Fußball

Kapitän verärgert über FC Bayern Neuer wehrt sich gegen den Imageschaden

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Neuers Geduld scheint strapaziert.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Es kriselt zwischen Manuel Neuer und dem FC Bayern. Der Torhüter wählt den Angriff und zeigt sich enttäuscht davon, dass Interna an die Öffentlichkeit dringen. Dennoch würde er gerne in München verlängern. Der Verein möchte das aber offenbar nicht um jeden Preis - so wie einst bei Toni Kroos.

Manuel Neuer kämpft nach Raffgier-Vorwürfen um sein Image. Der verärgerte Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft und sein Berater Thomas Kroth weisen Spekulationen über einen geforderten Fünfjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von 20 Millionen Euro als falsch zurück. "Mir ist doch völlig klar, dass es utopisch ist, den Verein auf einen Fünfjahresvertrag, wie er angeblich im Raum steht, festzunageln", sagte Neuer der "Bild am Sonntag". Die kolportierten Zahlen seien "schlichtweg falsch", betonte Kroth. Maulwurf-Verdächtigungen gegen den FC Bayern schwingen bei den Aussagen der beiden auch mit.

Die Verhandlungen zwischen den Münchnern und dem 34-jährigen Neuer sind vertrackt, das Vertrauensverhältnis ist getrübt. Bei Laufzeit und Gehalt liegen die Verhandlungspartner deutlich auseinander. Ein Scheitern der Gespräche kann bei aller gegenseitigen Wertschätzung zwischen Weltklassetorwart und Serienchampion zwar nicht mehr ausgeschlossen werden. Aber eine Einigung gilt immer noch als die wahrscheinlichere Variante.

Der Keeper signalisierte in dem Interview weiter Interesse an einer Verlängerung seines Vertrags, der am 30. Juni 2021 ausläuft. Doch das öffentliche Vorpreschen und Vorwürfe der Indiskretion dürften für viel Ärger bei den Münchner Klub-Bossen sorgen. Vom Verein gab es am Sonntag keine Stellungnahme. Kroth nannte als Gesprächspartner beim Verein Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Vorstand Oliver Kahn, die er damit zu Kandidaten für Geheimnisverrat machte.

Ein gemeinsames Interview ist unüblich

"Es ist schon irritierend, dass Gesprächsinhalte in den Medien auftauchen. Über welche Kanäle auch immer. Ich verhandle ja nicht zum ersten Mal mit dem FC Bayern, aber in der Form ist das neu", sagte Kroth in dem Interview mit dem Medium, das häufig exklusive Nachrichten aus der Branche verbreitet und auch in der Neuer-Causa anscheinend viele Details aus dem Hinterzimmer erfährt. Dass ein Profi und ein Berater gemeinsam ein Interview geben, ist nicht üblich.

Neuer ist gekränkt. "Klar, das ärgert mich. Das kenne ich so nicht beim FC Bayern. Mir war immer wichtig, mit den Mitarbeitern in Führungspositionen vertrauensvoll zusammenarbeiten zu können - so loyal, wie ich mich als Spieler und Kapitän dem Verein gegenüber auch verhalte", sagte Neuer. "Wenn jetzt Sachen offenbar gezielt nach außen getragen werden, ist das auch etwas, das den Bereich "Wertschätzung" betrifft."

Viel Wertschätzung erfuhr Neuer indes in der Zeit, als er lange verletzt nicht im Tor stehen konnte. Er und sein Berater kämpfen nun gegen das Bild, dass der Weltmeister von 2014 den Klub in der Corona-Krise mit Forderungen konfrontieren würde, die diesen belasten. Beide sind um das Ansehen des Nationaltorwarts bemüht. In gesellschaftlich schwierigen Zeiten hatte es angesichts der enormen Summen schon Raffgier-Vorwürfe gegeben.

Endet Neuer wie seinerzeit Kroos?

Kroth sorgte im Sommer schon einmal für Aufsehen. In einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" tat er seine Meinung über einen angeblich auf höchstem Niveau nicht konkurrenzfähigen Münchner Kader kund; vermutlich war das auch die Meinung seines langjährigen Klienten. Eine Geldstrafe gab es seinerzeit nicht.

Zehn Jahre zuvor hatte Ex-Kapitän Philipp Lahm für seine Kritik an der Transferpolitik kräftig zahlen müssen - allerdings hatte er selbst gesprochen. Neuer betonte, wie wichtig die Trainer-Personalie für seine Zukunft sei. Hansi Flick sei "ein super Trainer", sagte der 92-malige Nationalspieler über den langjährigen Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw. Flicks Vertragsverlängerung bis 2023 sei "auch ein Signal" für ihn gewesen.

Für Neuer sind die Top-Möglichkeiten auf dem Torhütermarkt aktuell überschaubar, denn die internationalen Spitzenklubs sind gut versorgt. Doch käme ein Weltklassekeeper vom Format Neuers auf den Markt, könnte das für neue Bewegung sorgen. Dass die Münchner Stars nicht um jeden Preis halten wollen, bewiesen sie schon. Im Jahr 2014 ließen die Bayern Toni Kroos zu Real Madrid gehen, um nach den gescheiterten Verhandlungen noch eine Ablöse zu kassieren. Beim einstigen DFB-Kapitän Michael Ballack zog Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dessen Wechsel im Sommer 2006 zum FC Chelsea eine lukrative Offerte öffentlich zurück - und erntete dafür Jubel vieler Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung. So weit muss es bei Neuer nicht kommen.

Quelle: ntv.de, Christian Kunz und Jens Marx, dpa