Fußball

Rummenigge nimmt Nübel in Schutz Der FC Bayern wird plötzlich sehr deutlich

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef vom FC Bayern, steht vor Spielbeginn am Spielfeldrand. Foto: Matthias Balk/Archivbild

Karl-Heinz Rummenigge stellt sich schützend vor Alexander Nübel.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Wenn über Alexander Nübel und den FC Bayern berichtet wird, dann sind es meistens keine sehr wohlwollende Sätze, die über den Torwart veröffentlicht werden. Das will sich der Bundesligist nun nicht mehr gefallen lassen.

Der FC Bayern hatte es am 19. Oktober 2018 angekündigt. Gegen eine unangemessene Berichterstattung werde man sich zur Wehr setzen, hatte es da geheißen. Auch wenn sie sich in München nicht gerne an diesen Tag zurückerinnern: Es war der Tag, an dem vor allem die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge die Welt auf beispiellose Weise über den ihrer Meinung nach respektlosen Umgang mit dem Rekordmeister der Fußball-Bundesliga aufklärten - und als Dekret verkündeten: "Es ist ein wichtiger Tag heute für den FC Bayern, weil wir ihnen mitteilen möchten, dass wir uns das ab sofort nicht mehr gefallen lassen."

Nun, am 23. April 2020, kommt es mal wieder zur Anwendung. Der zu Verteidigende heißt dieses Mal Alexander Nübel. Er gehört noch dem FC Schalke 04 an und wechselt im Sommer nach München. Als Torwart mit Ambitionen. Zu großen Ambitionen, wie manch einer meint.

Niemand allerdings beim Rekordmeister, wie Rummenigge per Klubmitteilung erklären lässt. "In den vergangenen Wochen ist immer wieder über Alexander Nübel berichtet worden. Im Namen des FC Bayern möchte ich klarstellen: Alle Entscheidungsträger des FC Bayern inklusive Cheftrainer Hansi Flick sind sehr glücklich darüber, dass Alexander Nübel zur neuen Saison Spieler des FC Bayern wird." Der 23-Jährige sei ja schließlich "einer der besten Nachwuchstorhüter Europas und ein wichtiger Spieler für die Zukunft unserer Mannschaft".

Die Bayern liefern den Debatten-Rohstoff

Für die Zukunft, ja, klar. Aber wann beginnt diese - zumindest für Nübel in München? Über dieses (Reiz)-Thema wurde tatsächlich sehr viel geschrieben und diskutiert. Die meisten Rohstoffe für die ausufernden Berichte, Kommentare und Kolumnen lieferten indes die Angestellten des Rekordmeisters höchst selbst. Zum Beispiel Manuel Neuer, der überhaupt nicht bereit ist, Spiele zugunsten seines Herausforderers abzugeben. Das sei dem Neuzugang aber vertraglich zugesichert worden - heißt es ja in mehreren Medien. Und so ist Neuer tatsächlich zum übergroßen Protagonisten geworden.

Allerdings anders als noch im Winter in Katar angekündigt. Fußballerisch wollte er die Hauptperson bleiben. Doch um Neuer und Fußball geht es derweil nicht mehr. Auch wegen der Corona-Krise. Wenn über den Kapitän und seinen Klub gesprochen wird, dann geht es plötzlich nur noch um den neuen Vertrag. Um viel Gehalt (wie viel ist nicht klar) und um lange Laufzeit. Um Indiskretionen und um Wut darüber. Und wäre da nicht Alexander Nübel, der geplante Nachfolger, wäre das alles vermutlich nicht so dramatisch. So aber kämpft der Kapitän um seinen Platz. Und darum, dass er selbst bestimmt, wann er ihn abgeben möchte.

Und dieser Platz, dieser Status ist unangreifbar. Auch für Hansi Flick. Der warb schon als Co-Trainer für Neuer, den "Weltbesten", und rückt auch als Chef nicht von seiner Linie ab. Dem "Kicker" sagte er erst in dieser Donnerstagsausgabe wieder: "Manuel Neuer ist eindeutig unsere Nummer eins, daran wird sich auch in der kommenden Saison nichts ändern." Nübel wisse das auch. Und über eine angeblich zugesagte Anzahl von Spielen bräuchte man auch nicht zu diskutieren, denn "wer letztendlich spielt, ist immer Sache des Trainers. Und diese Entscheidung spreche ich immer mit meinem Trainerteam ab."

Eventuell nur Torwart Nummer drei?

So wird sich Nübel erst einmal im Duell gegen die Nummer zwei, Sven Ulreich, durchsetzen müssen. Und das scheint Aufgabe genug. "Alexander ist ein sehr talentierter Keeper, den wir weiterentwickeln wollen. Allerdings ist auch klar, dass beim FC Bayern der Leistungsgedanke zählt - sogar noch extremer als woanders. Und zurzeit macht Sven Ulreich seine Sache wirklich hervorragend", lobte Hansi Flick und versprach aber: Er wird das gleiche Vertrauen und die gleiche Wertschätzung wie alle anderen Torhüter und Spieler in unserer Mannschaft bekommen."

Ob sich das nun mit Rummenigges veröffentlichtem Machtwort deckt? Nun, zumindest werden Ausbrüche von der Klublinie vorerst nicht folgen. Und noch eines, das zuletzt häufiger vor- und nicht gut ankam, sollte besser unterlassen werden, wie der Klubchef nun anweist: "Weiterhin möchten wir festhalten, dass sich der FC Bayern abwertende Kommentare von Spielerberatern über andere Spieler des FC Bayern grundsätzlich verbittet."

Es gilt schließlich, was damals, am 19. Oktober 2018 verkündet wurde. Auch wenn's kein schöner Tag war.

Quelle: ntv.de, tno