor dem 2:0 den Ball an Arturo Vidal verloren hatte. Zur Halbzeit nahm Hasenhüttl ihn raus. "Wenn da die Bayern einmal ernst machen, können wir das so nicht verteidigen. Mit dem 3:0 zur Pause waren wir noch gut bedient." Dem Trainer war aber eins noch ganz wichtig: "Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass wir bis hierher sehr gut gespielt haben." Nun gelte es, erst einmal ein wenig zu verschnaufen und die Pause im Winter zu nutzen. "Wir haben viel geleistet. Und wir werden in der Rückrunde mit einer ähnlichen Herangehensweise viele Punkte holen." Das klang dann schon wieder so, als sollten sich die Bayern ihrer Sache nicht zu sicher sein.

Quelle: n-tv.de

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